Christian Schütz: „Motorsport in Deutschland war schon vor der Krise angeschlagen“

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Die ADAC GT4 Germany steht auch wieder auf der Agenda | © Gruppe C

„Allgemeine Leidensfähigkeit der Teams wurde schon vorher überstrapaziert“

SportsCar-Info: In einem Gastbeitrag bei Motorline.cc mutmaßt Gottfried Grasser: „Ich denke, dass es den GT3-Sport richtig hart treffen wird.“ Pflichtest Du Grasser bei? Hast Du ähnliche Besorgnisse?

Schütz: Ich habe den Beitrag gelesen und schon lange vor Corona öfters kritisiert, dass es für die kleineren Teams ohne Werksunterstützung immer schwieriger wird, wettbewerbsfähig an den Start zu gehen. Ich denke, die allgemeine Leidensfähigkeit der Teams wurde auch schon vorher überstrapaziert. Zwar sind die Laufzeitkosten der meisten GT3-Fahrzeugen etwas gesunken, dafür sind die Grundkosten – wie Versicherungen, Logistik, Personal inklusive Nebenkosten und so weiter – weiter angestiegen.

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So wurde sich im letzten Jahr zwar weniger ins Auto gefahren, dafür wurde von den meisten Fahrern umso härter über Randsteine oder Ähnliches gefahren, sodass ständig Unterböden und öfter mal das Chassis kostenintensiv beschädigt wurde. Die Gesamtkosten sind in den letzten Jahre stetig weiter gestiegen, und im Gegenzug haben die meisten Fahrer weniger oder gar kein Budget mehr zur Verfügung.

Es ist verflixt: Setzt du auf Fahrer mit dem dringend benötigten Budget, fahren diese meistens nicht auf demselben Niveau wie die Werksfahrer. Setzt Du auf eine Topfahrerpaarung, benötigst du zahlungskräftige Werbepartner. Eine Siegesgarantie hast Du deshalb trotzdem nicht. Im gleichen Atemzug tun sich die meisten Unternehmen zunehmend schwerer, sich im Motorsport zu engagieren, da andere Sportarten eine höhere Werbewirksamkeit versprechen oder ökologisch angeblich nachhaltiger sind.

Damit will ich eigentlich nur sagen, dass der gesamte Motorsport in Deutschland schon vor der Krise angeschlagen war und das betrifft – meiner Meinung nach – nicht nur die GT3-Klasse. Die ständigen Diskussionen über Umweltschutz und E-Mobilität helfen uns nicht, interessierte Unternehmen als Werbepartner zu gewinnen. Es hilft uns auch nicht, wenn wir selbst der Meinung sind, dass der Motorsport gut und sinnvoll ist – wir müssen einen Weg finden, das insgesamt besser zu vermarkten. Aber wir als klassisches Team sind halt eigentlich mehr Racer, Techniker oder allenfalls noch Motorsport-Dienstleister, aber weniger eine Marketing-Agentur.

SportsCar-Info: Die Fortführung des Engagements in der ADAC GT4 Germany hatte sich Schütz Motorsport ebenfalls vorgenommen. Wie sieht’s in diesem Bereich aus? Welcher Unternehmung kommt im Zweifelsfall Priorität zu?

Schütz: Wir planen nach wie vor mit unseren GT4-Fahrzeugen. Ich mache mir nur Sorgen, dass es vielleicht Probleme mit zu viel Terminüberschneidungen gibt, da wir ja neben dem ADAC GT Masters und der ADAC GT4 Germany auch mit einem Engagement in der GTC, dem Porsche Sports Cup und der DTM Trophy geplant haben.

Wenn man sich die geplanten Änderungen im Rennkalender ansieht, gibt das einen sportlichen Herbst. Da darf auch nicht viel kaputt gehen, wenn man sich die zeitlichen Abstände näher betrachtet. Aber auch hier gilt, wenn es weiter geht und tatsächlich gefahren wird, sind wir mit dem Mercedes-AMG GT4 und dem Porsche Cayman dabei.