Klasseneinteilung: GT1, GT2, GT3, GT4 – oder doch GT5?

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Mehr Prototyp als GT-Sportwagen: der Mercedes-Benz CLK GTR | © Daimler Media
Mehr Prototyp als GT-Sportwagen: der Mercedes-Benz CLK GTR | © Daimler Media

An der Sarthe traten überdies der Toyota GT-One sowie der Nissan R390 GT1 hinzu. In der GT2-Wertung traten wiederum Dodge Viper GTS-R, Porsche 911 GT2, Marcos LM600 sowie Saleen Mustang gegeneinander an. Im Gran-Turismo-Oberhaus kulminierte der Konkurrenzkampf letztlich jedoch in einem richtiggehenden Wettrüsten. Die Bezeichnung „GT“ war großenteils nicht mehr zutreffend, faktisch bauten die Werke Prototypen.

Darum entfernte die FIA zur Saison 1999 ebenjene Wertung, in Le Mans benannte der ACO diese Kategorie in GTP um. Zugleich installierte der Automobilklub des Westens einen neuen GT-Unterbau – die Urzelle der heutigen GTE-Sparte. Die Begeisterung für Prototypen mit GT-Optik versiegte indes jedoch rapide. Der Bentley-Triumph mit dem EXP Speed 8 markierte das Ende dieser Epoche.

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Minimalkonsens: GT1 und GT2

Nach dem Millennium substituierte daher ein neues Zwei-Klassen-System das bisherige. Problem: SRO und ACO buhlten zwar um dasselbe Klientel, benannten ihre Wertungen aber unterschiedlich. GT und N-GT in der FIA-GT-Serie konkurrenzierten mit GTS und GT in den Le-Mans-Wettbewerben. Eine fraglos ungewandte Maßnahme – demzufolge bezeichnete „GT“ kontextabhängig eine andere Fahrzeugklasse. Verworren.

ACO, FIA und SRO gelangten letzten Endes zur Räson und einigten sich auf einem Minimalkonsens: Das zweiteilige Zwei-Klassen-System wurde zu einem einheitlichen Zwei-Klassen-System. Naheliegenderweise hießen GT und GTS nun GT1, N-GT und GT hinfort GT2. Also stiegen die bisherigen GT2 auf zu GT1. Die informelle GT3 waren nunmehr GT2. Die ursprüngliche GT1 war längst in Vergessenheit geraten. Soweit verstanden?

Sehr gut. Denn jetzt wird es komplizierter. Der GT-Sport konsolidierte sich, weshalb Ratel auf die Idee verfallen war, auf Basis existierender Markenpokale im Jahr 2006 eine Einsteigerklasse für Herrenfahrer und Nachwuchspiloten zu schaffen: die Gruppe GT3. Aufgrund des überwältigenden Erfolges ergänzte die SRO-Organisation in der darauffolgenden Saison obendrein die GT4-Sparte. Es dauerte nur zwei weitere Jahre, ehe die VLN die beiden Wertungen als SP9 und SP10 einführte.

Durchschnittliche GT-Klasse existiert maximal sechs Jahre

Also, rekapituliert man: Die Zwei-Klassen-Einteilung GT1 und GT2 resultierte aus der viergliederigen Ordnung aus GTS und GT sowie GT und N-GT. Erstgenannte Wertung war aus der GT2 hervorgegangen, der Unterbau zur schillernden GT1-Oberklasse. Dies verwandelte sich in die GTP, die nach der Jahrtausendwende aus den Regelbüchern verschwand. Das bestehende System erweiterte die SRO um die Klassen GT3 und GT4.