Martin Rosorius: „Gehe davon aus, dass auch größere Teams von Insolvenz bedroht sind“

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Auch größere Rennställe sind vor der Corona-Pandemie nicht gefeit | © Ralf Kieven (1VIER.COM)

Die Unterbrechung des Rennbetriebs wegen der Corona-Pandemie bereitet auch der Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring Sorgen. Der Vorsitzende Martin Rosorius befürchtet bei mehrmonatiger Pause „reihenweise Insolvenzen“. Die Restsaison erfordere „unkonventionelle Wege“.

Die grassierende Corona-Pandemie paralysiert auch die Rennställe, welche regelmäßig auf der Nürburgring-Nordschleife antreten. Nach den Einstellfahrten verstummten die Motoren in der Vulkaneifel. Zumindest hat sich die Veranstaltergemeinschaft mittlerweile darangemacht, einen Alternativkalender mit Ausweichterminen zu konzipieren, welcher auch Doppelveranstaltungen einbegreift. Zudem stehen Geisterrennen zur Debatte.

Nichtsdestoweniger durchzittert einen Gutteil der Teams die Angst, wegen der wirtschaftlichen Abwärtsdynamik in die Zahlungsunfähigkeit zu wanken. „Sollte die Aussetzung des Rennbetriebs noch mehrere Monate andauern, drohen reihenweise Insolvenzen“, befürchtet der ILN-Vorsitzende Martin Rosorius in einer Mitteilung der Interessengemeinschaft, welcher dennoch den Maßnahmen, um der Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken, Priorität zuerkennt.

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Ungeachtet der finanziellen Hilfeleistungen staatlicherseits sowie der Zahlung von Kurzarbeitergeld gefährde die Misere die Existenz zahlreicher Mannschaften. „Ich gehe davon aus, dass gerade auch größere Teams aufgrund ihrer entsprechenden Kostenstruktur von einer Insolvenz bedroht sind und ihren Zahlungsverpflichtungen nur noch begrenzte Zeit nachkommen können“, schätzt Rosorius die Situation ein. Manche Equipe nähere sich schon der „finanzielle Schmerzgrenze“. Zumal nun auch Sponsorengelder wegbrechen.

Rosorius: „Halte es für wichtig, dass wir auch unkonventionelle Wege gehen“

Die Ausrichtung zweier Wertungsläufe an einem Wochenende rufe unterdessen unterschiedliche Reaktionen hervor, weil kleinere Gespanne ungünstigstenfalls außerstande seien, ihren Rennwagen nach einem Unfall rechtzeitig zu reparieren. „Generell halte ich es für wichtig, dass wir in dieser Krisensituation auch unkonventionelle Wege gehen oder zumindest ergebnisoffen diskutieren“, betont Rosorius, welcher ein zusätzliches Streichresultat vorschlägt.

Die Ansetzung zweier Rennen im November konfrontiert unterdessen unvermeidlich mit den Wetterlaunen in der Vulkaneifel: Einen etwaigen Aufruhr der Elemente müsse in den Planungen Berücksichtigung finden. „Dabei darf sich eine Situation wie im vergangenen Jahr beim zweiten Saisonlauf – als nach einer Rennrunde wegen Schneefalls abgebrochen wurde, ohne den Teams das Startgeld zurückzuerstatten – nicht wiederholen“, mahnt Rosorius. „Da müssen wir eine kulante finanzielle Regelung finden.“

Außerdem berieten und unterstützten die Rennställe einander während der motorsportlichen Zwangspause, um eine ergiebige Vorgehensweise herauszuarbeiten, um die COVID-19-Pandemie durchzustehen. „Die NLS und auch das 24-Stunden-Rennen brauchen eine Vielzahl an Teilnehmern – sonst geht nicht nur der sportliche Reiz verloren, sondern auch die Nenngelder für alle Fahrzeugklassen in die Höhe, was zusätzlich kontraproduktiv wäre“, unterstreicht Rosorius.