Christian Schütz: „Muss zugeben, dass ich jetzt entspannter durchatme“

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Christian Schütz fungiert als Renningenieur bei Craft-Bamboo Racing | © Porsche

„Ein klarer Benefit für alle Beteiligten muss erkennbar sein“

SportsCar-Info: Anstatt ein kostenträchtiges Programm im ADAC GT Masters zu schultern, richtet Schütz Motorsport nun den Fokus auf den Kundensport. Auf dem Fahrplan stehen die DMV-GTC-Meisterschaft sowie der Porsche Sports Cup. Wie lautet die Zielsetzung?

Christian Schütz: Wir sind ein kleines Team und müssen unbedingt darauf achten, dass wir wirtschaftlich denken und handeln. Dass ist uns in der Vergangenheit nicht immer zu einhundert Prozent gelungen, weil man vieles dem großen Ziel untergeordnet hat. Jetzt ist es an der Zeit, sich auf unsere Anfänge zu besinnen und konzentrieren uns auf eine Art Neustart.

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Unser Ziel ist es noch professioneller zu werden. Dabei geht es nicht nur um die reine Kundenbetreuung, sondern vielmehr die internen Prozesse und Abläufe zu optimieren. Ich denke, wir haben da noch Potential, welches wir noch nicht zu einhundert Prozent ausgeschöpft haben.

Am Ende ist unser wichtigstes Ziel, dass sich unsere Kunden bei uns wohl fühlen und unsere gemeinsam festgelegten Ziele erreichen. Wir wollen das Team zukünftig noch enger zusammenbringen – daher auch die gemischten Einsätze mit Marvin Dienst und Laurens Hörr, die unsere Kunden in der DMV aktiv unterstützen werden. Zukünftige Projekte lassen sich ohne Unterstützung unserer Kunden nicht mehr realisieren. Dabei muss jedoch ein klarer Benefit für alle Beteiligten erkennbar sein.

SportsCar-Info: In der DMV-GTC-Serie startet Schütz Motorsport nicht nur mit einem Neunelfer, sondern einem Mercedes-AMG GT3. Was war der Grund, eine weitere Marke in den Fuhrpark aufzunehmen?

Christian Schütz: Benny Hey ist durchaus ein Titelkandidat, dessen Formkurve zuletzt steil angestiegen ist. Er kommt mit seinem Porsche sehr sehr gut zurecht, und wir erwarten für diese Saison wieder spannende Rennen.

Für unseren neuen Fahrer aus Bulgarien mit relativ wenig Erfahrung war es uns wichtig, eine für ihn persönlich optimale Lösung zu finden, mit der er auch mit weniger Erfahrung gut klar kommt. Der Mercedes-AMG zeichnet sich durch eine sehr gute Fahrbarkeit aus und die Laufzeitkosten sind relativ günstig. Gerade für einen Einsteiger ist es besonders wichtig, viele Stunden auf der Rennstrecke zu üben. Dafür benötigen wir ein Fahrzeug, welches lange Revisionsintervalle aufweist, aber auch ein breites Performance-Fenster bietet.

Der Mercedes-AMG GT3 bringt sehr viel Grundspeed mit. Wir haben bereits nach den ersten Testfahrten gemerkt, dass wir hier nicht so viel Zeit mit aufwändigen Abstimmungsarbeiten investieren müssen. Am Ende finden wir es zusätzlich sehr spannend, auch mal die direkten Vor- und Nachteile, der unterschiedlichen Fahrzeugkonzepte herauszuarbeiten. Schließlich lernt man nie aus.

SportsCar-Info: Überdies trägt sich Schütz Motorsport mit dem Vorhaben, am 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps teilzunehmen. Stehen weitere Langstreckeneinsätze zur Diskussion? Zum Beispiel das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring oder eine der Creventic-Veranstaltungen?

Christian Schütz: Nach der Absage beim ADAC GT Masters war es uns wichtig, wenigstens ein Rennen auf einem sehr hohen Level zu bestreiten. Was wäre dafür geeigneter als die 24 Stunden in Spa? Wir lieben die Herausforderung und möchten uns mit den besten Teams und den besten Fahrern messen.

Mir ist es wichtig, dass wir trotz der Zwangspause am Ball bleiben und unsere Wettbewerbsfähigkeit prüfen und im besten Fall erhalten und gegebenenfalls verbessern. Andere Langstreckenrennen für Schütz Motorsport sind derzeit noch nicht geplant. Dazu möchten wir jetzt erstmal abwarten, wie wir uns in Spa schlagen werden.

SportsCar-Info: In der asiatischen Blancpain GT Series hast Du bei Craft-Bamboo Racing die Position des Renningenieurs inne. Wäre die europäische GT-Meisterschaft der SRO-Gruppe in Zukunft eventuell auch für Schütz Motorsport interessant?

Christian Schütz: Ich mag die SRO-Serien, und wir können es uns sehr gut vorstellen, dort auch in Zukunft eine Meisterschaft zu bestreiten. Zuletzt hat es meist am erforderlichen Budget gelegen, dass wir dort nicht an den Start gehen konnten. Die Entscheidung, bei den 24 Stunden in Spa an den Start zu gehen, war schon ein klares Bekenntnis, dass wir daran arbeiten dort zukünftig einzusteigen. Dazu wäre es aber wichtig, dass wir auch wettbewerbsfähig sind. Wir sind gespannt. Beziehungsweise: Es bleibt spannend.