Saison 2016: Das Rennjahr im Rückspiegel

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Die Sportwagen- und Langstreckensaison im Rückspiegel | © Ralf Kieven

Audis Ausstieg aus der Langstrecken-WM ist besiegelt, Konzernschwester Porsche neuerlich Weltmeister. Im GT-Sport überragte Mercedes-AMG, musste aber auch eine bittere Strafe abbüßen. Außerdem: Sowohl in Silverstone als auch der Eifel und den Ardennen gab’s einen Aufruhr der Elemente. Das Rennjahr im Rückspiegel.

Januar: Luís Felipe Derani überragt in Daytona

Die Creventic-Agentur hat unzweifelhaft mustergültige Arbeit am Persischen Golf geleistet. Binnen einer Dekade etablierte der Veranstalter aus den Niederlanden die 24 Stunden von Dubai als integralen Bestandteil des internationalen Langstreckenkalenders, das die Abordnungen der GT3- und GT4-Konstrukteure als erste Gelegenheit zum Abtasten wahrnehmen. Mittlerweile ist der Wüstenkurs stets bis zum Zerbersten gefüllt.

Den Triumph reklamierte letzen Endes das W Racing Team für sich. Damit trug sich erstmals die Marke Audi in die Siegerliste ein. Bedauerlicherweise überschattete ein disziplinarisches Nachspiel die anhebende Saison. Die Creventic-Regelaufseher sperrten die Scuderia Praha für einen Lauf der 24-Stunden-Serie, weil Matteo Cressoni im Überrundungsverkehr eine – nach dem Dafürhalten der Sportkommissare – vermeidbare Kollision mit Primus Racing provozierte.

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Mit Kurzweile begeisterten wiederum die 24 Stunden von Daytona am letzten Januarwochenende. Wegen schwerer Niederschläge in Florida dominierte Porsche die Qualifikation, musste regelbedingt aber hinter den Prototypen starten. Im Rennen bezwang ESM Racing mit seinem Ligier JS P2 die DP-Übermacht der Marke Corvette – einen maßgeblichen Beitrag zu diesem Erfolg erbrachte Luís Felipe Derani, der in einem virtuosen Endspurt überragte. (Maximilian Graf)

Februar: Wimpernschlag-Entscheidung am Mount Panorama

Im zweiten Monat des Jahres befand sich die europäische Motorsportszene noch weitestgehend im Winterschlaf. Daher konzentrierte sich die internationale Bühne voll und ganz auf das Zwölf-Stunden-Rennen im australischen Bathurst. Das Rennwochenende und gleichzeitige Kräftemessen zahlreicher GT3-Fabrikate am Fuße des Mount Panorama stand ganz im Namen der Briten von McLaren und einem wie entfesselt fahrenden Shane van Gisbergen.

Bereits in der Qualifikation drehte der Neuseeländer eine Fabelrunde und brannte mit einem neuen Rekordumlauf eine Rundenzeit in den Asphalt, die sich gewaschen hatte und distanzierte die Konkurrenz um mindestens eine halbe Sekunde. In einem extrem kurzweiligen Rennen mit vielen Ereignissen kämpfte der McLaren von Tekno Autosports über lange Zeit mit den konkurrierenden Teams und triumphierte am Ende lediglich gut eine Sekunde vor den Vorjahressiegern vom Nissan Athlete Global Team. (Tim Keuler)

März: Porsche dominiert Prolog, ESM Racing siegt erneut

Im März diesen Jahres erwachten auch die nationalen und europäischen Rennserien allmählich aus dem Winterschlaf. Traditionell begann im dritten Kalendermonat die VLN-Saison mit den Test- und Einstellfahrten auf der Nordschleife. Kurzzeitig bangten die Teilnehmer noch, ob die Veranstaltung stattfinden könnte, fielen doch am Donnerstag vor dem Event noch Schneeflocken in der Eifel. Nach Sonnenschein am Trainingsfreitag konnte die Testfahrt dann aber doch planmäßig beginnen.

In der Langstrecken-WM fielen im März dann die Hüllen sämtlicher Prototypen. Porsche, Toyota und Audi präsentierten ihre LMP1-Boliden im Vorfeld zum Prolog in Le Castellet. Während Audi damit auch zeitgleich den vorerst letzten Prototypen unter der Flagge der vier Ringe vorstellte, wusste vor allem Porsche in der Provence zu überzeugen. Da Toyota aber mit der Le-Mans-Aerodynamik testete, war neben Audi auch die Mannschaft aus Köln-Marsdorf eine gute Sekunde hinter Porsche.

Ein Höhepunkt relativ früh im Jahr bildeten auch die Zwölf Stunden von Sebring. Durch Wetterkapriolen und einen enorm spannenden Rennverlauf wusste die Veranstaltung die Zuschauer zu begeistern. Am Ende triumphierte Extreme Speed Motorsport nach einer taktischen Meisterleistung und einem fulminanten Schlusssprints des Brasilianers Luís Felipe Derani und konnte damit den zweiten Sieg in Folge nach den Zwölf Stunden von Daytona für sich verbuchen. (Tim Keuler)

April: Hochbetrieb in der Vulkaneifel

Der April hatte es in Sachen Motorsport in sich. Auf der Nordschleife standen ganze drei Wochenenden im Zeichen der Vorbereitung auf das 24-Stunden-Rennen, die Langstrecken-WM wunderte sich bei ihrem Saisonauftakt über winterliches Wetter und die nationalen und europäischen GT-Serien nahmen ihren Betrieb auf.

In der VLN-Langstreckenmeisterschaft dominierte Phoenix Racing die ersten beiden Begegnungen auf der Nürburgring-Nordschleife. Anders Fjordbach und Frank Stippler sicherten sich zwei Siege in Folge. Die beiden Auftaktrennen der Eifel-Rennserie waren erwartungsgemäß gut besucht und die Rennen zeigten sich unterhaltsam und die beiden Siegfahrten der Audi-Equipe waren keineswegs unumkämpft.

Zwischen den beiden VLN-Rennen fand auf der Eifler Piste das Qualifikationsrennen zum 24-Stunden-Rennen statt. Mit einem Doppelsieg ließen die Mercedes-AMG-Mannschaften von HTP Motorsport und Haribo Racing bereits erahnen, welche Dominanz auf die Konkurrenz beim Saisonhöhepunkt in der Eifel zukommen sollte.

Im britischen Silverstone staunten derweil die Protagonisten der Langstrecken-WM nicht schlecht, als das dritte Training wegen Schneefalls abgebrochen werden musste. Im Rennen schaffte Audi zwar einen souveränen Sieg, verlor diesen aber bereits am Abend wieder. Bei der technischen Nachkontrolle des Siegerwagens bemängelten die technischen Kommissare eine zu dünne Bodenplatte. Romain Dumas, Marc Lieb und Neel Jani erbten die Punkte und legten den Grundstein für eine äußerst erfolgreiche Saison.

Im ADAC GT Masters sicherten sich Grasser Racing und das Team Zakspeed die Siege bei den beiden Auftaktrennen in Oschersleben und auf dem Sachsenring. In Misano gewann WRT den ersten Lauf der SRO-Sprintserie, während die McLaren-Mannschaft der Garage 59 den Auftakt der Langstreckenserie in Monza für sich entscheiden konnte. (Ralf Kieven)