VLN: Wer war der Schnellste in der Grünen Hölle 2013? – Teil vier: BMW

142

Porsche, Audi, Mercedes-Benz oder doch BMW? SportsCar-Info wagt eine Einschätzung des Kräfteverhältnisses der Protagonisten in der VLN-Saison 2013. Dabei kamen, über das gesamte Jahr gesehen, interessante Aspekte zum Vorschein. Der finale Teil der Reihe beschäftigt sich mit den BMW Z4.

Die VLN-Saison 2013 ist Geschichte. Das Audi-Team Phoenix Racing verabschiedete sich mit einem Sieg im Saisonfinale am 26. Oktober zusammen mit den Kontrahenten in die Winterpause der Langstreckenmeisterschaft auf der Nürburgring-Nordschleife. Der Rennstall aus Meuspath holte damit den vierten Saisonsieg für die Marke mit den vier Ringen. Kein anderer Hersteller gewann dieses Jahr mehr Wertungsläufe der VLN. Doch spiegelt dieses Ergebnis auch die tatsächliche Geschwindigkeit wieder, die sich die Macher der Balance-of-Performance für den Audi R8 LMS ultra im Vergleich zu seinen Gegnern ausgedacht haben?

BMW

Die Marke BMW und der Motorsport auf der Nürburgring-Nordschleife, das gehört zusammen wie die Eifel und das schlechte Wetter. Keine Marke war erfolgreicher auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt. Nicht weniger als zwölf Titel in der VLN-Langstreckenmeisterschaft auf der Nürburgring-Nordschleife sowie 19 Gesamtsiege bei den 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife erreichte BMW, der letzte im Jahr 2010 durch den BMW M3 GT2 mit Pedro Lamy, Augusto Farfus, Uwe Alzen und Jörg Müller am Steuer. Doch der M3 GT2 ist Geschichte, die Gegenwart gehört dem seit 2010 stetig weiterentwickelten Z4 GT3. 

Das bewiesen auch die Mannen von Marc VDS. Nachdem die Belgier sich über die vergangenen Jahre durch konstant gute Leistungen einen Ruf an der Nordschleife und im internationalen Motorsport erarbeitet haben, ließ man in diesem Jahr beim 24-Stunden-Rennen nichts mehr anbrennen. Nachdem der blitzschnelle Maxime Martin einen unglaublichen Schlussspurt ablieferte, in dem er Rundenzeiten von 8:22 Minuten in den Asphalt der Eifel brannte, holte der graue Z4 mit riesigen Schritten auf den führenden Mercedes-Flügeltürer auf und schrammte nur ganz knapp am Gesamtsieg vorbei. 

Und auch im restlichen Jahr waren die BMW mit dem markant schrillen V8-Sound nicht minder erfolgreich. Kein anderes Fabrikat startete dieses Jahr öfter von Startplatz eins. Viermal gelang den Z4 dieses Kunststück. Darüber hinaus stehen für die von Schubert Motorsport, Marc VDS, Walkenhorst Motorsport und Uwe Alzen eingesetzten Z4 zwei Gesamtsiege, acht Podiumsplätze und drei schnellste Rennrunden zu buche, ein eindeutiges Zeichen für die Konkurrenzfähigkeit der BMW-Renner.

Z4 GT3 sehr schnell auf einer Runde

Dass die BMW Z4 alles andere als langsam sind, belegt auch der Durchschnitt der jeweils schnellsten Rundenzeit über die gesamte VLN-Saison gesehen. Ein Wert von 8:18,577 Minuten steht dabei für BMW in den Listen. Das ist zwar gute zwei Sekunden hinter den Schnellsten, Porsche und Audi, aber auch gute sechs Sekunden vor Mercedes-Benz.

Und dass der BMW Z4 GT3 möglicherweise sogar das schnellste Fahrzeug in der VLN ist, bewies uns Uwe Alzen in der Qualifikation zum 45. ADAC-Barbarossapreis, als er mit einer Rundenzeit von 8:01,069 Minuten die absolut schnellste Rundenzeit der zurückliegenden Saison ablieferte.

Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 182 km/h sind damit die aktuellen GT3-Boliden gerade einmal zwanzig km/h langsamer als die Sportwagen aus der Gruppe-C-Ära. Aber auch wenn die BMW die schnellsten Autos im Feld sein sollten, war in diesem Jahr das Glück nicht unbedingt immer auf der Seite der Einsatzteams. Besonders beim von Uwe Alzen privat eingesetztem Z4 schien es so, als seien der Nordschleifen-Profi und sein Team vom Pech verfolgt. Alle Polepositions, die für BMW dieses Jahr zu Buche stehen, fuhr Alzen ein. Doch nicht ein einziges Mal konnte er diese Position verteidigen

Alzen mit Pech, Marc VDS mit Glück 

Viele Zwischenfälle bremsten den Betzdorfer ein, der meistens zusammen mit Philipp Wlazik und Niclas Kentenich antrat. Ein kapitaler Motorschaden, in Führung liegend, ein Unfall sowie diverse andere Schwierigkeiten verhinderten bessere Gesamtresultate bei den jeweiligen Wertungsläufen.

Niclas Kentenich brachte den unglücklichen Saisonverlauf auf den Punkt: „Irgendwie haben wir die Seuche an uns kleben.“ Am Ende der Saison gelang es dem Team jedoch, etwas Schadensbegrenzung zu betreiben, als die Truppe rund um den Betzdorfer Rennfahrer Alzen zwei Podiumsplatzierungen in den letzten beiden Rennen erreichen konnte. 

Den zweifelsohne farbenfrohsten BMW Z4 setzte aber definitv Henry Walkenhorst ein. Der in den Farben rot, gelb und schwarz lackierte Z4 war zwar nicht unbedingt die Speerspitze der Münchner, allerdings gelang es dem Rennfahrer aus Mellen zusammen mit seinem Team einige Achtungserfolge einzufahren. Es glückten dem Rennstall im Verlauf der Saison immer wieder, sehr schnelle Rundenzeiten an den Tag zu legen und mit Top-zehn-Resultaten die Konkurrenz ein wenig zu ärgern.

Schubert Motorsport mit ereignisreichem Jahr

Schubert Motorsport war in diesem Jahr durchaus erfolgreich. So begann die Mannschaft aus Oschersleben die Saison mit einem Saisonsieg beim Auftaktrennen durch den Z4 von Jörg und Dirk Müller sowie Augusto Farfus und einem zweiten Gesamtrang beim zweiten Rennen der Saison durch Martin Tomczyk, Jens Klingmann und den Publikumsliebling Dirk Adorf.

Beim 24 Stunden-Rennen im Mai diesen Jahres fehlte der Schubert-Equipe allerdings das nötige Quäntchen Glück. Eine teaminterne Kollision und weitere kleine Zwischenfälle verhinderte ein gutes Abschneiden der Fahrzeuge.

Im weiteren Saisonverlauf fuhr das Team ein weiteres Mal auf das Podest, als Dominik Baumann, Max Sandritter und Abdulaziz Al Faisal beim 53. ADAC-Reinoldus-Langstreckenrennen im Junior-Team von Schubert Motorsport auf Gesamtrang zwei fuhren. Darüber hinaus war es Schubert, das in diesem Jahr erstmals in Eigenregie eine neue Version des BMW Z4 für die spätere Verwendung im Kundensport entwickelten.

Der Z4 GTS genannte Prototyp befindet sich zwar noch in der Entwicklungsphase, wusste allerdings bei seiner Feuertaufe während des vorletzten Wertungslaufs am Nürburgring bereits durch schnelle und konstante Rundenzeiten zu beeindrucken. Der GTS ist dabei zwar in sich eine Neuentwicklung, wurde allerdings aus bekannten Bauteilen zusammengesetzt. Die Aerodynamik ist auf dem Stand des Z4 GT3 aus dem Jahr 2010, das V8-Triebwerk kommt aus dem BMW M3 GTS. So gelang Peter Posavac bereits im ersten Einsatz des BMW Z4 GTS eine Rundenzeit von 8:29,358 Minuten.

Wer also definitiv der schnellste auf der Nordschleife des Nürburgrings im Jahr 2013 war, ist schwer zu sagen. Die Theorie zeigt, dass es Audi oder Porsche sein müssen. Bei der einzigen freien Runde im Jahr, bei der Qualifikation der besten Vierzig während des 24 Stunden-Rennens, waren es die Audianer, welche die schnellste Zeit fuhren, doch Porsche war nicht weit weg. Uwe Alzen hat für BMW bewiesen, dass man ebenfalls beim Speed ganz vorne mitkämpft. Einzig und allein Mercedes-Benz bleibt uns einen Beweis schuldig, dass die Flügeltürer auch auf eine Runde mit der Konkurrenz von BMW, Porsche und Audi mithalten kann.