LMP1 in Le Mans: Pflichterfolg für Toyota?

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Toyota steht in Le Mans unter Erfolgszwang | © Toyota Hybrid Racing

Die Wettquoten sind unzweideutig: Toyota startet als haushoher Hauptfavorit in Le Mans. Ein Kantersieg ist eigentlich Pflicht. Andererseits lastet ein unermesslicher Druck auf dem ewigen Zweiten. Eine Minimalchance für den Underdog Rebellion Racing? Der Rest ist mit sich selbst beschäftigt.

In diesem Jahr tut beileibe keine Konsultation eines Orakels not, um den Ausgang des prestigeträchtigen Ausdauerrennens in Le Mans vorherzusagen. Man sollte sich keinerlei Illusion anheimgeben: Toyota tritt an diesem Wochenende als turmhoher Favorit an, die Privatrennställe nehmen allenfalls eine Außenseiterstellung ein, deren Hoffnungen auf einer Fehlleistung des fernöstlichen Konstrukteurs ruhen.

Das zu erwartende Szenario bei der Belastungsprobe auf der Via Regia des Langstreckensports: Das TMG-Gespann eilt von Anbeginn davon und geht sogleich daran, seine himmelhohe Überlegenheit zielbewusst zu nutzen, um seine Führungsstellung zu konsolidieren. Die Kernstrategie dürfte auf die Vermeidung etwaiger Unvorsichtigkeiten und Unachtsamkeiten abzwecken. Sofern keine fremdverursachten Sperenzchen den Siegesmarsch vereiteln, erstreitet Toyota einen Zweifacherfolg.

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Bei Lage der Dinge sind Toyota und die Privatiers keineswegs gleichgeordnet. Die herkömmlichen Sportwagen sind de facto außerstande, den Hybridprototypen hinsichtlich der Gesamtleistung gleichzukommen. Die Equivalence of Technology mildert die anzunehmende Dominanz indes nicht ab – im Gegenteil. Das Korrektiv beflügelt die Werksmannschaft, hegt die Chancen der Kontrahenten dahingegen ein.

Muss Fernando Alonso gewinnen?

Die regulierende Eingriffe verschärfen also die Ungleichheit zwischen dem potenten Hersteller und den mindersituierten Privatrennställen. Zum einen erlegte das Instrument zur Technologieangleichung den konventionellen Boliden eine Leistungsverminderung auf, zum anderen reduzierten die Anpassungen seit Saisonstart die Benzinmenge sowie deren Durchfluss pro Stint.

Pikanter ist demgegenüber eine andere Frage, die sich hinsichtlich des Toyota-Binnenduells aufdrängt. Wer ist nach der eintägigen Distanz innerbetrieblich obenauf? Forciert der Hersteller aus Japan zu Vermarktungszwecken einen Triumph Fernando Alonsos mit seinen Stallgefährten Kazuki Nakajima und Sébastien Buemi, oder leisten Mike Conway, Kamui Kobayashi und José María López auch in einer ergebnisoffenen Schlussphase resolut Widerstand?

Andererseits: Seit beinahe einem halben Jahrhundert trieb die geradezu fluchbeladene Unternehmung Toyotas an der Sarthe keinen Gesamtsieg hervor, was dem Nippon-Konstrukteur den Titel des ewigen Zweiten eintrug. Eine Historie, welcher mitunter eine unleugbare Tragik innewohnte. Da dem Unterfangen bislang kein Erfolg beschieden war, lastet also ein ungemeiner Druck auf der Mannschaft, deren Aussichten günstiger denn je sind. Beeinträchtigt die Bangnis eines neuerlichen Fehlschlags die Vorrangstellung?