Kommentar: Sicherheit am Nürburgring – Thema für die Ewigkeit?

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Wenn Fahrzeuge am Limit bewegt werden, ist auch stets ein Risiko mit an Bord | © Ralf Kieven

Nach Nico Bastians schwerem Unfall werden infolge der Kontroversen im vergangenen Jahr erneut Sicherheitsbedenken laut. Ein Kommentar zu einem Thema so alt wie der Motorsport selbst: die Sicherheit im Motorsport allgemein, auf der Nordschleife im Speziellen und Maßnahmen zur Verbesserung ebendieser.

Dass die Nordschleife des Nürburgrings ein Unikat unter den Rennstrecken dieser Welt darstellt, ist wohl hinlänglich bekannt. Die Art von Kurvenkombinationen, gespickt mit Kuppen, Kompressionen, Bodenwellen und Asphaltwechseln stellt ausnahmslos jeden Fahrer auf der Welt vor eine Herausforderung, und das jedes einzelne Mal, wenn er die 20,832 Kilometer neuerlich in Angriff nimmt. Dass hier Fehler passieren, ist nahezu vorprogrammiert, auf jeden Fall wahrscheinlich.

Nach dem heftigen Unfall von Nico Bastian eine gute halbe Stunde vor Ende des Qualifikationsrennens zum 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring werden nun erneut Sicherheitsbedenken laut. Bekanntermaßen ist diese Diskussion, gerade auf der Nordschleife, bereits unzählige Male geführt worden. Der Lauda-Unfall, das Ende von Motorrad-Rennen und auch die Abkehr der DTM aus dem Traditionskurs in der Eifel, all das waren Ergebnisse von Sicherheitsdiskussionen über den Eifelkurs.

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Zu schnell seien die Einsatzfahrzeuge, die Gefahr für Mensch, Maschine und Zuschauer sei zu hoch. Nach einigen ruhigeren Jahren wurde im vergangenen Jahr beim VLN-Auftaktrennen allen Beteiligten schmerzlich bewusst, was eigentlich alle wissen: Motorsport ist gefährlich. Daran ändern keine Tempolimits, Reifenstapel, Auslaufzonen oder Kiesbetten dieser Welt etwas. Denn die maximale, die absolute Sicherheit ist ein unerreichbares Ziel.

Warum aber fordern jetzt einige nach dem Bastian-Unfall im Streckenabschnitt Hohenrain erneut ein Überdenken der getroffenen Entscheidungen? Zur genauen Ursache für den zweifelsohne schockierenden Unfall kann aktuell noch nichts gesagt werden. Dennoch ist eine Sache meiner Auffassung nach klar: Hier war weder Übermut des Fahrers schuld, noch war ein GT3-Auto oder ähnlich schnelle Fahrzeuggattungen zu schnell für die Nordschleife.

Die Gefahr ist trotz der Maßnahmen omnipräsent – bei allen Fahrzeuggattungen

Denn auch andere Fahrzeuge sind schnell an ebenjener Stelle. Am Ende der Döttinger Höhe, gefolgt von der Kompression an der Antoniusbuche hin zum Tiergarten, erreicht ein Gros des Fahrerfeldes in der VLN mindestens zweihundertvierzig Kilometer pro Stunde. Wäre der Unfall beispielsweise einem Fahrzeug der Klasse SP3T passiert – die Folgen hätten wohl kaum anders ausgesehen. Allein die Tatsche, dass es erneut ein GT3-Auto erwischt hat, bringt die Stimmen des Zweifels an der Sicherheit erneut auf den Plan.

Ein derartiger Unfall, möglicherweise durch ein technisches Versagen, kann auf jeder x-beliebigen Rennstrecke der Welt passieren. Selbstverständlich wirken entlang der Nordschleifen-Runde enorme Kräfte auf Fahrer und Einsatzfahrzeug. Dennoch: Fällt einem Fahrer eines GT3-Autos im nicht weit entfernten Spa-Francorchamps am Ende der Bergauf-Passage zur Busstop-Schikane das Bremspedal durch – das Resultat wäre ein ähnliches, wenn nicht gar schlimmeres.

Denn die oft als so gefährlich titulierten Leitplanken der Nordschleife in Verbindung mit sehr, sehr schmalen Auslaufzonen haben auch einen positiven Effekt. Einschlagwinkel sind in den meisten Fällen eher flach, sodass, wie im Fall Bastians, ein seitlicher Ersteinschlag in der Regel schon eine große Menge Energie vernichtet, ohne den Fahrer zu sehr zu strapazieren. Dass auch ganz stumpfe Winkel entstehen können, ist klar. Im Fall Bastian hat die kleine Auslaufzone aber vermutlich eher helfend als erschwerend gewirkt.

Damit kein falscher Gedanke aufkommt: Die Sicherheitsfrage ist obligatorisch im Motorsport, das soll sie auch sein. Das ist auch gut so. Denn hätte sie nie jemand gestellt, wären Rennfahrzeuge und auch Rennstrecken heute nicht so sicher, wie sie es sind. Allerdings sollte stets bedacht werden: Eine gewisse Gefahr fährt immer mit, ob auf der Nordschleife oder auf jeder anderen Rennstrecke der Welt. Denn am Ende ist auch das Risiko, dass ein Fahrer eingeht, Teil der Faszination Motorsport, die die Zuschauer an die Sicherheitszäune lockt.