Fuji: Vorentscheidung am heiligen Berg?

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Gelingt Porsche am Mount Fuji eine Vorentscheidung? | © Porsche

Führt Porsche beim WM-Viertelfinale am Fuji eine Vorentscheidung herbei? Unter günstigen Umständen wäre ein vorzeitiger Titelgewinn für die amtierenden Weltmeister möglich. Audi hält sich mit Zielsetzungen zurück, wohingegen Toyota den Anspruch erhebt, den ersten Saisonsieg einzufahren.

Vermag Porsche, am heiligen Fuji bereits eine Vorentscheidung im WM-Titelkampf herbeizuführen? Zweifellos verzeichnet die tabellarische Konstellation das gegenwärtige Kräftegleichgewicht zwischen dem Weltmeister aus Stuttgart-Zuffenhausen und dem Konzernrivalen Audi teilweise. Diverse Unwägbarkeiten gereichten der Marke mit den vier Ringen zumeist zum Nachteil.

Dahingegen errangen die Titelverteidiger Mark Webber, Brendon Hartley und Timo Bernhard zuletzt drei Siege in Folge. Addiert zu den vorherigen Triumphen der Stallgefährten Marc Lieb, Neel Jani und Romain Dumas, spiegelt sich diese Resultate freilich im Punkteklassement wider. In der Markenwertung obenan: Porsche mit 238 Punkten. Der Rückstand Audis beträgt 53, derjenige Toyotas sogar 101 Zähler. Folglich wäre die Weissacher Delegation in der Lage, unter günstigen Bedingungen schon die Schale zu holen.

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Ein vergleichbare Ausgangssituation kennzeichnet den Wettstreit in der Fahrerwertung. Obenauf: Lieb, Jani und Dumas mit 130 Punkten – und einem Vorsprung von 37,5 Zählern auf Loïc Duval, Lucas di Grassi und Oliver Jarvis sowie 38 Zählern auf Kamui Kobayashi, Mike Conway und Stéphane Sarrazin. Wird den Spitzenreitern in Fernost zureichend Schützenhilfe durch die Markenkollegen zuteil, wäre der Titel in Reichweite.

Die Porsche-Chefetage zagt allerdings, bereits den abermaligen Gewinn der Langstrecken-WM zu thematisieren, stellt stattdessen das ausbalancierte Kräfteverhältnis vor Augen. „Die Leistungsdichte an der Spitze ist atemraubend“, stellt Einsatzleiter Fritz Enzinger heraus und senkt die Erwartungshaltung. „Angesichts der Punktestände liegen wir gut auf Kurs, um unsere beiden WM-Titel zu verteidigen. Aber in den verbleibenden achtzehn Rennstunden kann alles passieren.“

Toyota formuliert ambitionierte Ziele: erster Saisonsieg

Und worin besteht die Krux auf dem Nippon-Traditionskurs? „Generell sollte uns in Fuji helfen, dass es dort nicht so heiß sein wird wie zuletzt in Texas. Auch in den anspruchsvollen Kurvenpassagen dürfte der 919 dank seines recht hohen Abtriebsniveaus stark sein“, erklärt Teamchef Andreas Seidl die Vorzüge der Strecke in der Ortschaft Oyama. „Beim Vorjahresrennen in Japan hat es lange und heftig geregnet. Das kann uns zu dieser Jahreszeit wieder blühen.“

Audi hebt wiederum die Kombination aus schier endloser Start-Ziel-Gerade und einem winkligen Mittelteil hervor. „Fuji ist immer wieder eine ganz besondere Herausforderung“, erläutert Motorsportchef Wolfgang Ullrich. „Das beginnt schon mit der Strecke, die eine der längsten Geraden mit sehr ungewöhnlichen Kurven kombiniert. Und das Wetter ist hier ebenfalls immer wieder ein entscheidendes Thema.“

Toyota verbucht im Titelkampf derweil nur noch mathematische Chancen. Daher kämpft die TMG-Abordnung beim Heimspiel am Vulkan Fuji vornehmlich um die Ehre. „Unser Heimrennen auf dem Fuji Speedway ist einer der Höhepunkte unserer Saison“, bekräftigt Teamchef Toshio Sato. „Es ist wunderbar, den Enthusiasmus der japanischen Fans zu spüren, und wir sind sehr stolz darauf, dass so viele Menschen Toyota unterstützen.“

Nach zwei Bronzeergebnissen en suite erhebt Toyota darüber hinaus den Anspruch, in Fuji neuerlich das Stockerl zu erklimmen – eventuell sogar die oberste Stufe des Siegertreppchens. „Wir konnten die Konkurrenzfähigkeit des TS050 Hybrid in der Aerodynamik-Variante mit extrem hohem Abtrieb in Mexiko und Austin soweit steigern, dass wir davon ausgehen, auch in Fuji um den Sieg kämpfen zu können“, hegt Sato hochfliegende Ambitionen beim Heimrennen.