Saison 2015: Das Rennjahr im Rückspiegel

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Porsche entthronte Audi in Le Mans und reklamierte den WM-Titel für sich. Bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps feierte Marc VDS Racing den lang ersehnten Sieg, schloss sodann aber aufgrund massiver Verluste die Garagentore. Ein tödlicher Unfall überschattete den VLN-Auftakt. Die Konsequenz: ein Tempolimit. Das Rennjahr im Rückspiegel.

Januar: Mercedes-Benz eröffnet Saison mit Zweifacherfolg

Das 24-Stunden-Rennen von Dubai markiert mittlerweile die traditionelle Saisoneröffnung der Langstreckenszene. Im Januar feierte der Endurance-Wettbewerb in der Arabischen Wüste sein Jubiläum. Am Ende gelang Mercedes-Benz ein Doppelerfolg, bei dem Black Falcon das bessere Ende für sich hatte. Hubert Haupt, Yelmer Buurman, Oliver Webb und Abdulaziz Al Faisal überquerten mit vier Runden Vorsprung die Ziellinie vor den Markenkollegen von Ram Racing. Die Ferrari-Mannschaft von Dragon Racing erklomm hingegen die unterste Podiumsstufe.

Deutlich spannender ging es Ende des Monats in Florida her. In der Schlussphase der 24 Stunden von Daytona entschied letztlich eine Safety-Car-Phase das Rennen, welches Chip Ganassi Racing für sich entschieden konnte. Während der letzten sieben Umrundungen fuhr sich die Ford-Mannschaft einen Vorsprung von lediglich vier Sekunden auf die zweitplatzierten von Action Express Racing heraus. Bronze beim Langstreckenklassiker in Amerika sicherte Wayne Taylor Racing. (Daniel Schnichels)

Februar: Nervenaufpeitschendes Finale in Bathurst

Der Monat Februar begann mit einer aufsehenerregenden Neuvorstellung. Nissan präsentierte den GT-R LM Nismo, ebenjenen Rennwagen, mit dem die Japaner in Le Mans nicht weniger als den Sieg wollten. Von den Einen gelobt und von den Anderen in der Luft zerrissen, polarisierte das unkonventionelle Konzept schon bei der Enthüllung. Nissan wollte den Frontmotorrennwagen, der 1 250 Pferdestärken leisten soll, auch über die Vorderachse antreiben.

Eine Idee, die auch bei der Konkurrenz für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Audi, Porsche und Toyota setzten auch weiterhin auf den bekannten Heck- oder Allradantrieb. Die drei Hersteller waren im Februar bereits tief in der Testroutine, mit dem Blick immer auf Le Mans gerichtet – wo die Betreiber den Circuit de la Sarthe in den Porsche-Kurven durch neue asphaltierte Auslaufzonen sicherer gestalten wollten.

Derweil schauten die Fans nach Down Under. Auf dem Mount Panorama Circuit fand das Zwölf-Stunden-Rennen von Bathurst statt, das inzwischen mit seinem Prestige die Hersteller Aston Martin, Audi, Bentley, Mercedes-Benz und Nissan anlockte. Letzterer trug in einem Herzschlagfinale den Sieg davon. Katsumasa Chiyo hielt die versammelte Meute in Schach und seinen Wagen an der Spitze. (Daniel Stauche)

März: Tödlicher Unfall überschattet VLN-Auftakt

Der März stand zunächst ganz im Zeichen der Präsentationen. Die Serien verkündeten ihre Starterfelder, letzte Teams bestätigten ihre Fahrer für die neue Saison. Derweil präsentierten Audi und Mercedes-Benz die Programme ihrer neuesten GT3-Boliden. BMW hingegen befand sich auf den Rennstrecken in Südeuropa, um mit dem M6 GT3 erste Tests abzuarbeiten. Audi überraschte sogar mit der Meldung, dass der R8 LMS der neuesten Generation bereits bei den Test- und Einstellfahrten vor der VLN-Saison an den Start gehen würde.

Jene Einstellfahrten sorgten aber aus einem anderen Grund für Gesprächsbedarf. Erstmals wurde der traditionelle Saisonauftakt nicht von der Veranstaltergemeinschaft ausgetragen, sondern von den neuen Inhabern des Nürburgrings, der Capricorn Nürburgring GmbH. Hohe Gebühren und strittige Haftungsbedingungen hielten in der Folge vor allem viele kleinere Teams davon ab, den Termin wahrzunehmen, und es testeten lediglich achtundsechzig Rennwagen.

Bei den Einstellfahrten selbst stahl dann ein betagter Rennwagen dem Rest die Schau. Michael Bartels fuhr erstmalig mit einem Maserati MC12 GT1 über den Eifelparcours und warf damit die Frage auf, ob ein solches Gefährt womöglich in der VLN-Langstreckenmeisterschaft an den Start gehen könne.

Am Ende des Monats wurde aber all dies nebensächlich. Die Geschehnisse des ersten VLN-Rennens beeinflussten den Rennsport auf der Nordschleife bis heute und womöglich auch noch weiter in der Zukunft. Hundertsechzig Starter hatten die Westfalenfahrt unter die Räder genommen. Doch nach gut einer Stunde wurde der Renntag durch einen folgenschweren Unfall beendet. Der Brite Jann Mardenborough verlor an Kuppe der Quiddelbacher Höhe die Kontrolle über seinen Nissan GT-R und flog in den Zuschauerbereich. Ein Besucher konnte dem fliegenden Rennwagen nicht ausweichen und verlor sein Leben. (Ralf Kieven)