Pro-Cup-Vorschau: Die Anwärter auf den Gesamtsieg

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18 Rennwagen von neun unterschiedlichen Herstellern, eingesetzt von hochprofessionellen Teams werden bei den 24 Stunden von Spa im Pro-Cup an den Start gehen. Nominell ist die Klasse auf der Fahrerseite so gut besetzt, dass das Rennen auf eine Massenprügelei um den Gesamtsieg hinauslaufen könnte.

Die Fachleute sind sich einig. Neben ein paar Geheimtipps aus der Pro-Am-Klasse ist der gesamte Pro-Cup in der Lage, ein Wort um den Sieg mitzureden. Somit stehen über zwanzig Teams auf der Favoritenliste und es scheint unmöglich, einen verlässlichen Tipp abzugeben.

Audi

Als einziger Hersteller im Feld bestreitet Audi einen offiziellen Werkseinsatz. Vier R8 LMS werden in den Händen der Teams Phönix und WRT alles geben, die hohen Erwartungen nicht zu enttäuschen. Für WRT starten die in der Meisterschaft zweitplatzierten Bert Longin, Filipe Albuquerque und Stéphane Ortelli auf der #32. Spa-Spezialist Greg Franchi teilt sich das Cockpit des Schwesterwagens mit der #33 mit den DTM-Werksfahrern Timo Scheider und Mattias Ekström. Die am Nürburgring ansässige Phönix-Truppe, die den Klassiker bereits mit einer Corvette gewinnen konnte, setzt auf Langstreckenerfahrene Gespanne. Mit Marcel Fässler, Andrea Piccini und Mike Rockenfeller auf der #98 und Marc Basseng, Christopher Haase und Frank Stippler auf der #99 sind beide Flundern der eifler Mannschaft ausgewogen und stark besetzt.

Wie sich bei den 24 Stunden am Nürburgring zeigte, sind die R8 bei Langstreckenrennen konzeptionell im Nachteil. Der Ingolstädter Zehnender zeigt sich im Vergleich zur Konkurrenz als durstiger Kumpane. Während die gesamte Konkurrenz am Ring Neun-Runden-Stints fahren konnte, drängten die Ringträger bereits nach deren achten durstig in die Box. Obwohl man sowohl auf der Strecke, als auch in der Box eine bessere Performance an den Tag legte, als der Gesamtsieger, hätte man wohl auch nicht gewonnen, wäre man fehlerfrei über die Distanz gegangen.

In Spa sollte der Verbrauchsnachteil keine allzu große Rolle spielen. Die Regelmacher tragen der Tatsache Rechnung, dass die GT3-Boliden ursprünglich für Sprintrennen, bei denen der Verbrauch eine untergeordnete Rolle spielt, konzipiert wurden. Alle Teilnehmer müssen nach maximal 65 Minuten Fahrzeit zum Service rollen. Man darf schon jetzt gespannt sein, wer sich am Geschicktesten durch die Roush-Hour der ersten Boxenstopps wühlt.

Porsche

Auf lange Distanzen fällt der Name Porsche immer ganz vorne, wenn es um die Favoritenstellung geht. In Spa gehen zwei der Zuffenhausener Wagen ins Rennen. Einer der beiden sogar als Führender in der Meisterschaft. Gianluca Roda, Raffaele Giammaria und Paolo Ruberti gewannen im Autorlando-Porsche die erste Runde in Monza und führen das Klassement an. Auch der ProSpeed-Porsche ist mit den beiden Spa-Experten Marc Goosens und Maxime Soulet sowie ex-Champ-Car-Pilot Jan Heylen exquisit besetzt. Die belgische Truppe kennt den Kurs in- und auswendig und dürfte gerade bei wechselhaften Bedingungen ihre stärken voll ausspielen.

Ferrari

Mit drei Wagen ist die italienische Rennwagenschmiede Ferrari bei den Profis vertreten. Einer der F458 Italia kommt von SOFREV ASP mit den Fahrern Patrice Goueslard, Julien Jousse und Olivier Pla. In der gleichen Besetzung bestreitet man die gesamte Saison. Die beiden anderen Pferde kommen von der erfolgreichsten Mannschaften der letzten Jahre in Spa. Michael Bartels stieg mit seiner Truppe Anfang der Saison vom Maserati GT1 um in einen Ferrari GT3. Nun unter dem Namen Vita4One firmierend, belegt man zur Zeit den dritten Rang im Klassement. Den Wagen mit der #1 teilt sich der fünfmalige Spa-Sieger Eric van de Poele mit Nico Verdonck und dem Franzosen Jean-Karl Vernay, der bereits beim Testtag am Steuer des Ferraris kurbelte. Der zweite Wagen unter der Nennung des Teams geht im schwarz-roten ALD-Design an den Start. Die Mechaniker der Scuderia Vittoria werden den Wagen betreuen. Am Volant wechselt sich Vita4One Stammfahrer Frank Kechele mit den Scuderia-Kutschern Matteo Bobbi und Giacomo Petrobelli ab.

