Langstrecken-WM: Porsche zieht Berufung zurück, Ferrari als Weltmeister bestätigt

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Porsche hat den Protest gegen Ferrari zurückgezogen - damit ist Ferrari offizieller Weltmeister | © Ferrari Media

Die Titelentscheidung in der GTE-Pro-Klasse war in puncto Spannung kaum zu überbieten. Das gesamte Finale über bekämpften sich Ferrari und Porsche mit allen Mitteln, am Ende gipfelte das Duell in einer Kollision zwischen den beiden Aspiranten. Nach dem Rennen legte Porsche Protest ein, welcher nun zurück genommen wurden. 

In der zehnjährigen Geschichte der Langstrecken-WM gab es wohl noch nie eine kontroversere Titelentscheidung als in dieser Saison in der GTE-Pro. Nach dem Rückzug von Aston Martin aus der Klasse blieben nur Ferrari und Porsche werksseitig vertreten. Und beide Hersteller bekriegten sich mit allen Mitteln der Kunst.

Bereits vor den Doubleheader in Bahrain drohte der Streit zwischen den Parteien zu eskalieren. Ferrari wurden vor dem Sechs-Stunden-Rennen per manuellen Eingriff in die Balance of Performance 25 Pferdestärken gestrichen. Dies kann der Veranstalter nur einmal pro Saison machen, wenn ein Hersteller von der automatischen BoP zu sehr bevorzugt, respektive benachteiligt wird. In Le Mans dominierte noch das Cavallino Rampante, beim Halbfinale hinkten die Roten plötzlich meilenweit hinterher.

Daher reagierte der ACO nochmals und gab Ferrari die Hälfte der Leistung zurück. Sodann konnte Ferrari bei den 8 Stunden von Bahrain direkt wieder vorne mitfahren. Es war also angerichtet für ein packendes Finale. Kevin Estré stellte den Titelanwärter aus Zuffenhausen auf die Poleposition. Die direkten Kontrahenten Alessandro Pier Guidi und James Calado begannen von Rang zwei. Die Ausgangslage war einfach. Wer gewinnt, wird Weltmeister.

Was folgte, waren epische Zweikämpfe und Strategieschlachten zwischen beiden Herstellern. Mit etwas als siebzig Minuten Fahrzeit übergab Estré nach einem starken Stint den Elfer in Führung liegend an Micheal Christensen. Dieser sollte einen Vorsprung von zwölf Sekunden gegen Pier Guidi verteidigen. Dies gelang bis ungefähr zehn Minuten vor dem Ende, da Pier Guidi die Lücke Stück für Stück zu fahren konnte.

Dann ereignete sich der folgenschwere Zwischenfall zwischen beiden Streithähnen. Im Überrundungsverkehr und beim Anbremsen der letzten Kurve auf dem Bahrain International Circuit fuhr Pier Guidi Christensen aufs Heck und drehte den Dänen um. Darauf befahl Rennleiter Edoardo Freitas, dass Pier Guidi den Porsche-Piloten wieder durchlassen muss. Der Italiener verzögerte im letzten Sektor der nächsten Runde und wartete auf Christensen.

Dieser bog jedoch in der letzten Sekunde in die Box ab und absolvierte den notwendigen Splash-&-Dash. Eine Runde später steuerte Pier Guidi ebenfalls die Box an, um die letzten Liter Sprit mitzunehmen. Nach den Stopps lag Pier Guidi knapp vor Christensen und fuhr den Sieg nach Hause. Damit hatte Ferrari vorläufig sowohl den Fahrer- als auch Marken-WM-Titel sicher.

Porsche legt noch vor Ort Protest ein

Porsche legte sofort nach dem Rennen Protest gegen die Entscheidung ein. Die Stewards wiesen den Antrag von Porsche zurück, da im Reglement für ein solches Vergehen nicht explizit eine Durchfahrtsstrafe erfolgen muss. Freitas sprach die Strafe des Platztausches aus, um den Fans ein spannendes Finale zeigen zu können.

Daraufhin wandten sich die Deutschen an das FIA-Berufungsgericht. Doch dort zog man knapp vor Ablauf einer 96-stündigen Frist die Berufung mangels Aussicht auf Erfolg zurück. Die Rennleitung musste innerhalb weniger Augenblicke entscheiden, ob Pier Guidi genügend Zeit hat verstreichen lassen. In den Augen der Rennleitung war dies der Fall, weshalb die Anweisung des Platztausches zurückgenommen wurde. Sowohl der vermeintliche Platztausch als auch die Rücknahme der Strafe sind Tatsachenentscheidung zwischen Freitas und den Stewards, weshalb ein Erfolg vor Gericht sehr unwahrscheinlich sei.

Damit holte Ferrari nun offiziell den Fahrer- und Marken-WM-Titel.