Krönt Toyota seine phänomenale Saison mit einem weiteren Erfolg in São Paulo? Oder gelingt dem entthronten Vorjahresmeister Audi ein würdiger Abschluss? Porsche hofft nach wie vor auf den ersten Sieg in der Langstrecken-WM. Die Konstellation vor der letzten Begegnung im Autódromo José Carlos Pace.
Obwohl beim Finale der Langstrecken-WM weiterhin eine Titelentscheidung aussteht, wetteifern die Konstrukteur an diesem Wochenende faktisch nur um den Tagessieg in São Paulo. Als Weltmeister in spe ergibt sich für Toyota daher die Möglichkeit, eine formidable Saison mit einem abermaligen Erfolg zu krönen. Audi trachtet hingegen nach einem würdigen Abschluss des Jahres. Und Porsche wartet noch auf den ersten Triumph seit seiner Rückkehr ins Sportwagen-Oberhaus.
Nach dem Intermezzo beim vorletzten Lauf in Manama berücksichtigt Toyota nichtsdestoweniger sämtliche Eventualitäten, ehe die TMG-Truppe die Meisterschale in den Händen hält. „Unser Aufgabe in Brasilien ist klar: Wir wollen die Hersteller-Weltmeisterschaft gewinnen“, formuliert Teamchef Yoshiaki Kinoshita die Zielsetzung. „Wir sind in einer sehr guten Ausgangslage, aber bis die Zielflagge in Brasilien gefallen ist, können wir nichts als gegeben voraussetzen.“
Bereits beim WM-Erstauftritt in der lateinamerikanischen Metropole errang Toyota einen historischen Erfolg: den ersten WM-Triumph seit einundzwanzig Jahren. „Interlagos kam uns in der Vergangenheit als Strecke entgegen“, merkt Kinoshita darum an. „Ich hoffe, dass wir am Sonntagabend erneut etwas zu feiern haben werden. Doch bevor wir daran auch nur denken, heißt es, alles zu geben und, wie sonst auch, ein starkes Rennen zu zeigen.“
Drei Faktoren: Fahrerisches Können, Asphaltbelag und Regen
Allerdings tritt Toyota neuerlich nicht mit seiner Stammbesatzung an. Denn das Auswärtige Amt hat Kazuki Nakajima kein Visum erteilt. Folglich nimmt Reservepilot Mike Conway auch im Autódromo José Carlos Pace dessen Platz im Interieur des Hybridsportwagen ein – an der Seite von Alexander Wurz und Stéphane Sarrazin. Das zweite Gespann formiert sich weiterhin aus Anthony Davidson und Sébastien Buemi.
Konterpart Audi ist wiederum im Begriff, seinen Status als Branchenprimus einzubüßen – obgleich der sieggewohnte Konstrukteur aus dem Süden Deutschlands den wichtigen Erfolg in Le Mans davontrug. Zwar verbucht Joest Racing bei der Endrunde in Interlagos noch mathematische Chancen, seinen Weltmeistertitel in der Herstellerwertung zu verteidigen. In der Realität entpuppt sich dies jedoch als aussichtsloses Unterfangen.
Folglich fokussiert sich die Delegation aus Ingolstadt primär auf einen Einzelerfolg beim Finallauf. Die Chefetage erörtert daher drei verschiedene Aspekte, die in São Paulo zum Tragen kommen. „Natürlich ist es eine klassische Fahrerstrecke, auf die sich unsere Piloten schon sehr freuen“, erklärt Einsatzleiter Chris Reinke. „Die Strecke hat seit Kurzem einen neuen Belag, dessen Grip-Verhältnisse wir alle noch nicht kennen. Das Rennen wird außerdem in einer Jahreszeit ausgetragen, in der es ein relativ großes Regenrisiko gibt.“
Porsche hofft auf auf Siegchance
Angesichts des positiven Ausgangs im Vorjahr tritt Audi außerdem selbstbewusst auf. „Wir kommen gern nach Brasilien zurück, nicht zuletzt, weil wir dort vor einem Jahr einen Erfolg gefeiert haben“, meint Motorsportchef Doktor Wolfgang Ullrich. „Wir müssen aber davon ausgehen, dass es für uns unter dem aktuellen Reglement deutlich schwieriger wird als in der vergangenen Saison.“
Nachdem die Lernkurve bei Konzernschwester Porsche bis dato stetig anstieg, hegt die Weissacher Traditionsmarke nach wie vor die Hoffnung, schlussendlich die oberste Stufe des Stockerls zu erklimmen. „Wir haben aus jeder neuen Situation gelernt und versuchen alles, um den Erfahrungsvorsprung der Konkurrenz auszugleichen“, resümiert Einsatzleiter Fritz Enzinger. „Sollte sich beim Finale in Brasilien doch noch eine kleine Chance ergeben, die nächste und letzte Stufe auf dem Podium zu erklimmen, wollen wir parat sein.“
Nichtsdestoweniger zieht Porsche bereits zum jetzigen Zeitpunkt ein positives Fazit. „Drei Polepositions und fünf Podestplätze mit einem derart komplexen Rennwagen dieser Leistungsklasse – das kann sich sehen lassen“, kehrt Enzinger hervor. „Für die Zukunft noch viel wichtiger: Dass wir uns bei jedem Einsatz steigern konnten zeigt, dass die Strukturen stimmen. Sowohl hinsichtlich des technischen Konzepts als auch bei der Fahrerbesetzung und bezüglich der operativen Abläufe in einer zusammengewachsenen Mannschaft.“

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