Porsche dominierte auch den WM-Lauf in Austin. Das Resultat auf dem Circuit of The Americas: der dritte Saisonsieg in Folge. Dennoch: Zwar erscheint der Konstrukteur aus Stuttgart-Zuffenhausen derzeit unschlagbar, nicht aber unfehlbar. Vermag Audi, mit konstanten Leistungen im Titelkampf zu attackieren?
Die Erkenntnisse nach dem sechsstündigen Nachtrennen in Austin? Einesteils: Augenscheinlich ist Porsche auf der Strecke zurzeit unschlagbar. Anderenteils: Porsche ist aber nicht unfehlbar. Faktisch kontrollierte die Weissacher Werksmannschaft zwar das WM-Gastspiel im Lone Star State und war im Begriff, einem ungefährdeten Doppelerfolg entgegenzusteuern. Jedoch unterliefen dem gegenwärtigen Klassenprimus wiederholt Schnitzer.
Zu Anfang präsentierte sich Porsche auf dem Circuit of The Americas in Höchstform, festigte die Zweifachführung und distanzierte Konterpart Audi kontinuierlich. Den ersten Fauxpas leistete sich sodann Mark Webber, als der ehemalige Formel-1-Fahrer an seiner Garage vorbei fuhr. Die Mechaniker mussten den Hybridprototyp zurückschieben, wodurch der Spitzenreiter seinen erarbeiteten Vorsprung einbüßte.
Überdies werkelten während des ersten Boxenstopps zu viele Mechaniker am Porsche-Sportwagen, womit die Truppe das Regelwerk verletzte. Daher ahndeten die Sportkommissare diesen Verstoß mit einer einminütigen Stop-and-Go-Strafe. In Konsequenz dessen ergab sich eine Verschiebung im Klassement. Startfahrer Webber, Brendon Hartley und Timo Bernhard verloren damit die Führung an die Stallgefährten Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani.
Fritz Enzinger: „Das war ein verdienter Sieg“
Fortan flauten die Ereignisse in der texanischen Kapitale ab. Porsche dominierte, ehe der fünfte Saisonlauf der Langstrecken-WM in der Schlussphase eine unerwartete Wendung nahm. Der Konstrukteur aus Stuttgart-Zuffenhausen orderte Dumas zu einem außerplanmäßigen Stopp an die Box, woraufhin die Mechaniker den Erstplatzierten aufgrund eines Elektronikproblems rückwärts in die Garage schoben. Der zweite Renner absolvierte lediglich noch den finalen Umlauf.
Derweil kreuzten die Markenkollegen Webber, Hartley und Bernhard den Zielstrich als Gewinner. Damit feierte Porsche nach den Triumphen in Le Mans und beim Heimspiel auf dem Nürburgring den dritten Erfolg en suite. „Das war ein verdienter Sieg“, attestierte Einsatzleiter Fritz Enzinger seiner Mannschaft. „Wir haben fast über die gesamte Distanz eine Doppelführung verteidigt. Aber, in der letzten Stunde das zweite Auto zu verlieren, ist ein Wermutstropfen.“
Folglich festigt Porsche seine Tabellenführung in der Herstellerwertung. Der Abstand zur Konzernschwester Audi: sechsunddreißig Punkte. „Jetzt reisen wir guter Dinge nach Fuji und versuchen dort, beide Porsche aufs Podium zu bringen und unsere Platzierung in der Herstellerwertung weiter auszubauen“, fügt Enzinger hinzu. Im Fahrerklassement ergibt sich hingegen eine andere Konstellation.
Audi verteidigt Tabellenführung in der Fahrerwertung
Das Audi-Dreigestirn André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler verteidigte die Tabellenführung abermals, wenngleich der Vorsprung nach dem Silberrang in Austin auf zehn Punkte geschrumpft ist. Die internen Konkurrenten Loïc Duval, Lucas di Grassi und Oliver Jarvis erklommen die unterste Stufe auf dem Stockerl, bedingt durch eine Stop-and-Go-Strafe, weil einem Mechaniker beim Reifenwechsel ein Rad auf den Boden gefallen war.
Gleichwohl agierte Audi weiterhin chancenlos. Etwa eine Sekunde war die Marke mit den vier Ringen pro Umlauf langsamer als Widersacher Porsche. Aber: Audi brillierte mit Konstanz, geriet trotz der Hitze nicht in technische Schwierigkeiten und präsentierte sich standfest. „Wir waren in Austin der einzige Hersteller, der beide Autos ohne technische Probleme über die Runden brachte, mussten uns am Ende aber Porsche im Kampf um den Sieg geschlagen geben“, merkt Motorsportchef Doktor Wolfgang Ullrich an.
Angesichts der obwaltenden Umstände besteht in dieser Taktik – fehlerfreies Auftreten – vermutlich die einzige Chance für Audi, im Titelkampf nochmals anzugreifen. Denn im direkten Zweikampf vermag Audi nicht zu attackieren. „Auch wenn sie mehr als eineinhalb Stunden am Stück im Cockpit saßen, ist jeder Fahrer konstant stark gefahren, bevor er sein Auto einem Teamkollegen überließ“, lobt Ullrich seine Equipe.
Toyota erringt bestes Saisonresultat
Begünstigt durch das Drama bei Porsche, erzielte Toyota das bislang beste Saisonergebnis. Anthony Davidson, Sébastien Buemi und Kazuki Nakajima beendeten die Wettfahrt in Austin an vierter Stelle. Allerdings patzte auch TMG. Denn Davidson musste unmittelbar vor dem zweiten Tankstopp eine zusätzliche Runde drehen, weshalb der Weltmeister beinahe ohne Benzin ausgerollt wäre, rettete sich aber mit gedrosseltem Tempo an die Box.
Ein unglücklicher Zwischenfall widerfuhr dagegen Kollege Mike Conway, der im Überrundungsverkehr verunfallte und in die Leitplanke einschlug. Das Aus für die zweite Gazoo-Besatzung. „Das war nicht nur für uns ein heißes und schwieriges Rennen“, resümiert Teamchef Toshio Sato. „Doch am Ende konnten wir mit dem Fahrzeug mit der Nummer eins ein passables Ergebnis erzielen. Enttäuschend ist unser erster Ausfall seit Le Mans 2014 – dem ersten seit ich dem Team beigetreten bin. Leider kann so etwas im Motorport immer vorkommen.“

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