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Erstauflage der Langstrecken-WM: Audi gegen Herausforderer Toyota | © Maximilian Graf

2012: Reanimation der Sportwagen-WM

Das Jahr 2012 war zäsurbildend für die Historie des Langstreckensports. ACO und FIA wandten sich dem Vorhaben zu, die Sportwagen-Weltmeisterschaft zu reanimieren. Auf dem Postament des Intercontinental Le Mans Cups richtete das Veranstaltertandem die Premieresaison der Langstrecken-WM aus. Obwohl die Szene bereits frühzeitig die Hiobsbotschaft erreichte, Peugeot müsse sein Le-Mans-Engagement einstellen, stemmten die Organisatoren die selbstgestellte Herkulesaufgabe und in Sebring fiel schließlich der Startschuss. Im Fokus: die konkurrierenden Hybridsysteme der Widersacher Audi und Toyota.

Infolge einiger Startschwierigkeiten avancierte Novize Toyota peu à peu zum ebenbürtigen Gegner Audis. Nachdem der Seriensieger einen unangefochtenen Triumph bei den 24 Stunden von Le Mans davontrug, brachte Toyota den süddeutschen Konstrukteur in der zweiten Saisonhälfte massiv in Bredouille. Der pazifische Hersteller gewann die Läufe in São Paulo, am Fuji und in Shanghai. Dennoch krönten sich die Audianer André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler zu den ersten Langstrecken-Weltmeistern.

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Anderenorts geriet die Marke „Le Mans“ dagegen in eine Misere. Die umgetaufte ELMS-Meisterschaft litt unter akutem Teilnehmermangel. Nachdem die Saisoneröffnung in Le Castellet ein tristes Bild ergab, fand der Lauf in Zolder gar nicht statt, die Saisonrunde im Donington Park geriet zur Katastrophe. Letzten Endes ließen die Verantwortlichen die Serie sukzessive ausbluten. Das Finale wurde gemeinsam mit der ALMS beim Petit Le Mans ausgetragen. In den darauffolgenden Jahren reetabilierte der ACO die Serie jedoch erfolgreich.

Leidensgenosse Ratel musste seine Hoffnungen gleichermaßen begraben. Seine GT1-Weltmeisterschaft – die im Grunde nur eine nominelle GT1-WM war, denn sie wurde mit GT3-Autos bestritten und fand ausschließlich in Europa statt – musste im Laufe des Jahres umgestaltet und letztlich eingestampft werden. De facto hielt Ratel die Meisterschaft mit Finanzspritzen an diverse Rennställe künstlich am Leben, was erwartungsgemäß zum Aus führte.

Derweil spitzten sich im nationalen GT-Sektor, im ADAC GT Masters und in der VLN-Langstreckenmeisterschaft, etliche Unstimmigkeiten zu. Die Balance of Performance wurde zum Apfel der Zwietracht. Einige Akteure erachteten die Fahrzeugeinstufungen, welche während der Saison vorgenommen wurden, als unangemessen. Das Reizthema sorgte unentwegt für Diskussionsstoff.

Grasser Racing, Reiter Engineering und Schulze Motorsport waren letztendlich nicht gewillt, den Kelch bis zur bitteren Neige zu trinken, weshalb sie vorzeitig den Rückzug aus dem GTM antraten. Daher vermuteten Kritiker hinter der Entscheidung des ADAC, das Starterfeld hinfort zu limitieren, einen Versuch, einen drohenden Teilnehmerrückgang zu kaschieren.