Autonomes Fahren: Die Mobilitätsdystopie

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Freiheitseinbuße durch autonomes Fahren? | © Maximilian Graf

Eines der Hauptthemen auf der diesjährigen IAA: autonomes Fahren. In dieser Zukunftsvision ist der einstige Fahrer nur noch Passagier, stattdessen überantwortet der Insasse die Kontrolle dem Vehikel. Ein Zugewinn an Freiheit? Nein, im Gegenteil. Das Automobil gerät vom Symbol der Freiheit zum Instrument der Fremdsteuerung.

Seit seiner Erfindung ist das Automobil ein Symbol für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, gleichsam eine Garantie für permanente Mobilität. Selbst allerlei Reglementierungen und Restriktionen im Straßenverkehr, immense Kosten für die Anschaffung und Wartung, steigende Kraftstoffpreise sowie unleugbare Ressourcenknappheit rühren an dieser Auffassung auch in der Gegenwart großenteils nicht.

Die Zukunft der Automobilität avanciert somit unzweifelhaft zu einem gesellschaftsrelevanten Thema und gerät auch auf der diesjährigen IAA in Frankfurt am Main zur Tagesfrage. Eine Antwort: autonomes Fahren. Die Grundidee ist simpel. Der Fahrer ist hinfort nur noch Passagier. Denn das Vehikel fährt mittels Autopilot, während sich der Insasse im komfortablen Interieur ohne Pedalerie und Lenkrad zurücklehnt.

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Die Vorteile dieser Vision liegen plan auf der Hand: Entzerrung des innerstädtischen Verkehrs, Stauvermeidung auf der Autobahn sowie eine Verringerung der Unfallgefahr. Nach dem Dafürhalten der Hersteller bedeute dies letzten Endes einen Zugewinn an Freiheit, da der einstige Fahrer sich nunmehr anderweitigen Beschäftigungen zuwenden kann. Ebenjene zuvor verlorene Zeit wolle Audi seinen Kunden in Zukunft schenken.

PIA oder HAL 9000?

Tatsächlich gründet dieses Geschenk jedoch auf einer schieren Fehlinterpretation automobiler Freiheit mit all ihren Implikationen. Ausbuchstabiert bedeutet autonomes Fahren Fremdsteuerung anstatt Selbstbestimmung, Überwachung anstatt Freiheit. Der Fahrer macht sich seiner einstigen Verantwortung ledig zugunsten einer vernunftvergessenen Passivität, gibt sich der Kontrolle der Technik preis.

Das Denken übernimmt nunmehr das Fahrzeug, welches überdies in der Lage ist, geradewegs die – fortan für das Fahren abkömmlichen – Gedanken zu lesen, um dem Passagier jeden Wunsch zu erfüllen. Zumindest streben einige Hersteller solch einen vermeintlichen Komfort an. Eigentlich eine gespenstische Vorstellung. Und irgendwie gemahnt PIA – der „persönliche, intelligente Assistent“ Audis – eher an HAL 9000 als an einen vertrauenswürdigen Chauffeur.