24 Stunden: Freud und Leid am Ring

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Für Audi ging ein Traum in Erfüllung. Im vierten Anlauf holten die Ingolstädter endlich den lang ersehnten Sieg beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Mamerow Racing machte den Doppelsieg für die Ringträger perfekt. Für Manthey und Hankook Team Heico endete die Hatz dramatisch.

Dreimal holte Audi den Klassensieg bei den 24 Stunden auf dem Ring. Ausgerechnet bei der gut besetzten Jubiläumsausgabe mit hochkarätiger Beteiligung der Werke und bärenstarken Privatteams holte Phoenix-Racing die Lorbeeren für Ingolstadt. Wie die Fachwelt vorhergesagt hatte, war Zuverlässigkeit der Schlüssel zum Sieg. Die Gewinner kamen ohne nennenswerte Probleme durch das Rennen.

Gleiches konnte die Mamerow-Truppe von sich behaupten. Die neuen Audianer waren auf den Punkt topfit und machten den Doppelsieg für die Ringträger perfekt. Das Team aus Castrop-Rauxel hatte bei den VLN-Läufen vor dem Saisonhöhepunkt gründlich verwachst und konnte dadurch nur wenig Erfahrung mit dem neuen Renngerät sammeln. All diese Probleme waren mit dem Start des Rennens wie weggefegt.

Dazu Teamchef Peter Mamerow: „Es war überwältigend, wenn ich daran denke, dass wir erst vor acht oder neun Wochen das Auto bekommen haben und eine entsprechend kurze Vorbereitungszeit hatten. Es war immer mein Traum, beim 24-Stunden-Rennen aufs Podium zu kommen. Wir hatten einige Anläufe, haben zweimal geführt und sind ausgefallen. Irgendwann glaubt man nicht mehr daran. Die Zusammenarbeit mit Audi ist toll, und es herrscht ein großes Gefühl der Zusammengehörigkeit – all das ist fantastisch.?

Auch Christiaan Frankenhout, Andreas Simonsen, Pierre Kaffer und Lance David Arnold attestierten als drittplatzierte ihrem Team absolute Fehlerfreiheit und blieben von Problemen verschont. Wie nah Freud und Leid beieinander liegen zeigte dabei das Schicksal des Schwester-Wagens. 17 Minuten vor dem Fallen der Zielflagge lagen Bernd Schneider, Alex Margaritis, Kenneth Heyer und Doppelstarter Lance-David Arnold sicher auf Rang drei und somit auf Podiumskurs, als ein Motorschaden die Truppe aus heiterem Himmel traf und aus dem Rennen warf. Da fuhren die am Ende dritten Teamkollegen noch auf Platz fünf.

Drama auf dem Zielstrich

Der erste Nutznießer des Heico-Dramas war Romain Dumas im Manthey Team Wochenspiegel-Porsche. Die Seriensieger hatten sich schon mit Rang vier abgefunden, nachdem man im Verlauf des Rennens mit einigen Rückschlägen zu kämpfen hatte. Ein Ausrutscher bei einsetzendem Regen zwang Lucas Luhr zu einem zusätzlichen Boxenaufenthalt in der Nacht. Am Morgen zerstörte ein geplatzter Reifen eine Bremsleitung. Außerdem verlor die Truppe bei jedem Boxenstopp Zeit, weil der Elfer wegen eines defekten Sensors nicht immer von alleine ansprang.

Trotzdem konnte man nach dem Ausfall des Heico-Flügeltürers Rang drei abstauben. Die Freude darüber währte aber nur kurz. Der Vorsprung auf den zweiten Heico-SLS war nur gering und Dumas war gezwungen, das Tempo hochzuhalten. So ging man in der Schlussrunde noch einmal am führenden Audi vorbei und hätte noch eine weitere Runde absolvieren müssen. Dafür hätte aber der Sprit im Elfer nicht mehr gereicht. Also beschloss man, Platz drei aufzugeben und im Ziel auf den Audi zu warten. Dabei starb der Motor des Porsche-Boliden ab und ließ sich nicht wieder in Gang setzen. Dann geschah das Unfassbare. Ein Clio-Fahrer war offenbar mehr mit der ablaufenden Uhr beschäftigt als mit dem Verkehr auf der Strecke und knallte dem vor dem Zielstrich parkenden Porsche ungebremst ins Heck.

Belgische Abstauber

Beide Wagen blieben havariert am Streckenrand stehen und wurden schließlich aus der Wertung genommen. Tragischer hätte es für beide nicht enden können. Die belgische Truppe Marc VDS Racing klatschte ab und beendete die Hatz auf Rang vier. Kurz vor Rennende hatte Maxime Martin den BMW Z4 mit dem Auftrag übernommen, den sechsten Platz zu sichern und kein Risiko mehr einzugehen. Die Belgier nahmen die Geschenke dankend an und freuten sich, das Rennen als bestes BMW-Team zu beenden.

Nach einem unplanmäßigen Stopp durch einen Reifenschaden nach vier Runden, blieben auch die BMW-Privatiers ohne Probleme. Das für die Nordschleifen-Neulinge überraschend gute Ergebnis lässt wohl auch den Frust über das am Ende knapp verpasste Podium in Grenzen halten.

Nach dem Pech der Manthey-Truppe war Klaus Abbelens Frikadelli-Racing-Mannschaft das beste Porsche-Team. Mit Gesamtrang sechs bestätigte man das gute Ergebnis des Vorjahres. „Wir haben im Prinzip nur getankt, Öl und Wasser nachgefüllt und Reifen gewechselt“, zog das Eifeler Urgestein Abbelen Bilanz. „Leider haben wir uns in der Nacht verpokert. Wir setzten beim Boxenstopp auf Intermediate-Reifen, aber dann wurde der Regen stärker, und wir mussten einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen. Das hat uns eine Runde zurückgeworfen. Wir hatten aber insgesamt viel Spaß und freuen uns tierisch über Platz sechs.“

Enttäuschung bei den Favoriten

Direkt hinter dem Porsche kamen die beiden Schubert-BMW ins Ziel. Nach Uwe Alzens Pole am Freitag suchte Jörg Müller als Startfahrer die Flucht nach vorne und setzte sich schnell von seinen Verfolgern ab. Neun Sekunden betrug der Vorsprung nach der ersten Runde. Ein Reifenschaden war das erste von mehreren Problemen, die beide Wagen der Weißblauen immer wieder zurückwarfen. Die Plätze sieben und acht sind sicher nicht das, was sich die als haushoher Favorit gehandelte Truppe vorher ausgemalt hatte.

Die 40. Ausgabe des 24-Stunden-Rennens in der Eifel hielt in puncto Spannung und Dramatik alles, was man sich vorher erhofft hatte. Erstmals traten die großen deutschen Hersteller mit vergleichbaren Waffen in den Ring und lieferten sich eine Schlacht auf Messers Schneide. Doch die harte Gangart forderte auch ihre Opfer. Von den 169 gestarteten Teams erlebten 58 das Ende des Rennens nicht. Die 111 restlichen Mannschaften fuhren mit dem guten Gefühl nach Hause, die Grüne Hölle bezwungen zu haben.