Aston Martin: Rückgriff auf Lola-Jahreswagen

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Kompromissbereitschaft in Gaydon: Um die Schmach der bisherigen Saison zu rehabilitieren, schickt Aston Martin Racing seinen altbewährten Jahreswagen wieder ins Rennen. Die Arbeiten an dem aktuellen AMR-One-Engagement werden nichtsdestotrotz im Hintergrund fortgesetzt.

Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei Schritte vorzurücken. Zu dieser Einsicht kamen auch die Ingenieure in Gaydon. Aston Martin Racing hält nach einer desaströsen Saisonhälfte einen Plan B parat und bestreitet das ILMC-Restprogramm mit dem altgedienten Lola-Jahreswagen. Hinter den Kulissen tüfteln die Techniker auf der Insel allerdings weiterhin an dem AMR-One-Programm.

Zum Jahresbeginn kündigte der britische Konstrukteur ein Engagement mit einem in eigener Ägide entwickelten LMP1-Boliden an – dem AMR-One. Doch der Schuss ging gründlich nach hinten los. Beim LMS-Auftakt in Le Castellet lieferten die Inselsportler eine desolate Vorstellung ab und traten während der Le-Mans-Testfahrten frühzeitig die Heimreise an. Am Stichtag im Juni fand in Le Mans die Katastrophe ihre Fortsetzung.

Zwar sei es geglückt, ein konkurrenzfähiges Aerodynamikpaket auf die Beine zu stellen, hieß es im Aston-Martin-Lager, doch mangelte es schlichtweg an Motorleistung. Auf der Hunaudières-Geraden fehlten dem AMR-One-Boliden bei den Messpunkten rund 50 km/h auf die Konkurrenz. Doch die eigentliche Schmach mussten die Briten im Rennen über sich ergehen lassen: Beide Autos strandeten nach wenigen Umläufen mit einem defekten Keilriemen. Ein Fiasko für den Traditionshersteller.

Laguna Seca als Bonuslevel

Um bei den verbleibenden Runden der ACO-Welttournee eine gute Figur machen zu können, greift Aston Martin Racing auf den alten Lola-Renner, welcher von dem V12-DBR1-2 befeuert wird, zurück. Nachdem Teamchef David Richards und Konsorten schon den Abstecher nach Imola abgesagt haben, steht ergänzend zum Rennen in Silverstone und dem Petit Le Mans ein Testlauf bei den Sechs-Stunden von Laguna Seca auf der Agenda.

Die Kombination aus dem Sechs-Liter-Aggregat und modifiziertem Lola-Chassis feierte vor zwei Jahren ihre Premiere. Aston Martin bot dem arrivierten Benzinsektor auf Anhieb Paroli und zelebrierte reihenweise Erfolge. Die 24 Stunden von Le Mans beendete die Werksmannschaft auf dem vierten Gesamtrang, was gleichbedeutend mit dem bestplatzierten Ottomotor war. In der Le Mans Series gewann Aston Martin die Fahrer- und Teamwertung. Obendrein eroberten die Briten die Nürburg und holten einen unangefochtenen Dreifachtriumph beim 1.000-Kilometer-Renner in der Eifel.

Nachdem die Saison mit dem Sieg in der Asian Le Mans Series abgerundet wurde, setzte der englische Hersteller seine Erfolgsserie im darauffolgenden Jahr fort. Beim Klassiker an der Sarthe holte Aston Martin den sechsten Platz im Gesamtklassement, wurde Dritter bei den Zwölf Stunden von Sebring, Zweiter in Long Beach und Le Castellet. Privatier Kronos Racing hievte heuer im Gegensatz zum Werksteam den Lola-Aston-Martin in Le Mans über den Zielstrich.

Aston Martin kann seinem Erfolgsgaranten in der verbleibenden Saisonhälfte nun einen gebürtigen Rennabend bescheren.