Martin Ragginger: „Jammern hilft einem als Fahrer nichts“

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Martin Ragginger lehnt BoP-Tricksereien ab | © 1VIER.COM

Sandbagging? Lamentieren über die Balance of Performance? Martin Ragginger distanziert sich von Täuschungsmanövern, um eine günstigere Fahrzeugeinstufung zu erlangen. Anstatt über das BoP-Korrektiv zu klagen, solle jeder Teilnehmer zumindest versuchen, das Maximum herauszuholen.

Um Limitationen durch die Balance of Performance abzuwenden, findet bisweilen auch auf der Nürburgring-Nordschleife Sandbagging Anwendung. Die Hersteller scheuen insbesondere vor dem 24-Stunden-Rennen davor zurück, ihr tatsächliches Potenzial zu offenbaren. Derlei Täuschungsmanöver zur Übervorteilung der Konkurrenz lehnt Porsche-Spezialist Martin Ragginger dahingegen nachdrücklich ab.

Unbeschadet etwaiger – oder vermeintlicher – Nachteile aufgrund der Fahrzeugeinstufung sollte man stets den Versuch unternehmen, sich ans Limit zu befördern, um nichtsdestoweniger das bestmögliche Resultat zu erzielen. Diese Herangehensweise korrespondiere auch mit der Philosophie seiner Mannschaft von Falken Motorsports – und jener der Markenkollegen. „Wir zeigen echt, was machbar ist. Das ist wirklich so“, bekräftigt Ragginger im Ring-Radio.

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Seit Saisonbeginn hätte die Porsche-Abordnung davon abgesehen, das Tempo bei Veranstaltungen auf der Nordschleife des Nürburgrings zu vermindern, um dem BoP-Korrektiv zu entfliehen. „Das war die Ansage bei uns von Porsche: Wir fahren jedes Rennen voll“, betont Ragginger – einerlei, wie die Mitstreiter unterdessen agierten. „Man hat gesehen, wenn sich die anderen vielleicht etwas zurückgehalten haben. Wir sind voll gefahren.“

Ragginger: „Der Erfolg gibt dir auch ein bisschen Recht“

Zumal die Konstrukteure eigentlich außerstande seien, Vermeidungsstrategien solcherart zu verschleiern. Schließlich kenne jedermann das ungefähre Rundenzeitenniveau. „Und wenn man dann auf einmal Zeiten sieht von Leuten, von denen man natürlich schon etwas ganz anderes gesehen hat – die fahren fünf, sechs, sieben Sekunden langsamer. Das ist natürlich nicht das Ziel von der ganzen Geschichte“, setzt Ragginger hinzu.

Letzten Endes müsse jedes Gespann alle verfügbaren Mittel daranwenden, um das eigene Fortkommen zu forcieren, anstatt vornehmlich die Balance of Performance zu beanstanden. „Das ist auch unser Ansatz. Wir können nur das tun, was wir machen: Alles verbessern. Versuchen, jeden einzelnen Baustein zu verbessern“, meint Ragginger. „Im Endeffekt: Der Erfolg gibt dir auch ein bisschen Recht.“

Tatsächlich triumphierte die Marke Porsche dank des Rekordsieges von Manthey-Racing nicht bloß beim eintägigen Wettstreit in der Vulkaneifel, sondern gewann auch vier der bisherigen sieben Läufe zur VLN-Langstreckenmeisterschaft. „Und ich muss sagen, ich rede nicht so viel darüber, weil ich kann’s eh nicht ändern“, erläutert Ragginger. „Ich sitze im Auto drinnen und kann nur mit dem fahren, was ich krieg, und so schnell fahren wie möglich.“

Ragginger: „Das ist ein schweres Thema und wird’s auch bleiben“

Grundsätzlich sei das Lamento zahlreicher Kontrahenten nicht zielführend. Stelle man sich zudem das Wettbewerbsniveau am Ring vor Augen, solle man zunächst die eigene Leistungssteigerung in den Fokus rücken. „Erst dann kann man sich ein bisschen über die BoP – meiner Meinung nach – aufregen“, vermeint Ragginger, dem die Balance of Performance ebenfalls schon die Erfolgschancen geschmälert habe. Aber: „Darüber nur jammern hilft einem als Fahrer auch nichts.“

Zudem kehrt Ragginger die Schwierigkeit des Unterfangens hervor, eine ausgewogene Balance of Performance sicherzustellen. „Das sollte das Ziel sein, wobei es natürlich mit so vielen verschiedenen Konzepten auch nicht immer ganz einfach ist“, ergänzt Ragginger, welche den Regelaufsehern einen „Superjob“ attestiert. „Wie gesagt: Das ist auch nicht immer ganz einfach. Das ist ein schweres Thema, und das wird’s auch immer bleiben.“

Beim Viertelfinale am Fuße der Nürburg maß Falken Motorsports der Balance of Performance wiederum nachgeordnete Bedeutsamkeit bei, weil die Equipe in Türkis-Blau den Porsche 911 GT3 R der nächsten Generation in der SPX-Kategorie testete. In der Qualifikation erreichten Ragginger, Nick Tandy und Laurens Vanthoor den sechsten Startplatz. Die Uhr stoppte bei 7:57,575 Minuten. Den vierstündigen Wettbewerb beendete das Trio schließlich an zehnter Stelle.