Tipp der Redaktion: Wer triumphiert im Schatten der Nürburg?

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Die SportsCar-Info-Redaktion nennt ihre Favoriten beim N'ring 24 | © Ralf Kieven (1VIER.com)

Verteidigt Mercedes-AMG seinen Titel beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring? Erobert Audi die Trophäe zurück? Befördert sich BMW nach sieben sieglosen Jahren wieder auf die Siegerstraße? Marschiert Porsche im Alleingang zum Triumph? Oder glückt einem Außenseiter ein Überraschungserfolg?

Maximilian Graf: Im vergangenen Jahr überragte Mercedes-AMG seine Widersacher als geradezu unbezwingliche Übermacht. Die – beinahe – uneingeschränkte Dominanz gipfelte letzen Endes in einem vierfachen Triumph für die Marke mit dem Stern. Aber: Ist die Abordnung aus Affalterbach auch imstande, den historischen Erfolg im Schatten der Nürburg zu wiederholen? Oder zumindest den Titel in der Eifel zu verteidigen?

Allein aufgrund des letztjährigen Auftritts wäre es vorgespiegelte Bescheidenheit, keinerlei Ansprüche auf die Siegertrophäe geltend zu machen. Zumal sich nach den bisherigen VLN-Läufen sowie dem Qualifikationsrennen der Verdacht taktischer Zurückhaltung aufzwingt, wenngleich die Sternenkrieger des Gegenteil behaupten. Und dennoch: Mercedes-AMG erklimmt am nächsten Wochenende nicht die mittlere Stufe des Stockerls.

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Stattdessen trägt sich BMW nach sieben sieglosen Jahren wieder in die Liste derjenigen ein, welche am Sonntagnachmittag den Pokal emporstrecken. Schließlich waren es schon im letzten Jahr die Bayrischen Motorenwerke, welche der AMG-Armada bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps entgegentraten. Und reüssierten. Die Kraftprobe am Ring entscheidet ebenfalls Rowe Racing zu seinen Gunsten.

Die Hauptfavoriten auf Platz eins beim eintägigen Wettstreit in der Vulkaneifel: das BMW-Ensemble Philipp Eng, Alexander Sims, Maxime Martin und Marc Basseng. Dahingegen bleibt Mercedes-AMG am kommenden Sonntag nur zweiter Sieger. Die ärgsten Kontrahenten im Wettstreit um die Krone: das Black-Falcon-Quartett Dirk Müller, Thomas Jäger, Maro Engel und Jan Seyffarth.

Nun steht allerdings noch die Frage nach dem Geheimfavoriten im Raum. Auf eine der beiden verbleibenden Konstrukteur aus dem Süden Deutschlands – die Konzernbrüder Audi und Porsche – zu tippen, wäre allerdings zu naheliegend. Nein, Bentley glückt ein Überraschungscoup auf der Nordschleife des Nürburgrings. Schließlich soll sich die kurzfristige Aufstockung des Aufgebots auch rentieren. Also: Die Bentley Boys Steven Kane, Guy Smith und Maxime Soulet rollen aufs Podest.

Tim Keuler: Meiner Meinung nach geht in diesem Jahr der große Pott an Land Motorsport. Christopher Mies, der bereits im Jahr 2015 das Rennen gewinnen konnte, ist zusammen mit Connor De Phillippi ein eingespieltes Team auf der Nordschleife; ist das Duo doch regelmäßig auf den vorderen Plätzen in der VLN zu finden. Da beide einen Doppelstart auf beiden Land-Autos hinlegen, haben für mich beide Autos gute Chancen auf den Gesamtsieg. Intern sehe ich aber die Kombination mit Pierre Kaffer und Christopher Haase als einen Hauch ausgeglichener und damit besser an.

Regnet es, geht für mich kein Weg an dem Porsche vorbei. Manthey-Racing mit der passenden Startnummer „911“ und der extrem starken Fahrerbesetzung Romain Dumas, Frédéric Makowiecki, Patrick Pilet und Richard Lietz wird im Regen die Traktionsvorteile des Heckmotor-Konzepts im Porsche perfekt ausspielen können. Abschreiben möchte ich aber auch eine andere Mannschaft noch nicht.

Ich traue es mich kaum zu sagen, aber irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass die Scuderia Cameron Glickenhaus in diesem Jahr die Sensation schaffen könnte. Auf der Döttinger Höhe mit dem mit Abstand größten Topspeed quasi unüberholbar und mittlerweile auch mit pfeilschnellen Rundenzeiten absolut konkurrenzfähig, könnten die beiden Prototypen um vordere Plätze mitkämpfen. Und, wer weiß, wenn die Technik hält, könnte gar eine große Überraschung am Ende der vierundzwanzig Stunden auf dem Treppchen stehen.