BMW

Der BMW Z4 GT3 wurde über den Winter einer Frischzellenkur unterzogen. Seitdem spielt der Bayer in der Top-Klasse der GT3-Elite. Nachdem die Schubert-Flotte am Ring nachhaltig kaltverformt wurde, bringt die Oscherslebener Truppe statt der geplanten drei Wagen nur ein Exemplar, das schnell genug wieder aufgebaut werden konnte in die Ardennen. Mit Edward Sandstroem, Claudia Huertgen und Werksprofi Dirk Werner ist man bestens gerüstet. Das gleiche lässt sich über den zweiten Pro-Z4 sagen. Die FIA-GT1-Truppe von Marc van der Straten hat sich ebenfalls ein Exemplar des Bayern-Boliden gesichert. Mit den GT1-Stammfahrern Marc Hennerici, Maxime Martin und Bas Leinders will man Erfahrungen sammeln und austesten, ob es lohnt den Z4 für die WM im nächsten Jahr aufzurüsten.

Ford

Der einzige Ford GT im Feld der Profis kommt ebenfalls von der Marc-VDS-Truppe, die am Wochenende einen Großeinsatz hat und insgesamt drei Wagen betreut. Jonathan Hirschi, Antoine Leclerc und der belgische Finne Markus Palttala drehen am Steuer der Flunder, die sich langsam aber sicher nach dem Ende von Matech aus der GT-Szene zurückzieht.

Aston Martin

Zwei Aston Martin DBRS9 kommen von der Hexis-Truppe aus Frankreich. Die #4 mit Frédéric Makowiecki, Stefan Dusseldorp und Henri Moser ist etwas stärker einzuschätzen, als die Teamkollegen Pierre-Brice Mena Julien Rodrigues und Yann Clairay auf dem Schwesterwagen mit der #3. Eine ausgeprägte Stärke der Truppe sind die ultraschnellen Boxenstopps, mit denen man am Anfang der Saison die gesamte GT1.Konkurrenz verblüffen konnte. Geht es nach Aston Martin, soll der DBRS9 GT3 nach dieser Saison in Rente gehen. Der Nachfolger auf Basis des Vantage steht bereits in den Startlöchern und soll ab 2012 die GT3-Meute aufmischen.

Mercedes

Für Mercedes und AMG ist der Auftritt in den Ardennen etwas ganz besonderes. 1971 trat bei den 24 Stunden von Spa der erste bei AMG gefertigte Rennwagen an. Damals pilotierten Clemenz Schickentanz und Hans Heyer den 6,3-Liter-AMG und landeten am Ende auf dem zweiten Platz. Heute, genau 40 Jahre später, startet Heyers Sohn Kenneth auf einem Mercedes SLS AMG Flügeltürer des Teams Black Falcon. Mit Thomas Jäger, der an der Entwicklung des SLS-GT3 beteiligt war und Stéphane Lemeret der in Spa schon mehrfach auf dem Podium stand hat man eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt. Wenn das Bollwerk Standfestigkeit beweist, gilt die zweite SLS-Truppe im Pro-Cup als absoluter Top-Favorit. Die KRK-Racing-Truppe genießt Heimrecht und ist auf der Fahrerseite bestens bestückt. Der Miteigentümer des Teams Koen Wauters hat sich zuletzt stark entwickelt und zeigt in der Belcar konstant gute Leistungen. Mike Hezemans konnte in Spa bereits zweimal gewinnen und Anthony Kumpen gehört zu den absolut Schnellsten in Spa. Beim Qualifying zum letzten Belcar-Lauf stellte er einen neuen Rundenrekord für GT3-Fahrzeuge auf und unterbot seinen eigenen Rekord, im Vorjahr auf einem Audi R8 LMS aufgestellt, um gut eine Sekunde.

McLaren

Der McLaren MP4-12 GT3 wird ohne Zweifel die meisten Blicke auf sich ziehen. Nach einigen Runden beim Testtag und dem ersten Renneinsatz am drauffolgenden Wochenende als Gast der britischen GT, ebenfalls in Spa, bestreitet die vielbeachtete Neukonstruktion bereits ihr 24-Stunden-Debüt. Da der Wagen sich noch mitten in der Entwicklung befindet, sollte man die Erwartungen dementsprechend flach halten. CRS Racing stemmt als Entwicklungsteam den Einsatz und Andrew Kirkaldy, Oliver Turvey und Alvaro Parente sowie die alten CRS.Weggefährten Rob Bell, Chris Goodwin und Tim Mullen genießen das Privileg, Testfahrer zu sein. Fest steht, dass man ab 2012 voll angreifen wird. Alle zwanzig für 2012 in Europa geplanten Wagen konnten an den Mann gebracht werden.

Lamborghini

Der einzige Lambo im Pro-Cup wird von Hans Reiters Truppe betreut. Am Steuer wechseln sich Eugenio Amos, Nikolaus Mayr-Melnhof und Albert von Thurn und Taxis ab.