Le Mans: „La légende s’écrit sous vos yeux“

Erstmals seit dem Jahr 1999 treffen Toyota, Audi und Nissan wieder in Le Mans aufeinander. Anstatt AMG-Mercedes und BMW tritt Rekordsieger Porsche gegen das Trio an. Weitere Hersteller engagieren sich in der GTE-Pro-Kategorie. Dennoch bekundet die deutschsprachige Motorsportszene reges Desinteresse.

Erstmals seit dem Jahr 1999 treffen Toyota, Audi und Nissan wieder in Le Mans aufeinander. Anstatt AMG-Mercedes und BMW tritt Rekordsieger Porsche gegen das Trio an. Weitere Hersteller engagieren sich in der GTE-Pro-Kategorie. Dennoch bekundet die deutschsprachige Motorsportszene reges Desinteresse.

„BMW vient, Toyota vient, Chrysler et Mercedes viennent, Nissan vient et Audi vient. Et vous, vous venez?“, titelte der ACO im Jahr 1999, womit der Automobilklub aus dem Nordwesten Frankreichs das Erscheinen sechser Hersteller ankündigte. Allein fünf Werksmannschaften traten bei der siebenundsechzigsten Auflage des 24-Stunden-Rennens von Le Mans in den beiden Spitzenklassen an, um sich auf der Via Regia des Langstreckensports zum Gesamtsieger zu krönen. 

Zugleich forderte der ACO auf, sich dieses historische Ereignis auf keinen Fall entgehen zu lassen. „Ne laissez pas la légende s’écrire sans vous“, merkt der Organisator auf dem offiziellen Plakat an, das alljährlich im Juni in jedem Schaufenster der Stadt hängt. Und fraglos: War die Traditionsveranstaltung zu Beginn der neunziger Jahre noch im Niedergang begriffen, erlebte der Klassiker im Département Sarthe zum Millennium einer abermalige Blüte.

Sechs Jahre nach dem Ende der Gruppe-C-Ära wetteiferten fünf Konstrukteure um die französische Krone des Motorsports. Ferner behauptete sich auch Panoz mit Ford-Unterstützung als konkurrenzfähiger Akteur im Wettstreit um vordere Positionen. Ins Zentrum der Geschehnisse rückte vorderhand das Duell zwischen Toyota und AMG-Mercedes, nachdem die beiden Widersacher bereits im Vorjahr die Favoritenstellung bezogen. 

Toyota erzielt Rundenrekord

Stattdessen trug jedoch Porsche den bis dato letzten Gesamterfolg an der Sarthe davon. Obwohl der Rekordsieger sein Engagement anschließend beendete, sannen Toyota und AMG-Mercedes auf Revanche. Bereits in der Qualifikation signalisierte die Abordnung aus Fernost, über welches Potenzial der GT-One-Prototyp verfügt: Startreihe eins für Toyota. Obendrein meisterte Martin Brundle den Circuit de la Sarthe binnen 3:29,905 Minuten – Rekord auf jener Streckenvariante. 

Für AMG-Mercedes stand das Wochenende dagegen unter einem Unstern. Zunächst überschlug sich Mark Webber in der Vollgaspassage gen Indianapolis-Kurve; dies wiederholte sich im Warm-up beim Überfahren des Hügels am Ende der Hunaudières-Geraden. Selbiges Schicksal widerfuhr Peter Dumbreck im Rennen, woraufhin Motorsportchef Norbert Haug den Entschluss fasste, den verbleibenden Sportwagen zurückzuziehen. 

Die alten Fotostrecken sind leider nicht mehr verfügbar.

Zuvor waren kurzweilige Zweikämpfe zwischen AMG-Mercedes und Toyota entfacht, aber auch der Delegation aus dem Land der aufgehenden Sonne war Fortuna nicht hold. Nach seiner Rekordfahrt am Donnerstag fiel Brundle im Rennen einem Reifenschaden anheim, Markenkollege Thierry Boutsen verunfalle wiederum in Tertre Rouge. Die Stallgefährten Uky? Katayama, Keiichi Tsuchiya und Toshio Suzuki sicherten TTE letzten Endes die Silbertrophäe. 

Beginn der Audi-Dominanz

Derweil agierte Nissan nach den respektablen Auftritten in den Jahren zuvor im Hintergrund, spielte faktisch nur eine Nebenrolle. Schon in der Qualifikation verunfallte Eric van de Poele, wobei einer der R391-Prototypen zerstört wurde. Das Schwesterfahrzeug fiel, auf Position vier liegend, mit Elektronikproblemen aus. Letztlich erzielte Nissan mit dem C52-Modell und dem älteren Aggregat, das Courage Compétition selbst betreute, das beste Resultat: Rang acht. 

Schlussendlich bemächtigte sich ein anderer Hersteller aus Deutschland dem Endurance-Thron in Le Mans: BMW. Dank einer fehlerfreien Darbietung und einem Sprit sparenden V12-LMR-Boliden triumphierten Joachim Winkelhock, Pierluigi Martini und Yannick Dalmas über die favorisierte Konkurrenz. Ebenjene Marke um die sich dieser Tage wieder Gerüchte um eine Rückkehr nach Le Mans ranken. 

Und die unterste Stufe auf dem Podium? Rückblickend war die Vergabe des Bronzepokals das zukunftsweisendere Ereignis im Juni des Jahres 1999. Bereits bei seinem Debüt im Département Sarthe erklomm Audi das Stockerl und belegte zudem den vierten Rang. Fortan vollstreckte die Marke mit den vier Ringen einen geradezu unaufhaltsamen Siegeszug. Nach dem Hattrick in der Saison 2002 gewann Audi sodann zehn weitere Male – lediglich Konzernschwester Bentley und Peugeot unterbrachen die Erfolgsserie. Mittlerweile sind die Marken Audi und der Mythos Le Mans untrennbar miteinander verquickt. 

„Ne laissez pas la légende s’écrire sans vous“

Sechzehn Jahre mussten sich die Aficionados des Langstreckensports gedulden, ehe sich Toyota, Audi und Nissan in Le Mans wieder gegenüberstehen. Anstatt BMW und Mercedes-AMG, ist nun Porsche mit von der Partie, dessen Rekord die Ingolstädter indes zu gefährden suchen. Überdies findet auch der GTE-Pro-Vierkampf seine Fortsetzung: Verteidigt Ferrari seinen Titel gegen Aston Martin, Corvette und Porsche? Summa summarum starten somit sieben Werksgespanne in Le Mans. Erfocht Chrysler in der Saison 1999 noch den GT-Klassensieg, vertritt heuer einzig Riley Technologies die Marke Dodge in der GTE-Am-Sparte. 

Ohne jeden Zweifel: Bedingt durch das progressive Hybridregelwerk der Langstrecken-WM und die gegenläufigen Konzepte der vier Hersteller, steht am übernächsten Wochenende neuerlich ein Rennen bevor, das höchstwahrscheinlich eine herausragende Stellung in den Annalen des Klassikers in Le Mans einnnimmt. Das einzig Traurige: Trotz des Engagements zweier deutscher Hersteller und einer japanischen Equipe mit Niederlassung in Köln bekundet die deutschprachige Motorsportszene reges Desinteresse. 

Daher lautet der Appell: „Ne laissez pas la légende s’écrire sans vous.“


Kommentare

Schreibe einen Kommentar