Le Mans: Was war das denn?

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Wo führt die Reise hin? | © Maximilian Graf

Was war das denn?

Es war ebenjenes Szenario, auf das Henri Pescarolo während des vergangenen Jahrzehnts gewartet hatte. Einem Zusammenbruch der Audi-Übermacht harrend, den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans abstauben. Diese Wunschvorstellung wurde niemals Wirklichkeit. In diesem Jahr war es sogar ein LMP2-Rennstall, welcher anderthalb Stunden vor dem Zieleinlauf noch Minimalhoffnungen hegte, die Konstrukteure zu düpieren.

Oder man stelle sich ein Szenario solcherart vor: Porsche hätte auch seinen zweiten Sportwagen zurückziehen müssen, woraufhin Toyota zwar in der LMP1-Liga siegreich gewesen wäre, wohingegen ausschließlich LMP2-Athleten auf das Stockerl der Gesamtwertung geklettert wären. Letzten Endes verhütete Porsche dieses Fiasko. Nichtsdestominder drängt sich die Frage auf: Was in Dreiteufelsnamen ist in Le Mans eigentlich vorgefallen? Was war das denn?

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Und diese Fragen stellen sich uneingedenk des clownesken Intermezzos in der Boxenstraße, wonach Algarve-Pro-Racing-Pilot Vincent Capillaire mit orangefarbenen Overall ein Flaggensignal fingiert habe, welcher vorgeblich einen technischer Defekt bei Toyota bewirkt habe. Nein, es nötigt sich die Zukunftsfrage hinsichtlich der Konzeption des vierklassigen Wettbewerbs aus LMP1, LMP2, GTE-Pro und GTE-Am auf. Jedoch vermag offensichtlich nicht einmal das Organisatorentandem aus ACO und FIA, diese zu beantworten.

Ratlosigkeit beim ACO

Jener Verdacht drängt sich zumindest nach der alljährlichen Freitagspressekonferenz in der Le-Mans-Woche auf. Die Bekanntmachungen indizieren vielmehr Ratlosigkeit der Verantwortlichen. Im Unterschied zu den Vorjahren ließ der ACO von etwaigen Visionen und Utopismen ab, sondern enthüllte ein Konzept zur allgemeinen LMP1-Kostenreduktion nebst der Einführung eines Plug-in-Hybridsystems zur Saison 2020.

Wirklich? Das ist das Rettungsprogramm, welches das FIA-WEC-Schiff in seichtes Fahrwasser lenken soll? Entweder sind sich die Veranstalter des fragilen Konstrukts nicht gewahr, oder das Vorhaben rührt von Ideenlosigkeit her. Man vergegenwärtige sich die Konstellation nach den diesjährigen 24 Stunden von Le Mans: Nach drei Siegen en suite, befindet sich die Fortsetzung des Porsche-Engagements augenscheinlich auf schwankendem Boden.

Zudem konfrontierte die abermalige Niederlage Toyota von Neuem mit seinem Le-Mans-Fluch, der mittlerweile schon gespenstisch anmutet. Ist der Nippon-Autobauer auf ewig verdammt, der Zweite an der Sarthe zu bleiben? Unbeschadet der sportlichen – wennschon ungebrochenen – Moral, steht gleichwohl auch die Frage im Raum, inwieweit ein Alleingang nach einem möglichen Porsche-Forfait eine gewisse Sinnhaftigkeit entbehrt.