Sakhir: Audis Abschiedsrennen, Porsche und Toyota ringen um Fahrertitel

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Audi verabschiedet sich in Bahrain aus der Langstrecken-WM | © Audi Mediacenter

In Bahrain endet eine Ära: Audi bestreitet nach anderthalb Jahrzehnten das letzte Rennen mit einem Le-Mans-Sportwagen. Motorsportchef Wolfgang Ullrich erwartet einen „emotionalen Abschied“. Indes fechten Konzernschwester Porsche und Toyota den Kampf um den Titel in der Fahrerwertung aus.

Am dritten Novemberwochenende endet in der Arabischen Wüste eine Epoche in der Historie des Langstreckensports. Denn nach dem Finale der Langstrecken-WM verlässt Audi die Arena der Le-Mans-Prototypen. „Die Veranstaltung in Bahrain wird ganz sicher ein sehr emotionaler Abschied für uns alle“, räumt Wolfgang Ullrich ein, dessen Tätigkeit als Motorsportchef ebenfalls mit dem Rückzug endet.

Seit der Jahrtausendwende avancierte die Marke mit den Marke mit den vier Ringen zu einem integralen Bestandteil des Le-Mans-Mythos. Schon bei der ersten Teilnahme am Traditionsrennen an der Sarthe erklomm Audi bereits das Stockerl. Sodann glückte dem bayrischen Konstrukteur mit der Besatzung Tom Kristensen, Frank Biela und Emanuele Pirro das Bravourstück: drei Gesamtsieg in Folge.

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Insgesamt reklamierte Audi die Le-Mans-Trophäe dreizehn Mal für sich. Die Gegner: Panoz, Cadillac, Bentley, Pescarolo Sport, Peugeot, Toyota und Porsche. Damit schloss der Ingolstädter Hersteller in der ewigen Bestenliste auf Konzernschwester Porsche auf – fünf Erfolge hätten noch zum Gleichstand gefehlt. Audi etablierte sich jedoch nicht bloß als Seriensieger, sondern trat als Innovationsvehikel auf.

Ullrich: „Es lässt sich nur schwer in Worten ausdrücken“

Die Meilensteine: Siege mit einem Dieselmotor sowie einem Hybridantrieb. Ohne jeden Zweifel sind Audi und Le Mans längst untrennbar miteinander verbunden. „Es lässt sich nur schwer in Worten ausdrücken, was dieses Programm für die Marke bedeutet“, gesteht Ullrich, der keineswegs in Zweifels, inwieweit das Engagement seinen Widerhall in den Geschichtsbüchern des Motorsports findet.

„Bis heute haben die verschiedenen Rallye-Modelle des Audi quattro, mit denen 1981 alles begann, einen besonderen Platz im Herzen des Publikums. Ich bin mir sicher, dass auch die von einer weltweiten Fangemeinde geschätzten Sportwagen noch lange das historische Bild unserer Marke prägen werden“, meint Ullrich. Beim WM-Finale in Sakhir kämpft Audi allerdings nur noch um die Ehre. Schließlich hat Porsche seinen Titel als Markenweltmeister bereits verteidigt.

Auch in der Fahrerwertung befinden sich die Audi-Athleten desgleichen außer Reichweite. Folglich streben André Lotterer, Marcel Fässler und Benoît Tréluyer sowie Loïc Duval, Oliver Jarvis und Lucas di Grassi nur noch den Tagessieg an. Den Wettstreit um den Fahrertitel fechten dahingegen Toyota und Weltmeister Porsche aus – mit der besseren Ausgangslage für die Delegation aus Stuttgart-Zuffenhausen.

Fahrertitel: Kann Toyota auf der Zielgerade attackieren?

Denn Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani verbuchen vor dem Schlussakt in Manama einen Vorsprung von siebzehn Punkten auf Mike Conway, Stéphane Sarrazin und Kamui Kobayashi. „Jetzt werden wir noch einmal alle Kräfte mobilisieren, um auch die Fahrerkrone erneut zu holen“, kündigt Porsche-Einsatzleiter Fritz Enzinger an. „Das wird nicht einfach, garantiert spannend – und hoffentlich nicht so eine Zitterpartie wie 2015.“

Teamchef Andreas Seidl kehrt wiederum hervor, inwieweit Porsche die Bedingungen auf dem Bahrain International Circuit nicht zustattenkämen. „Die Strecke und die zu erwartenden hohen Temperaturen kommen unserem 919 Hybrid weniger entgegen als der Kurs von Shanghai, wo wir klar das schnellste Auto hatten“, vermeint Seidl. „Umso wichtiger ist eine starke Teamleistung für die optimale Vorbereitung und Fahrzeugabstimmung, anhaltende technische Zuverlässigkeit, weiterhin schnelle Boxenstopps und richtige Strategieentscheidungen.“

Gleichwohl formuliert Porsche die Maßgabe, auch bei der Endrunde im Orient auf die mittlere Podeststufe zu klettern. „Natürlich wollen wir die Saison am liebsten mit einem Sieg und gleichzeitig dem Fahrertitel abschließen. Dafür werden wir alle bis zur letzten Runde kämpfen“, betont Seidl. Und auch Porsche feiert einen Abschied: Bekanntermaßen beendet Mark Webber nach der Saison seine Fahrerkarriere.

Toyota deklariert als Hauptziel hingegen den Vizetitel in der Konstrukteurwertung. Dennoch schielt der Nippon-Hersteller auch auf die Fahrertabelle, hebt aber hervor, es bedürfe „ein wenig Glück“ zum Titelgewinn. „Es gibt in beiden Weltmeisterschaften noch eine Menge, worum es sich lohnt zu kämpfen“, bekräftigt Teamchef Toshio Sato daher. Es wird erneut ein sehr knappes Rennen zwischen allen drei LMP1-Herstellern werden.“