Die Mannschaft von Molitor Racing Systems zog vor dem Lauf des ADAC GT Masters auf dem Lausitzring ihre beiden Nissan GT-R Nismo GT3 zurück. Während einer der Boliden durch einen Brand nachhaltig beschädigt wurde, gab es beim zweiten Wagen Diskussionsbedarf über die BoP-Einstufung.
„Wir sind keine ‚BoP-Heulsusen‘ und möchten auch nicht andere Fahrzeuge langsamer sehen. Wir wollen unseren Sport unter professionellen Rahmenbedingungen ausüben, sonst nichts“, teilte Molitor Racing auf Facebook mit. In einer offiziellen Stellungnahme begründet die Truppe ihren Rückzug beim ADAC GT Masters auf dem Lausitzring und erklärt die Problematik im Detail.
Die Balance of Performance regelt für Turbo-Fahrzeuge, wie dem Nissan GT-R Nismo GT3, unter anderem der Ladedruck des Turbos in Abhängigkeit zur Drehzahl. Diese Grenzen sind recht einfach über das Mapping des Turbos einzuhalten. Allerdings kommt es bei bestimmten Betriebszuständen des Motors zu Druckspitzen. Auch für diese Spitzen gibt es eindeutige Regeln, was die Höhe der Spitzen sowie ihre Häufigkeit betrifft.
Das Problem liegt laut Molitor Racing Systems in der Tatsache, dass keine zuverlässige Messung für diese Spitzen existiert. Stattdessen berechnet der ADAC die Druckspitzen mittels einer mathematischen Formel, welche den Teams aber nicht vorliegt. Nachdem den beiden MRS-Wagen zunächst bestätigt wurde, innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen zu liegen, teilte der technische Delegierte des DMSB der Mannschaft kurz vor der Qualifikation mit, der Wagen mit der Nummer 22 habe die Grenzen um den fünffachen Wert überschritten.
In seiner Mitteilung wundert sich die MRS-Truppe darüber, dass nur einer der beiden Wagen betroffen ist, obwohl beide Boliden mit dem exakt gleichen Turbo-Mapping ausgestattet seien. Auf Empfehlung des DSMB sollte der Ladedruck im Nissan um 140 Millibar reduziert werden, um sportrechtliche Konsequenzen zu vermeiden, was laut MRS eine Leistungseinbuße von rund 40 PS bedeutet und somit rund zwei Sekunden pro Runde gekostet hätte.
Diese Alternative kam für die Nissan-Mannschaft nicht in Frage. Stattdessen packte die Truppe die Koffer und zog ihre Rennwagen aus dem Wettbewerb zurück. „Das MRS-Team hat sich für diese Variante entschieden, bis ein auch für das Team nachvollziehbares System zur Ermittlung der Druckspitzen vom DMSB vorgehalten wird“, erklät MRS in der Teammitteilung erklärt. „Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich hierbei um einen Rechen- beziehungsweise Auswertungsfehler, ohne dass das Team kurz vor der Qualifikation eine Chance gehabt hätte, dies zu belegen.“
Der zweite MRS-Wagen wurde hingegen nach einem Feuerschaden zurückgezogen. Im zweiten freien Training erlitt der Nissan einen Motorschaden, geriet daraufhin in Brand und wurde so stark beschädigt, dass eine Reparatur vor Ort und damit ein Start beim Rennen unmöglich wurde.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.