Austin: Audi triumphiert dank strategischer Finesse

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Beim WM-Gastspiel in Austin bändigte Audi die Elemente. Der Ingolstädter Konstrukteur finassierte sich dank richtiger Entscheidungen am Kommandostand zum zweiten Doppelsieg in dieser Saison. Favorit Toyota scheiterte an der Reifenwahl, wohingegen Porsche mit technischen Ungereimtheiten haderte.

Am zurückliegenden Wochenende oszillierte das Wetter in Zentraltexas zwischen den Extremen. Strahlender Sonnenschein, schwere Niederschläge, Sturmböen und Gewitter lösten einander ab – stets bei Temperaturen um die dreißig Grand Celsius. Daher beeinträchtigten die Wetterkapriolen erwartungsgemäß auch den Ausgang des Sechs-Stunden-Rennens auf dem Circuit of The Americas in Austin, führte womöglich gar eine Entscheidung herbei.

Schlussendlich bewies Audi bei diesen Widrigkeiten in der texanischen Kapitale Stehvermögen. Die Titelverteidiger aus Ingolstadt trafen am Kommandostand wiederholt goldrichtige Entscheidungen, montieren stets die passenden Reifen und finassierten sich somit zu einem Doppelsieg beim vierten Wertungslauf zur Langstrecken-WM. Intern triumphierten Marcel Fässler, Benoît Tréluyer und André Lotterer über Tom Kristensen, Lucas di Grass und Loïc Duval.

Erweist sich der dreizehnte Erfolg im Département Sarthe als tatsächlich Initialzündung für Audi? „Nach unserem Sieg in Le Mans war es unser Ziel, als Weltmeisterschaftsführender aus Austin abzureisen. Das ist uns gelungen“, resümiert LMP-Leiter Chris Reinke das Nachtrennen auf dem Circuit of The Americas. „Wir haben eine sehr souveräne Leistung abgegeben. Wir hatten im Qualifying kurzzeitig Pech, haben aber im Rennen zu unserer Stärke zurückgefunden.“

Toyota trifft Fehlentscheidung bei der Reifenwahl

Widerpart – und abermaliger Favorit – Toyota scheiterte dagegen an einem strategischen Missgriff. Nach der dritten Poleposition in der diesjährigen Saison dominierte die TMG-Delegation zu Anfang die Geschehnisse in Austin, festigte während der ersten Rennstunde gar eine Doppelführung. Ein Regenschauer bereitete der Toyota-Überlegenheit jedoch frühzeitig ein Ende. Nieselte es zunächst nur, bildeten sich alsbald tiefe Wasserlachen auf dem Asphalt. 

Audi reagierte unverweilt auf diesen Wetterumschlag: Die Joest-Mechaniker statteten ihre Hybridsportwagen mit Regenreifen aus, wohingegen Toyota die Fahrt mit Trockenpneus fortsetzte. Ein kapitaler Fehler. Denn im strömenden Regen waren die Fahrer kaum noch imstande, ihre Vehikel zu kontrollieren, verließen reihenweise die Strecke. Somit eroberte Audi souverän die Führung, ehe die Rennleitung den Wettbewerb vorübergehend unterbrach.

Aufgrund des Wirrsals nach einem Sechstel der Distanz gelangte Toyota ins Hintertreffen. Beim Neustart infolge der einstündigen Zwangspause bezog Toyota lediglich die Positionen vier und sieben. „Von da an ging es nur noch um Schadensbegrenzung“, urteilt Teamchef Yoshiaki Kinoshita über die Konstellation im Nachhinein. „Wir mussten voll angreifen und versuchen, noch so viele Punkte wie möglich zu retten.“

Kinoshita: „Ein frustrierendes Ergebnis“

Letzten Endes gelang es Anthony Davidson, Sébastien Buemi und Nicolas Lapierre, Konkurrent Porsche noch den Bronzerang zu entwinden. „Ein frustrierendes Ergebnis. Wir hatten zwar das schnellste Auto, konnten aber das Rennen dennoch nicht gewinnen“, meint Yoshiaki nach diesem Fiasko. „Die Bedingungen im Nassen waren eine Herausforderung und leider zogen wir ein schlechteres Los als unsere Konkurrenten.“

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Fortan war der Audi-Vormarsch hingegen nicht zu stoppen. Zumal der Ingolstädter Hersteller imstande war, Doppelstints zu fahren. „Es war ein sehr schwieriges Rennen“, fasst Motorsportchef Doktor Wolfgang Ullrich zusammen. „Der heftige Regenfall, der einige Autos von der Piste geschwemmt hat, und unsere Entscheidung im richtigen Moment, als Erste auf Regenreifen zu wechseln, waren mitentscheidend für den Doppelsieg.“

Zudem attestiert Ullrich der gesamten Mannschaft eine einwandfreie Leistung. „Es war aber auch das gute Tempo. Es hat alles gepasst: Wir hatten ein gutes Auto, die Fahrer sind toll gefahren und es gab schnelle Boxenstopps“, lobt Ullrich. Die Belohnung: Audi erobert dank seiner Doppelerfolge in Le Mans und Austin die Tabellenführung in der Konstrukteurwertung. In der Fahrerwertung rangieren die Audi-Besatzungen allerdings noch hinter dem Toyota-Trio Davidson, Buemi und Lapierre.

Porsche bleibt Podiumsresultat wegen Leistungsverlust verwehrt

Derweil blieb Porsche im Konzert der Werke letzten Endes nur drittstärkste Kraft, obwohl die Zuffenhausener Abordnung zwischenzeitlich die Führung behauptete. Bei der Wiederaufnahme des Rennens fasst Porsche den Entschluss, den Wettstreit mit profillosen Intermediates fortzuführen und wechselte beim nachfolgenden Boxenstopp gar auf Trockengummis. Letztlich fielen Neel Jani, Marc Lieb und Romain Dumas jedoch einem Defekt am Antriebsstrang und einem daraus resultierendem Leistungsverlust zum Opfer. 

Somit beendete die dreiköpfige Porsche-Equipe das Gefecht an vierter Stelle. „Der Rennausgang ist natürlich enttäuschend“, räumt Teamchef Andreas Seidl ein, dessen Ensemble in der Anfangsphase in der Startphase sowohl Toyota als auch Audi unterlag. „Wir haben heute hart gearbeitet und ein Wechselbad erlebt. Bei dem heißen und trockenen Wetter der Anfangsphase konnten wir das Tempo der Spitze nicht mitgehen, waren im Regen hingegen erstaunlich stark.“

Die Stallgefährten Timo Bernhard, Brendon Hartley und Mark Webber kreuzten die Ziellinie lediglich als Sechste. Ein Trostpflaster: Das Porsche-Ensemble besiegte damit zumindest die Toyota-Schlusslichter Stéphane Sarrazin, Mike Conway und Alexander Wurz. Dabei musste der Prototyp mit der Bezifferung zwanzig nach einem Einschlag in die Reifenbarriere während des Platzregens zunächst geborgen werden.