Sachsenring: Ford begeistert im Positiven wie im Negativen

67

Frederic Makowiecki und Maxime Martin heißen die Sieger des Qualifikationsrennens am Sachsenring vor Piccione/Dusseldorp und Mücke/Turner. Ähnlich wie beim Nissan-Sieg vergangene Woche waren die Emotionen aber auch bei Ford gemischt: Man machte aus der Überlegenheit zu wenig und eliminierte sich gegenseitig.

Dass bei konzeptionell so unterschiedlichen Fahrzeugen wie in der FIA GT1 verschiedene Strecken manchen Konzepten ganz besonders schmecken, ist keine neue Binsenweisheit. Dass jedoch die auf diesen Strecken dominierenden Fahrzeuge die gegebenen Möglichkeiten nicht zur Gänze ausnutzen, scheint ein typisches Merkmal der FIA GT1 Weltmeisterschaft 2011 zu werden. Nachdem Nissan vergangene Woche in Portimao statt eines Vierfachsiegs nur einen einfachen Triumph eingefahren hatte, lag dieses Mal der Spielball bei den Ford-Teams, deren GT1 auf den Sachsenring besser passte als jedes andere GT1-Fahrzeug. Doch wieder kam nur einer durch.

Den Ford-Super-GAU gab es bereits in der ersten Kurve. Marc Hennerici wurde in seiner #41 Marc VDS-Flunder von Markenkollegen Leclerc (#10 Belgian Racing Ford GT) gedreht und ausgerechnet Vanina Ickx (#9 Belgian Racing Ford GT) fuhr in den verkehrt herum stehenden Hennerici hinein. Während der Täter ungeschoren davon kam, aber viele Positionen verlor, war das Rennen für Hennerici und Ickx bereits in Turn 1 gelaufen. Während den Ford-Offiziellen ob dieses unglaublichen Unfalls die Haare ausfielen und die einzige Hoffnung nun auf dem von P14 gestarteten #41 Marc VDS-Ford von Makowiecki/Martin lagen, übernahm Nicky Pastorelli im #37 Lamborghini Murcielago LP670 R-SV die Führung vor Clivio Piccione (#3 Hexis Aston Martin DB9) und Darren Turner in einem weiteren Aston Martin. Den nächsten Ausfall des Rennens lieferte Nicky Catsburg (#11 China Bank Corvette Z06). Kurz nach einem sehenswerten Überholmanöver gab Catsburg Ausgangs des Omegas zu viel Gas. Das enorme Drehmoment der Corvette bugsierte ihn daraufhin nicht nach vorne, sondern ins Kiesbett.

Der allgemeinen Fassungslosigkeit im Ford-Lager folgte als bald wieder die Hoffnung, denn Frederic Makowiecki brannte in der ersten halben Stunde ein unglaubliches Feuerwerk ab. Er rang einen Nissan nach dem anderen im Bereich des Omegas nieder, wo dem starrsinnigen japanischen Topspeedwunder die nötige Agilität fehlte. Die beeindruckende Aufholjagd spülte ihn bis auf P6 vor den Boxenstopps nach vorn. Diese sollten das Klassement jedoch völlig durcheinander bringen: Beim führenden Lamborghini gab es Probleme mit dem linken Hinterrad, wodurch man bis auf P9 zurückfiel. Den zunächst besten Stopp erwischte wieder einmal die Hexis-Mannschaft, die Stef Dusseldorp in die virtuelle Führungsposition bugsierte. Getoppt wurde diese Leistung jedoch noch von den Nissan-Teams, die ihre Fahrzeuge aus den hinteren Top10-Regionen bis weit nach vorne brachten. Inder Zwischenzeit fuhr jedoch Makowiecki, der lange draußen blieb, dank freier Fahrt eine Rekordrunde nach der anderen und machte keine Gefangenen, was u.a. Alex Müller (#7 Young Driver Aston Martin) zu spüren bekam, der mit dem Ford kollidierte. Der Stopp lief auch hier reibungslos und beim Zurückkehren auf die Strecke konnte sich Maxime Martin tatsächlich noch vor Dusseldorp quetschen. Der niederländische Nachwuchspilot versuchte sofort einen Angriff, den Martin jedoch parieren konnte.

Somit sah die Reihenfolge nach den Stopps nun folgendermaßen aus: Es führte Martin vor Dusseldorp, Dritter war nun Rückkehrer Warren Hughes, der Ricardo Zonta im #20 Sumo Power Nissan GT-R ersetzt. Für den Briten ist dieses Wochenende die Rückkehr zu dem Ort, wo er vor 15 Jahren in der STW einen Horrorunfall erlebte. Die Versöhnung in Form eines Podestplatzes blieb jedoch aus, weil er in den letzten Runden noch von Stefan Mücke (#8 Young Driver Aston Martin) überholt wurde. Eine sehenswerte Show bot noch Richard Westbrook, der in seinem JRM Nissan GT-R vorzügliche Defensivarbeit leistete. Zunächst trieb er Tabellenführer Markus Winkelhock in den Wahnsinn, der sich in Turn 1 verbremste, dann hielt er rundenlang Christian Hohenadel (#4 Hexis Aston Martin DB9) in Schach. In der letzten Runde konnte er mit völlig fertigen Vorderreifen den amtierenden GT3-Europameister nicht mehr halten, der sich somit die fünfte Position sicherte.