Spa-Francorchamps: Verschiedene Strategien bei der Generalprobe

Die WM-Station in Spa-Francorchamps ermöglicht den Herstellern eine Generalprobe für Le Mans. Auftaktsieger Audi und Porsche starten daher mit einem zusätzlichen Hybridprototyp, streben aber unterschiedliche Ziele an. Jedoch erhebt einzig Weltmeister Toyota explizit den Anspruch, den Sieg einzufahren.

Die WM-Station in Spa-Francorchamps ermöglicht den Herstellern eine Generalprobe für Le Mans. Auftaktsieger Audi und Porsche starten daher mit einem zusätzlichen Hybridprototyp, streben aber unterschiedliche Ziele an. Jedoch erhebt einzig Weltmeister Toyota explizit den Anspruch, den Sieg einzufahren.

Selbst nach dem ersten Aufeinandertreffen der Werksmannschaften in Silverstone vermag letztlich niemand, über die Hackordnung in der Langstrecken-WM urteilen. Fraglos demonstrierten die Delegationen der Hersteller ihre Qualitäten, aber die Favoritenlage hat die Auftaktveranstaltung keineswegs entschleiert. Eine weitere Standortbestimmung ermöglicht an diesem Wochenende allerdings die zweite Begegnung in Spa-Francorchamps.

Darüber hinaus gleicht das Sechs-Stunden-Rennen auf dem Traditionskurs im Hohen Venn gewissermaßen einer Generalprobe für Le Mans. Daher erweitern Audi – wie schon in den Vorjahren – und Porsche ihr Aufgebot um einen dritten Sportwagen. Die zusätzliche Besatzung der Ingolstädter rekrutiert sich aus Filipe Albuquerque, Marco Bonanomi und René Rast, wogegen Nico Hülkenberg, Earl Bamber und Nick Tandy für das Zuffenhausener Lager antreten.

Allerdings verfolgen die beiden Konstrukteure unterschiedliche Ziele mit ihrem Vorhaben. Denn Audi beabsichtigt, seine Aerodynamik-Konfiguration für die Hochgeschwindigkeitsstrecke an der Sarthe unter Wettbewerbsbedingungen zu erproben. Im Unterschied zu den regulären Spezifikationen ist diese auf die eminenten Geschwindigkeiten in Le Mans ausgerichtet, generiert folglich aber weniger Abtrieb.

Porsche strebt nach maximalem Punktgewinn

Konzernschwester Porsche trachtet dagegen nach Punktemaximierung einerseits, intensiviert seine Vorbereitungen für die Machtprobe im Département Sarthe andererseits. Folglich sind die Stammpiloten mit der Aufgabe betraut, um vordere Platzierungen zu kämpfen, während das dritte Fahrergespann nochmals verschiedene Abläufe in Wettkampfsituationen testet. Schließlich gibt das Trio seinen Einstand im Oberhaus des Langstreckensports. 

Unterschiedliche Aerodynamik-Einstellungen verwendet Porsche jedoch nicht. „Es wird für die Mannschaft um Teamchef Andreas Seidl eine große Aufgabe, drei dieser hoch komplexen Fahrzeuge und neun Fahrer zu handhaben“, merkt Einsatzleiter Fritz Enzinger an. „Bezüglich der anspruchsvollen Hybrid-Strategie in der Acht-Megajoule-Klasse lernen wir ständig dazu. Generell sollte das Streckenprofil von Spa unserem Auto entgegenkommen.“ 

Derweil hat Weltmeister Toyota einen Namenswechsel vollzogen. Aufgrund einer Umstrukturierung im Unternehmen firmiert die Werksmannschaft aus Fernost künftig unter „Gazoo Racing“, wenngleich die Meldeliste diesen Umstand noch nicht berücksichtigt, da eine Namensänderung während der Saison nicht zulässig ist. Im Hinblick auf den Sport ändert sich allerdings nicht: Auch in Spa-Francorchamps startet Toyota mit geringem Abtrieb. 

Toshio Sato: „Sind bereit, um den Sieg zu kämpfen“ 

Wegen der TMG-Niederlassung in Köln deklariert Toyota das Gastspiel in den Ardennen außerdem zu einem seiner „Heimrennen“ – neben dem Nürburgring und Fuji. „Es ist zudem das letzte Rennen vor Le Mans, also wird es vor allem auf die Sammlung von möglichst vielen Daten ankommen und – im Hinblick auf die Vorbereitung auf Le Mans – auch die Feinabstimmung des Autos weiter zu verbessern“, erläutert Teamchef Toshio Sato die Vorgehensweise. 

Im Gegensatz zur Konkurrenz formuliert Toyota seine Zielsetzung unmissverständlich: Die Equipe erhebt den Anspruch, das schwarz-weiß karierte Tuch als Spitzenreiter zu erblicken. „Wir waren hier im Vorjahr siegreich und haben die Ambition, dies zu wiederholen“, bekräftigt Sato. „Auch wenn uns klar ist, dass die Konkurrenz stark ist. Nach Silverstone haben wir nochmals harte Arbeit investiert, jetzt sind wir bereit, um den Sieg zu kämpfen.“ 

Weiters stellt sich die Frage, inwieweit die Hersteller imstande sind, in Spa-Francorchamps ihre verschiedenen Vorteile zur Geltung zu bringen. Denn Audi trumpfte bis dato in kurvigen Passagen auf, Porsche überflügelte seine Kontrahenten dagegen auf Geradeausabschnitten. Titelverteidiger Toyota agierte hingegen im Hintergrund, wahrte seine Erfolgschancen aber mit strategischem Geschick. Welche Konstellation ergibt sich im Ardenner Wald?


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