Langstrecken-WM: Michelin akzeptiert Geldstrafe, DragonSpeed wartet ab

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Auch SMP Racing haderte mit Elektronikproblemen | © Daniel Spaar (1VIER.com)

Nach dem Auftakt zur FIA-WEC-Supersaison hat die FIA einen Regelverstoß Michelins mit einer 250.000-Euro-Starafe geahndet. Aufgrund des schweren Unfalls in der Qualifikation, bei dem Pietro Fittipaldi mehrere Knochenbrüche erlitt, zieht sich DragonSpeed vorerst zurück. Die Le-Mans-Teilnahme Manors ist fraglich. Ein Nachrichtenspiegel.

FIA belegt Michelin mit horrender Geldstrafe

Die FIA hat Michelin eine 250.000-Euro-Starfe auferlegt, weil der Reifenhersteller beim Eröffnungsrennen der Langstrecken-WM in Spa-Francorchamps nicht die festgeschriebene Anzahl an Pneus bereitstellte. Eine Regelnovelle verpflichtete die Lieferanten das Reifenkontingent für die gesamte Supersaison, welche sich über dreizehn Monate erstreckt, bereits vierundzwanzig Stunden vor dem Beginn der Auftaktveranstaltung an die Organisatoren zu übergeben.

Als Lieferant von zweiunddreißig der fünfunddreißig teilnehmenden Rennställe musste Michelin darum siebenhundertfünfzig Reifen zur Verfügung stellen. Um eine Fortentwicklung bereits homologierter Reifen sowie der Bevorzugung einzelner Kunden abzuwenden, soll mit Fortdauer der Supersaison an den Rennwochenenden eine randomisierte Zuteilung an die Mannschaften aus ebenjenem Bestand erfolgen.

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Die Regelverletzung widerspreche der „sportlichen Gerechtigkeit und Fairness“, monierte die FIA in einer Mitteilung. Denn nun könne der Organisator die „Stabilität verschiedener Reifenspezifikationen“ nicht garantieren. Michelin akzeptierte das Bußgeld. Die französische Reifenmarke musste 50.000 Euro sogleich bezahlen. Sofern Michelin imstande ist, die fehlenden Gummis bis zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu liefern, entfällt der Restbetrag.

In einer Stellungnahme räumte Michelin ein, nicht die qua Reglement vorgeschriebene Reifenmenge zur Verfügung gestellt zu haben. Allerdings weist der Reifenhersteller auf den Umstand hin, ACO und FIA über das Problem in Kenntnis gesetzt zu haben, nicht über hinreichend Kapazitäten zu verfügen, um die notwendige Reifenmenge pünktlich zu liefern. Im Augenblick ist fraglich, ob Michelin imstande ist, bis zum dritten Juniwochenende seiner Pflicht nachzukommen.

DragonSpeed wartet auf Analyse der Dallara-Ingenieure

Das LMP1-Gespann DragonSpeed hat den Entschluss gefasst, sein FIA-WEC-Programm vorerst zu unterbrechen. Nach dem schweren Unfall in der Qualifikation zu den Sechs Stunden von Spa-Francorchamps , bei dem Pietro Fittipaldi Frakturen an beiden Beiden davontrug, wolle Teamchef Elton Julian keine weiteren Einsätze mit dem Prototyp von BR Engineering durchführen, ehe die verantwortlichen Dallara-Ingenieure die Ursache geklärt haben.

Was hatte sich zugetragen? Beim Durchfahren der Hochgeschwindigkeitspassage Eau Rouge ging Fittipaldi der Kontrolle seines LMP1-Sportwagens verlustig und schlug frontal in die Reifenbarriere ein. Obwohl DragonSpeed den Auslöser für den Defekt an der Lenkung noch nicht herausarbeiten konnte, vermutet Teamchef Julian einen Zusammenhang mit anhaltenden Elektronikproblemen, die seit der Entgegennahme des BR1-Prototyps auftreten.

Ungeachtet der nottuenden Reparaturen harre DragonSpeed nun der Untersuchungsergebnisse der Dallara-Techniker, welche BR Engineering mit der Konstruktion des LMP1-Fahrzeugs betraut hat. „Für den Moment ist es geparkt, bis wir wissen, was passiert ist“, erläutert Julian gegenüber Sportscar365. Falls DragonSpeed einen neuen Sportwagen erhalte, wolle die Mannschaft zunächst wissen, was zu dem Zwischenfall führte.

Auch SMP Racing selbst haderte mit denselben technischen Gebrechen. Bedingt durch Schwierigkeiten mit der Elektronik, blieb Stéphane Sarrazin in der Qualifikation auf der Kemmel-Geraden ohne Vortrieb stehen. In der Schlussphase des Rennens verunfallte Stallgefährte Matewos Issaakjan – aus ungeklärten Gründen – ebenfalls im Abschnitt Eau Rouge. Nichtsdestoweniger beteuert BR Engineering, in jedem Fall an den 24 Stunden von Le Mans teilzunehmen.

Startet Manor in Le Mans?

Eine Hiobsbotschaft erreichte wiederum Manor zur Saisoneröffnung im Ardenner Wald. Die LMP1-Equipe taumelte unerwartet in Finanzierungsschwierigkeiten, weil Hauptsponsor CEFC unter dem Verdacht der Korruption steht und eine Verstaatlichung des chinesischen Unternehmens droht. Ginetta erteilte seinem Kunden daher keine Startgenehmigung für das Sechs-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps.

Nun schwebt die Frage im Raum, ob Manor imstande ist, eine Teilnahme am 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu schultern. Die Verantwortlichen hüllen sich in Verschwiegenheit. Durch ein Forfait Manors würde das LMP1-Teilnehmerfeld auf lediglich acht Sportwagen zusammenschmelzen – vorausgesetzt, BR Engineering und Dallara arbeiten die Vorkommnisse beim Saisonauftaktlauf rechtzeitig auf.