Audi R8 LMS: Sicherheit genießt Priorität

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Bei der Entwicklung seines neuen GT3-Modells räumte Audi der Sicherheit Priorität ein. Daher genügt der R8-LMS-Sportwagen der zweiten Generation gar den Ansprüchen des LMP-Regelwerks. Ferner maß der süddeutsche Hersteller der Gewichtsreduzierung Bedeutung bei. Der Renner im Porträt.

Letzten Endes zeitigte die Entwicklung des Audi R8 LMS keinerlei originären Ansätze. Stattdessen rückten bei der Entwicklung des künftigen GT3-Kundensportmodells die Reduzierung der Masse sowie die Erhöhung der Sicherheit ins Zentrum. Die Konstruktion aus der Neckarsulmer Manufaktur sei „leichter und sicherer als je zuvor“, titelt die Presseabteilung der Marke mit den vier Ringen nach der Präsentation auf dem Genfer Autosalon.

Bei der Konzeption des GT3-Sportwagens machten sich die Audi-Techniker gar Technologien der Kollegen aus dem Le-Mans-Sektor zu nutze. Da die Heckpartie mit CFK-Crashelementen ausgestattet ist, genügt der Audi R8 LMS der zweiten Generation den Ansprüchen des LMP-Regulariums. Überdies sind das Fahrgestell und der sogenannte Protection Seat PS 1 unmittelbar aneinander gekoppelt, wodurch die Ingenieure die Steifigkeit nochmals gesteigert haben.

Eine weitere Finesse: Der Audi R8 LMS verfügt über eine Bergeöffnung im Dach, welche bereits bei den Silhouettenfahrzeugen der DTM-Meisterschaft Anwendung findet. Bei einem Unfall erlaubt diese Rettungsluke den Helfern vor Ort, dem Fahrer den Helm wirbelsäulenschonend abzunehmen. Auf diese Weise übertreffe der Renner die eigentlichen Sicherheitsanforderungen, welche das Reglement für die Saison 2016 an die Konstrukteure stellt.

Mittlerweile unverzichtbar im Motorsport: kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff. Durch ein Konglomerat aus Carbonbauteilen, einer Skelettkarosserie aus Aluminium und einem Überrollkäfig aus Stahl ist es Audi gelungen, das Gesamtgewicht um annäherungsweise dreißig Kilogramm zu verringern. Anstatt der ursprünglichen 1 250 bringt der Audi R8 LMS deshalb lediglich noch 1 225 Kilogramm auf die Waage.

Seriennaher V10-Motor leistet 510 PS

Was die Antriebseinheit anbelangt, kehrt Audi die Produktionsnähe zur zweiten Generation des R8-Supersportwagens hervor. Sofern das Reglement keine Modifikation gebot, bearbeiteten die Audianer den seriellen V10-Motor mit 5,2 Litern Hubraum auch nicht. Das Triebwerk leistet darum die regulären 510 PS. Das angestrebte Revisionsintervall beträgt zwanzigtausend Kilometer, ehe die Kundenmannschaften einen Wechsel durchführen müssen. 

Darüber hinaus nennt Audi in seinem Kommuniqué weitere Details, die sich unter einem Rennsport-Querlenker, einem Sechs-Gang-Getriebe mit Wippenschaltung sowie einer grundlegend neuer Elektronik subsumieren lassen. Relevantes in puncto Aerodynamik? Bedingt durch einen integrierten Diffusor, haben die Ingenieure den Heckflügel kleiner dimensioniert, um zusätzlichen Abtrieb zu generieren. Geöffnete Radkästen optimieren die Luftströme.

Um die Arbeitsbedingungen der Athleten im Interieur zu verbessern, haben die Audi-Spezialisten außerdem die Frischluftzirkulation erhöht. Der Ingolstädter Automobilbauer illustriert dies an einem Rechenbeispiel. Erreicht der Audi R8 LMS eine Geschwindigkeit von zweihundert Kilometer pro Stunde, ergibt dies einen Luftdurchsatz von 250 Litern pro Sekunde. Eine Vergrößerung der Kühlfläche des Wasserkühlers trägt wiederum hohen Außentemperaturen Rechnung.

Schlussendlich drängt sich allerdings die Frage auf, wann sich Audi mit seinem Gefährt dem Wettkampf mit der Konkurrenz stellt. Eine definitive Zusage erteilte der Hersteller aus Süddeutschland den Organisatoren der 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa-Francorchamps. Ob Audi weitere Veranstaltungen zur Vorbereitung bestreitet, beantwortete das Werksgespann dagegen nicht. Die Auslieferung an Kunden erfolgt zum Jahresende.