Vergangene Saison kehrte die Traditionsmannschaft Zakspeed zurück ins ADAC GT Masters. Im Interview mit SportsCar-Info gewährt Teamchef Peter Zakowski Einblick in die Arbeitsweise seines Rennstalls, analysiert die gegenwärtigen Entwicklungen und erklärt, warum Exoten keine sinnvolle Alternativen darstellen.
In der letzten Saison kehrte der Traditionsrennstall Zakspeed zurück ins ADAC GT Masters. Nach dem Jahr der Rückkunft baut die Mannschaft aus Niederzissen ihr Engagement gar aus und stemmt den Einsatz zweier Flügeltürer der Marke Mercedes-Benz. Im Interview mit SportsCar-Info gewährt Teamchef Peter Zakowski Einblicke in die Arbeitsweise seiner Truppe und veranschaulicht, warum die „Zeiten der Viper“ und andere Exoten der Vergangenheit angehören.
SportsCar-Info: Zakspeed bestritt im letzten Jahr das Finale der SRO-Sprintserie in Baku. Welche Erfahrungen hat das Team dort gemacht? Ist ein weiterer Gastauftritt in der Serie denkbar?
Peter Zakowski: Wir haben im letzten Jahr relativ spät entschieden, dass wir GT Masters fahren und haben gesagt, dass wir uns auf GT Masters konzentrieren. Deswegen sind wir weder VLN, noch das 24-Stunden-Rennen gefahren. Der Baku-Einsatz ist dadurch entstanden, dass die SRO angefragt hat, wer nach Baku möchte. Für uns war es auch wichtig dort zu fahren. Hinzu kommt, dass wir bereits Pirelli-Reifen testeten, die im GT Masters zum Einsatz kommen. Für dieses Jahr planen wir konkret das GT Masters, Nürburgring 24 und wenn es möglich ist: Spa 24.
SportsCar-Info: Wie sehen Ihre Saisonplanungen für das ADAC GT Masters aus?
Zakowski: Die Verhandlungen mit den Fahrern laufen schon. Luca Ludwig bleibt uns erhalten. In Portimão gibt es vom 1. bis zum 3. Februar einen AMG-Test, dort sind alle Mercedes-Fahrer eingeladen. Nach dem Test wird die letztendliche Fahrerentscheidung getroffen. Bei der Pressemeldung haben wir gesagt, wir müssten ein zweites Auto einsetzen. Denn ein Rennteam mit nur einem Auto ist wirtschaftlich nicht interessant. Wir haben die ganzen Logistikkosten. Für das zweite Auto planen wir ein Auto für die Gentlemen-Wertung, oder man setzt zwei wirklich junge Leute auf ein Auto. Dies ist derzeit auch der Plan.
SportsCar-Info: Warum hat sich Zakspeed für einen zweiten Mercedes-Benz-Sportwagen entschieden? Immerhin hat HTP Motorsport jüngst einen Wechsel von Mercedes-Benz zu Bentley vollzogen. Ist ein Engagement mit einer Viper undenkbar, oder setzt das Team auf bewährte Waffen?
Zakowski: Die Frage stellt sich nicht. Die Zeit der Viper ist einfach vorbei. Nachdem die GT3-Klasse in Europa und der VLN so klar ausgeschrieben ist, macht ein anderes Fahrzeug keinen Sinn. Es macht für ein professionelles Rennteam keinen Sinn, einen Exoten einzusetzen. Es sei denn, es gibt einen Privatier wie Glickenhaus. Da spielt die wirtschaftliche Komponente keine Rolle. Die Leute haben die Leistung der Viper damals nicht gewürdigt, wir haben das Fahrzeug komplett selber entwickelt und uns als kleine Firma gegenüber den Herstellern immer wieder anpassen müssen.
SportsCar-Info: Wie ist die derzeitig Entwicklung im ADAC GT Masters zu bewerten? Hat die Serie das Potenzial, der DTM den Rang abzulaufen?
Zakowski: 2012 hatten wir vierzig Starter. Danach wurde es etwas dünner. Dies lag auch an der Diskussion der BoP, weil es nicht einfach ist, verschiedene Konzepte unter einem Hut zu bekommen. Außerdem kann man genauestens erkennen, dass viele Hersteller die Läufe vor dem 24-Stunden-Rennnen anders bestreiten als danach. Ich habe auch schon dem DMSB vorgeschlagen, dass man Sanktionen erheben muss.
Im letzten Jahr ist Schubert im GT Masters auf den Geraden nicht allzu schnell gefahren, und wir konnten sie problemlos überholen. Auf dem Slovakiaring waren sie dann im Ersten auf der längsten Geraden die Schnellsten. Mit den Spielereien muss jeder klarkommen. Ansonsten ist die BoP immer professioneller geworden. Aber man kann sich auch in der V8-Serie in Australien etwas abgucken. Die haben eine Überwachung des Drehmoments und können dementsprechend reagieren. Die stabilen Starterzahlen sind schon okay – vor allem wenn man über zwanzig Starter hat.
