Jules Gounon: „Nach 2016 wollten wir unbedingt den Titel im GT Masters holen“

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Jules Gounon ist neu im Bentley-Werkskader | © Bentley Newsroom

Was waren Jules Gounons Saisonhöhepunkte? Welche neuen Aufgaben fallen ihm bei Bentley zu? Steht eine Teilnahme bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring auf dem Programm? Und: sein großer Traum? SportsCar-Info hat den neu berufenen Werksfahrer von Bentley Motorsport befragt.

Jules Gounon hat jüngst einen Werksvertrag bei Bentley Motorsport unterzeichnet. Der Franzose teilt sich in der kommenden Saison einen Bentley Continental GT3 der zweiten Generation zusammen mit Guy Smith und Steven Kane. Gemeinsam wird das Trio den Blancpain Endurance Cup und die Intercontinental GT Challenge bestreiten.

Doch was waren seine persönlichen Glanzpunkte in der Sportwagensaison 2017? Im Interview mit SportsCar-Info verriet Gounon, dass er zwei Höhepunkte hatte. „Ich hatte 2017 insgesamt zwei Highlights. Zum einen der Gewinn des 24-Stunden-Rennens von Spa-Francorchamps als gerade einmal Zweiundzwanzigjähriger war sehr speziell für mich. Und natürlich der Titelgewinn im ADAC GT Masters. Dort konnten wir sowohl die Fahrer- als auch die Team- und Juniorwertung gewinnen.“

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„Bei vierzehn Saisonrennen darf man sich keine Fehler erlauben. Und die haben wir in dieser Saison sehr gut vermieden. Wir alle bei Callaway Competition wollten nach den Ereignissen beim letzten Wertungslauf 2016 alles für die Meisterschaft in diesem Jahr geben. Darauf hatten wir das ganze Jahr hingearbeitet.“

„Es war eine Frage der Ehre“

Der Unfall beim GT-Masters-Finale 2016 auf dem Hockenheimring habe dabei als zusätzlicher Anreiz gedient. „Natürlich verleiht dir so etwas eine Portion Extramotivation. Damals verloren wir in einer aussichtsreichen Lage die Meisterschaft. Später kam mich die Callaway-Familie im Krankenhaus besuchen und wir schmiedeten bereits die Pläne für dieses Jahr. Dass wir zurückkommen war eine Frage der Ehre. Wir hatten mit der Serie noch eine Rechnung offen.“

Doch so leicht steckte er den Unfall nicht weg. „Im Winter war ich schon ein wenig emotional fertig. Der Aufprall hätte mich töten können. Aber danach dachte ich mir, was dich nicht tötet, macht dich nur härter, sodass ich stärker und entschlossener aus dem Winter kam.“

Neben seinen Auftritten für Corvette im ADAC GT Masters und Audi bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps fuhr Gounon sage und schreibe sechs weitere GT3-Fabrikate in diesem Jahr. Seinen Erfahrungsschatz konnte dieser im Mercedes-AMG GT3, dem Ferrari 488 GT3, dem Porsche 911 GT3 R, dem Lamborghini Huracán GT3 und nun auch im Bentley Continental der zweiten Generation erweitern.

Aber welches Fabrikat gefiel dem Mann aus Aubenas am besten? „Mir persönlich gefallen der Bentley, die Corvette und der Mercedes am besten. Den Bentley durfte ich in den letzten Wochen testen und die Fahrten im Continental habe ich wirklich genossen. Ich denke, dass ich mit dem Auto sehr gut zurechtkommen werde und freue mich auf die Zukunft. Und an der Corvette hängen die meisten Erinnerungen, daher mag ich das Auto auch so sehr.“

„Eines Tages will ich die 24 Stunden von Le Mans gewinnen“

Mit Bentley sind aktuell Starts in der Intercontinental GT Challenge und dem Blancpain Endurance Cup gesichert. Darüber hinaus könnten weitere Rennen für Bentley dazu kommen. „Ich habe in diesem Jahr meine Permit für die Nordschleife absolviert. Ich hoffe, dass wir bei den 24 Stunden vom Nürburgring starten werden, weil es eines der größten Langstreckenrennen ist und ich mich dort messen möchte. Wir evaluieren derzeit ein mögliches Programm am Nürburgring. Wenn wir dort starten, werde ich auf jeden Fall Teil des Einsatzes sein.“

Und welchen motorsportlichen Traum will sich der Bentley-Werksfahrer zukünftig erfüllen? „Eines Tages möchte ich in Le Mans ganz oben auf dem Podest stehen. Vor allem als Franzose wäre das etwas ganz besonderes. Seit dem ich meinen Vater [Anm. d. Red.: Jean-Marc Gounon nahm elfmal am Klassiker teil, 1997 wurde er mit McLaren Gesamtzweiter] dort fahren sah, wusste ich, dass ich dort unbedingt einmal gewinnen möchte. Es ist ein so verrücktes und unvorhersehbares Rennen“.