GT-Weltmeisterschaft: Das sanierungsbedürftige Luftschloss

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Warum eine GT-Weltmeisterschaft zum Scheitern verurteilt ist | © Maximilian Graf

Augenscheinlich ist die FIA auf den Gedanken verfallen, eine GT-Weltmeisterschaft einzuführen. Daher forciert der Automobilverband die Fusion der Klassen GT3 und GTE. Dieser Plan ist jedoch zum Scheitern verurteilt. Es genügt, sich die Ereignisse der vergangenen zwanzig Jahre zu vergegenwärtigen.

Die geplante Wiederaufnahme der Konvergenzgespräche beschwört mancherorts ein brisantes, aber auch leidiges Thema herauf: die Errichtung einer GT-Weltmeisterschaft. Offenbar geben sich die FIA-Entscheidungsträger der Illusion anheim, eine Verschmelzung der kundenorientierten GT3-Klasse und der werkslastigen GTE-Kategorie schüfe die Voraussetzungen, um künftig einen globalen Wettbewerb auszurichten.

Damit sitzt der Automobilverband jedoch einem Irrwahn auf. Augenscheinlich hat die FIA keinerlei Lehren aus der Vergangenheit gewonnen. Stattdessen bauen die Verantwortlichen in Paris an einem maroden Luftschloss, das längst sanierungsbedürftig ist. Denn die Verwirklichung einer Weltmeisterschaft bedarf die Budgets der Hersteller und äußerstenfalls ein Regulativ, um ausufernde Kosten einzudämmen.

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Dies illustrierte der Aufstieg und Fall der FIA-GT-Serie Ende der neunziger Jahre, als das wacklige Konstrukt auf dem Kulminationspunkt zerbrach. Konkurrierten in den Jahren 1997 und 1998 noch BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Panoz und Lotus um die Krone des GT-Sports, stampften die Veranstalter zur Jahrtausendwende die GT1-Kategorie ein. Der Grund: die immensen Ausgaben der Teilnehmer. Nach dem Neuanfang fehlten auch die Rennen in Übersee.

GT-Weltmeisterschaft mit privaten Rennställen nicht umsetzbar

Die Krise der FIA-GT-Serie vergegenwärtigte zugleich, welche Elemente für den GT-Sport konstituierend sind: eine Verklammerung von Breitensport, Tradition und partieller Werksunterstützung. Diesen Zusammenhang enträtselte auch SRO-Chef Stéphane Ratel und zollte fortan den Wünschen der privaten Mannschaften Beachtung. Nach einer Phase der Genesung wagte Ratel schließlich dennoch ein globales Experiment.

Die Idee, ein Ligasystem mit einem nationalen GT3-Fundament einzuführen, auf dem wiederum eine GT2-Europameisterschaft sowie eine GT1-Weltmeisterschaft fußen sollten, scheiterte aussichtslos. Die WM für Gran-Turismo-Sportwagen hatte lediglich drei Jahre Bestand. Obendrein organisierte die SRO-Gruppe nur einen nominellen GT1-Wettstreit, das Starterfeld fügte sich nämlich aus modifizierten GT3-Gefährten zusammen.

Indes avancierte allerdings die GT3-Divison zur GT-Königsdisziplin und erlebte einen richtiggehenden Boom. Mittlerweile bietet die GT3-Riege eine Plattform für Herrenfahrer, Amateure, Nachwuchsfahrer und Profis. Nach dieser Phase der Konsolidierung geht Ratel nun daran, die Architektur des Luftschlosses zu überarbeiten. Offensichtlich treibt auch den charismatischen GT-Magnat der WM-Traum weiterhin um.