Bei der DTM ist die Marketing-Power der Hersteller enorm. Dies ist im GT Masters nicht so. Dort ist allerdings die Fangemeinde anders. Dies sind noch richtige Fans. Die Leute interessieren sich wirklich für das Produkt, den Fahrer und das Auto. Die Leute können hier bis in die Box gehen. Aber ich war wirklich überrascht über die Zuschauerzahlen. Im Schnitt kamen über zehntausend. Die zahlen waren eigentlich okay.
Ich fühle mich mit dem aktuellen Format sehr wohl. Der Samstag ist ideal. Der Samstag ist auch der Vorteil der VLN, weil die Fans den Sonntag mit der Familie verbringen können. Dies ist wirklich ein großes Plus.
SportsCar-Info: Wie funktioniert eigentlich ein Rennstall aus ökonomischer Perspektive generell? Verfolgt man das Ziel, mit diesem Unternehmen Gewinne zu erzielen – in welcher Form auch immer. Oder geht es darum, die Marke selbst zu vermarkten?
Zakowski: Die Rennserien funktionieren bis auf zwei Serien gleich. Man bezahlt Nenngeld und Startgeld und ist gewissen Restriktionen des Veranstalters unterlegen. Die Formel 1 hat als Einnahmequelle das Geld von Ecclestone. Merchandising kann man auch nur in entsprechenden Serien mit großem Interesse verkaufen. Hinzu kommen Sponsoren und die Preisgelder. Ein klassisches Team wie wir sucht Sponsoren und versucht, sich darüber zu refinanzieren und gewissen Programme durch Hersteller unterstützt zu bekommen.
Das Thema ist nicht einfach und eine Gratwanderung. Wir haben viele Mäzen, die eine gewisse Summe investieren, aber ohne wirtschaftlichen Aspekt handeln. Man lebt über Sponsoren und Events, die man veranstaltet. Das GT Masters ist deshalb wichtig, weil es eine Liveübertragung gibt. Dazu kommen die Taxifahrten, die wir den Leuten anbieten. Die Sponsoren geben uns jederzeit eine positive Rückmeldung.
SportsCar-Info: Wie gestaltet sich die Suche nach Sponsoren? Sicherlich profitiert Zakspeed auch von einem großen Namen. Kommen Sponsoren auf die Mannschaft zu, oder müsst ihr euch intensiv um die Finanzierung kümmern?
Zakowski: Du hast heute nicht die Leute, die von sich aus kommen und in den Motorsport einsteigen wollen. Grundsätzlich müssen die Leute eine Schwäche für Motorsport haben. Dann muss man auf die Leute zugehen und ansprechen. Dies basiert auch auf bestehenden Kontakten. Man muss den Leuten das Thema näherbringen. Das Branding auf dem Auto wird überbewertet und dient nur der Identifikation.
Wir verkaufen heutzutage alles als ein Event – beispielsweise, indem wir die Sponsoren zu den Rennen einladen. Dennoch besteht eine gewisse Schwierigkeit, dass sich die Leute damit identifizieren. Viele Fahrer kommen an und bringen einen Sponsor mit. Dies macht es natürlich leichter. Im Motorsport ist es allerdings nicht besonders aussagekräftig, ob man eine Meisterschaft gewinnt. Das ist noch lange keine Garantie für einen Startplatz für die nächste Saison. Dies ist in Sportarten wie Fußball anders.
In Deutschland muss man das alles einheitlich sehen. Veranstalter, Rennstrecke, Fahrer und Team kochen teilweise ihr eigenes Süppchen. Diese Parameter müssen ineinanderlaufen. In Amerika sind Rennstrecke, Organisator und Team miteinander verschmolzen. Es kann nicht funktionieren, wenn die Kluft zwischen arm und reich immer größer wird. Was hat ein Rennteam davon, dass 200 000 Zuschauer am Ring sind? Wir müssen trotzdem unser Geld bezahlen.
Die Rennteams müssen irgendwie gucken, dass es funktioniert. Aber bei diesem Geschäftsmodell profitiert noch längst nicht jeder. Preis- und Startgelder sind im Motorsport völlig aus der Mode gekommen. Früher haben die Veranstalter mit vernünftigen Preisgeldern gelockt. Daher war der Anreiz größer. Viele Sportarten leiden auch unter einem großen Freizeitangebot, dass heute im Gegensatz zu früher gegeben ist.
SportsCar-Info: Kürzlich hat das Team Zakspeed ein Buch veröffentlicht, welches sich mit der Historie des Rennstalls beschäftigt. Wie viele Stunden habt ihr in dieses Vorhaben investiert? Zumal unzählige Dokumente aus dem Archiv gesichtet wurden. War es auch besonders wichtig, die Geschichte schriftlich festzuhalten?
Zakowski: Es sind viele an uns herangetreten und wollten bereits ein Buch schreiben. Bisher haben wir aber immer jedes Thema abgelehnt, weil es jemand mit Herz machen sollte. Somit sind wir mit Christian (Anm. d. Red.: Reinsch) überein gekommen. Christian hat über zwei Jahre Arbeit investiert. Wir waren selbst überrascht, wie viel in unserer Historie passiert ist.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.