Le Mans: Ein Rennen zum Schöntrinken

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Toyota streifte in diesem Jahr den Le-Mans-Fluch ab | © Toyota Hybrid Racing

In einem spannungsarmen Rennen hat Toyota sich seines Le-Mans-Fluches ledig gemacht. Dennoch stiftete der unleugbare Ereignismangel allenthalben Langeweile. Unerträglicher waren allerdings die Hässlichkeiten zahlreicher Netzkommentatoren, die auf die Herabminderung der TMG-Leistung abzielten.

Man musste schon reichlich rhetorische Mühe daranwenden, um am vergangenen Wochenende Kurzweile herbeizufantasieren. Fraglos: Nach der voraufgehenden tragödiengleichen Toyota-Niederlage und dem LMP2-Aufbegehren war die diesjährige Ereignisarmut bei den 24 Stunden von Le Mans desillusionierend, geradezu frustrierend. Schon nach dem – zugegebenermaßen tumultuarischen – Start griff sich alsbald Langeweile Raum.

Mit Ausnahme einiger Unfälle zeitigte der ennuyante Rennverlauf schon zur Halbzeit eine gleichsam unverrückbare Hierarchie in den Einzelklassements der vier Klassen. Um sich die Eindeutigkeit vor Augen zu führen, genügt eine Betrachtung der Abstände in der Abschlusswertung. Toyota gewann die Kraftprobe in der Region Pays de la Loire mit zwölf Runden Vorsprung auf Rebellion Racing.

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Überdies war der Aderlass in der LMP1-Oberklasse brutal. Die helvetische Equipe war die einzige Truppe der Privatiers, welche in keine schwerwiegenden Probleme geriet. Derweil triumphierte G-Drive Racing mit zwei Umläufen Vorsprung auf Signatech-Alpine in der LMP2-Liga. Auch der GTE-Pro-Sechskampf entsprach mitnichten den Erwartungen. Stattdessen dominierte Porsche in jedweden Belangen.

Eigentlich kein Wettbewerb

Schlussendlich siegte die Marke aus Stuttgart-Zuffenhausen mit einer Runde Differenz zu Chip Gannassi Racing und Ford, welche wenigstens dann und wann Widerpart leisteten. Und auch Dempsey-Proton Racing feierte einen mehr oder minder ungefährdeten Klassenerfolg, wenngleich nur mit Minutenpolster. Resümierend: fade, öde und wächsern. Schlichtweg ein Rennen zum Schöntrinken.

Dennoch sollte das Positive ebenfalls Erwähnung finden: Nach über „thirty years of hurt“ war die Kölner TMG-Equipe endlich in der Lage, Toyota seines Le-Mans-Fluches zu entheben. Aus dem ewigen Zweiten ist ein Doppelsieger geworden. Zugleich ist Fernando Alonso im ersten Anlauf einen wichtiger Schritt auf dem Pfad zur Triple Crown gelungen. Und: Toyota hat einen neuen Rundenrekord im Rennen aufgestellt. Als Sébastien Buemi nach fünf Umrundungen die Start-Ziel-Linie überquerte, stoppte die Uhr bei 3:17,658 Minuten.

Nichtsdestoweniger: Man erlag mitunter dem Eindruck, in manchen Klassen stand der Sieger bereits im Vorhinein fest. Vielleicht war es allerdings auch nur ein Verdacht, der sich jedoch zudringlich und beharrsam aufdrängte. Enervierend hinzutraten zudem die abfälligen und despektierlichen Bemerkungen zahlreicher Kommentatoren im Netz, die unaufhörlich darangingen, die Leistung Toyotas herabzuwürdigen.