Kommentar: Die private LMP1 ist tot, es lebe die LMP2

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Rebellion Racing verpasst der privaten LMP1 den verdienten Todesstoß | © Ralf Kieven

Die private LMP1-Klasse ist ein Relikt aus alten Zeiten. Keine private Mannschaft kann es heute mehr mit den Werken aufnehmen. Damit ist es gut und richtig, dass Rebellion Racing dieser Pseudo-Klasse der Langstrecken-WM den Stecker zieht. Die LMP2-Kategorie ist das richtige Betätigungsfeld für privat eingesetzte Autos. Ein Kommentar.

Rebellion Racing hat angekündigt, ab 2017 nicht mehr in der LMP1-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft antreten zu wollen. Stattdessen wendet sich Bart Hayden der LMP2-Klasse zu. Damit hat die Mannschaft der privaten LMP1 den verdienten Todesstoß verpasst. Der wertloseste Pokal der Motorsport-Szene ist nun endgültig nur noch ein Haufen Blech.

Das Konzept von privaten Mannschaften in der Königsklasse stammt aus einer vergangenen Zeit. Dass David Rebellion Racing tatsächlich die Goliath-Werke Porsche, Audi und Toyota schlagen könnte, ist nur eine Illusion. Der Rebellion R-One war nie konkurrenzfähig, ist auch in dieser Saison nicht konkurrenzfähig und wird nie konkurrenzfähig sein. Die Ressourcen liegen, ganz klar, diametral auseinander.

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Für Rebellion und ByKolles, welches offiziell der LMP1 noch nicht abgeschworen hat, ist diese Klasse reinste Zeit- und Geldverschwendung. In Rennen fernab des Interesses der Medien und Zuschauer lässt es sich nur schwer Kunden gewinnen. Damit ist es nur logisch, dass dieses Schauspiel nun ein Ende findet. Zwar hat ByKolles den Ausstieg noch nicht verkündet, einen Soloauftritt halte ich jedoch für unwahrscheinlich. Weitere Teilnehmer sind nicht in Sicht seit Strakka Racing diese Unterfangen auf Eis gelegt hat.

LMP2, die GT3 der Prototypen-Szene

Damit stellt sich das Gleichgewicht im Prototypensport auf natürliche Weise her. Die LMP1 sollte den Werken vorbehalten sein, die sich dort einen Technologie-Krieg ohne Rücksicht auf Verluste liefern. Es sind die schnellsten Fahrzeuge mit den besten Fahrern. Dies erzeugt nicht nur Spannung auf der Strecke – es fördert auch die Zukunft des Automobils. Kein Privatteam kann dies leisten, selbst mit einem Budget à la Audi oder Porsche. Es fehlt schlicht die Expertise eines Automobilkonzerns.

Die LMP2-Klasse dagegen sollte das Betätigungsfeld für private Fahrzeuge sein. Dies hat zahlreiche Vorteile. Der LMP2-Bolide ist universell in WEC, ELMS, IMSA und Asian LMS einsetzbar. Durch das stärker reglementierte Auto herrscht Chancengleichheit, was zu sehenswerten Kämpfen führt – welche Anklang beim Publikum finden. Letztlich sind auch die Einsatzkosten deutlich geringer, was die Finanzierung erleichtert. An Professionalität steht die LMP2 der LMP1 in nichts nach.

Durch den heute vollzogenen Schritt hat Rebellion Racing die Zukunft der WEC gesichert, welche vom Unterbau LMP2 lebt. Diese ist die GT3-Klasse der Prototypen-Szene. Dies ist die GTE-Am nicht imstande zu leisten, da die Konkurrenz durch ebenjene GT3-Autos zu stark ist. Der nächste wichtige Schritt für den ACO wäre, die Fahrerbeschränkung (Silber-Platin-Platin) in der LMP2 abzuschaffen. Diese wird ohnehin durch professionelle Silber-Piloten von den Teams unterwandert.