NOS Permit: Der richtige Weg oder sinnloser Verwaltungsakt?

Die neue Zusatzlizenz des DMSB für die Nordschleife birgt reichlich Zündstoff. Während die einen den Weg des Verbands begrüßen, weil etwas für die Sicherheit auf der schönsten Rennstrecke der Welt getan wird, halten andere den Erlaubnisschein für sinnfreie Geldverschwendung.

Die neue Zusatzlizenz des DMSB für die Nordschleife birgt reichlich Zündstoff. Während die einen den Weg des Verbands begrüßen, weil etwas für die Sicherheit auf der schönsten Rennstrecke der Welt getan wird, halten andere den Erlaubnisschein für sinnfreie Geldverschwendung.

Wer ab der kommenden Saison in der VLN-Langstreckenmeisterschaft oder beim 24-Stunden-Rennen starten möchte, benötigt dazu neben einer ohnehin erforderlichen Renn-Lizenz einen zusätzlichen Erlaubnisschein des DMSB. Dieser sogenannte „DMSB Permit Nordschleife“ ist zweistufig und die Vergabe ist an bestimmte Bedingungen gebunden.

Grob gesagt, muss jeder, der an den Rennen teilnehmen möchte, entweder eine gewisse Rennerfahrung auf dem Eifelkurs nachweisen oder einen speziellen Nordschleifen-Lehrgang besuchen. Zudem ist es durch das zweistufige System nicht mehr möglich, als blutiger Anfänger sein Limit auf den leistungsstärksten Rennwagen von oben zu erforschen.

Auf die Frage, ob dieser Weg des DMSB der richtige sein, antwortet Ulli Andree im Gespräch mit SportsCar-Info: „Es geht am Ende um unser aller Sicherheit – Marshals, Zuschauer, Fotografen, Piloten. Daher ist der Permit erst mal richtig. Punkt.“ Der VLN-Meister von 2012 hat zwei Berührungspunkte mit der neuen Regelung. Zum einen als Fahrer, zum anderen wird er als Instruktor im Auftrag des DMSB bei den Nordschleifen-Lehrgängen unterrichten.

Das etwas für die Sicherheit auf der Strecke unternommen werden musste, war eine der großen Forderungen des vergangenen Jahres. Das sieht Andree genauso: „Die Schere der richtig schnellen Autos und der sogenannten kleinen Klassen geht in Sachen Rundenzeiten mittlerweile deutlich auseinander. Das heißt nicht, dass zum Beispiel in den V-Klassen kein Gas gegeben wird. Im Gegenteil. Ich habe dies ja 2014 im Toyota GT86 von TMG erlebt: Da wird RICHTIG fliegengelassen.“

Andree: „Beginn einer Entwicklung“

„Dennoch: Mangels Leistung und Downforce ist ein V-Auto naturgemäß signifikant langsamer als ein GT3 oder auch unser TT RS, mit dem wir mittlerweile auch schon in 8:27 Minuten um die VLN-Streckenvariante gefahren sind. Das war vor einigen Jahren noch gesamtsiegfähig und bei entsprechendem Wetter und einem Null-Fehler-Job kann es mit dem Auto aufs Podium gehen, wir waren schon knapp dran.“

Allerdings sei der Permit nur der Start einer Entwicklung: „Ich denke auch, man muss diesen Schritt des DMSB als den Beginn einer Entwicklung betrachten. Aber um zu wissen, was man besser machen kann, muss ich erst mal ein Konzept in der Praxis umsetzen und dann nach einer Phase X analysieren, gegebenenfalls anpassen und natürlich weiterentwickeln.“

Auf der anderen Seite sieht auch Andree aber noch Lücken im Geflecht der Gesetzgebung: „Was machst du mit den wirklich alten Ringhasen, die schon um die Nordschleife gefahren sind, als unsereins noch keinen Führerschein, geschweige denn eine Rennlizenz hatte? Was soll ich einem Nippel Grohs in einem Nordschleifenlehrgang beibringen?“

Dasselbe Thema sprach auch kürzlich Artur Deutgen an. Als einer der alten Hasen auf dem Eifel-Parcours machte er sich ernsthaft Sorgen, ob er noch einmal die Schulbank drücken muss, um die Zulassung zu erlangen. Für die Routiniers hat der DMSB aber eine Sonderregelung geschaffen und Deutgen hat inzwischen seine Erlaubnis. Er bezweifelt aber die Wirkung der Regelung und beklagt den Kostenfaktor, der nun zusätzlich entstanden ist. Zudem fragt er: „Warum kostet Stufe A mehr als Stufe B?“

Wird ein Tageskurs dem Anspruch der Nordschleife gerecht?

Andere befürchten, ein einzelner Lehrgang könne auf der Nordschleife sicher nicht alles abdecken, was im Rennen auf einen Fahrer zu kommt. Immerhin gibt es gleichzeitig mehrere Dinge zu beachten. Wo kann man überholen, wo überholen lassen? Welche Linie ist die Beste im Regen oder wo sind gefährliche Bodenwellen? Zudem ist der Weg in die großen Klassen immer noch recht kurz.

Mit einer Internationalen C-Lizenz, die man schließlich überall auf der Welt erwerben kann, können theoretisch Fahrer, welche die Eifel nur von Bildern her kennen, nach einem Lehrgang und drei Rennen in einer kleinen Klasse sofort in der Top-Klasse starten. Das klingt zunächst mal danach, dass weiterhin auch recht unerfahrene Piloten mit den schnellsten Wagen unterwegs sein werden.

Aber ein erster Schritt ist gemacht und weitere werden folgen. Eins bleibt dabei sicher: Es wird bei jeder Veränderung Gegner geben. Trotzdem sind sich in einem Punkt sicher alle einig: Es musste etwas geändert werden. Unfälle, Rennabbrüche oder schlimmeres hat keiner der Beteiligten auf dem Wunschzettel.


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