Porsche in Daytona: Teilerfolg, aber „bitterer Beigeschmack“

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Porsche erlebte ein dramatisches 24-Stunden-Rennen von Daytona. Die Vorgänge: Es fing an mit einer schwachen Qualifikation und einem frühen Defekt; fand seine Fortsetzung in einer starken Aufholjagd, einem denkwürdigen Zwischenfall in der Nacht, aber endete mit einem versöhnlichem Ausgang in der GTD-Klasse.

Der Ausdruck der Gefühlsachterbahn wird ziemlich oft verwendet, aber auf jener Achterbahn befand sich der Zuffenhausener Automobilbauer bei der 24 Stunden von Daytona. Nach einer schwachen Qualifikation, in dem die zwei Werkselfer die Plätze acht und zehn belegten, kam bereits in der zweiten Rennrunde der nächste Nackenschlag: der Porsche mit der Startnummer 912 musste in die Box, wo der Generator gewechselt wurde.

Durch diesen Zwischenfall verloren Jörg Bergmeister, Earl Bamber und Frédéric Makowiecki sechs Runden. Währenddessen beeindruckte Stallgefährte Nick Tandy, der sich von Platz acht an die Spitze kämpfte. Seine Fahrweise gefiel jedoch nicht jedem. Bill Auberlen, seines Zeichen für BMW in der GTLM unterwegs, bezeichnete den Briten als „schlechtesten Autofahrer der Welt“ und er könne „nicht Auto fahren, ohne andere zu berühren“.

Famose Aufholjagd und denkwürdiger Zwischenfall

Durch eine perfekte Rennstrategie und vielen Safety-Car-Phasen befand sich die Besatzung der Nummer 912 kurz vor Mitternacht wieder in der Führungsrunde. Dort lagen beide Werkselfer auf den Plätzen zwei und drei. Doch die Freude hielt nicht lange: Beim Versuch einen Aston-Martin-Mitstreiter aus der GTD-Klasse zu überholen, kam Bamber von der Strecke ab und räumte ausgerechnet in der darauffolgenden Rechtskurve seinen Teamkollegen Marc Lieb ab. 

Porsche-Werksfahrer Bamber bedauert den Vorfall, zeigt sich im Hinblick auf die bevorstehenden Aufgaben keineswegs verdrossen. „Die Kollision mit Marc war eine Verkettung unglücklicher Umstände“, schildert Bamber das herstellerinterne Intermezzo. „Es tut mir leid, dass sie solche Folgen hatte. Wir sind bis dahin ein sehr gutes Rennen gefahren und hätten als Team ein besseres Resultat verdient gehabt.“ 

Der Wagen von Bamber verlor aufgrund des Unfalls achtzehn Runden, der Wagen von Lieb sogar zweiundachtzig Runden. Damit besaß Porsche nur noch einen Porsche in der GTLM-Klasse mit realistischen Siegchancen. Dieser war die Truppe des Teams Falken Tire. Doch auch ihnen war das Glück nicht hold. Wolf Henzler, Patrick Long und Bryan Sellers behauptete sich lange auf einer Spitzenposition, bis sie durch einen Motorschaden zur Aufgabe gezwungen worden sind. 

Versöhnliches Ergebnis in der GTD

Auch die Mannschaft mit der Bezifferung 912 gab nicht auf und kämpfte sich wieder auf den vierten Platz vor, doch am Sonntagvormittag wurde der 911 RSR abgestellt, weil sich ein Antriebsdefekt andeutete. Während die Porsche in der GTLM starke Probleme hatten, trumpften die Kundenteams aus der GTD-Sparte auf und holten für Porsche die Kohlen aus dem Feuer. 

Hinter der fehlerfreien Fahrt von Riley Technologies mit der SRT-Dodge-Viper, erkämpfte sich Alex Job Racing mit Cooper MacNeil, Leh Keen, Andrew Davis und Shane van Gisbergen den Silberrang. Auch der Bronzerang ging an ein Porsche-Team. Dempsey/Wright Motorsport sicherte sich mit Patrick Dempsey, Jan Heylen, Madison Snow und Philipp Eng schlussendlich den dritten Platz. 

„Für uns war das ein sehr schwieriges Rennen mit einem enttäuschenden Ergebnis. Da gibt es nichts zu beschönigen“, gibt Doktor Frank-Steffen Walliser, Porsche-Motorsportchef, im Anschluss an den Langstreckenwettbewerbe in Florida zu. „Wir haben streckenweise eine gute Performance gezeigt, aber durch den Unfall haben wir uns selbst um alle Chancen gebracht. Dazu kamen unerwartet viele technische Probleme.“ 

Wallisers Glückwunsch gehe daher in Richtung Alex Job Racing und Dempsey/Wright Motorsport, die mit konstanter Fahrweise auf das Podium gefahren sind. Dennoch bliebe nach diesem Wochenende natürlich ein „bitterer Beigeschmack“.