Nordschleifen-Zusatzlizenz: Kostenträchtig oder zielführend?

Die DMSB-Zusatzlizenz für die Nürburgring-Nordschleife provoziert eine kontroverse Diskussion. Erweist sich diese Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit tatsächlich als zielführend? Oder belastet der Motorsportbund damit lediglich das Budget der Fahrer? Die Reaktionen sind zwiespältig.

Die DMSB-Zusatzlizenz für die Nürburgring-Nordschleife provoziert eine kontroverse Diskussion. Erweist sich diese Maßnahme zur Erhöhung der Sicherheit tatsächlich als zielführend? Oder belastet der Motorsportbund damit lediglich das Budget der Fahrer? Die Reaktionen sind zwiespältig.

Die anhaltende Sicherheitsdebatte drängte den DMSB letzten Endes zu einer Intervention: Um die Gefahren auf der Nürburgring-Nordschleife zu minimieren, führt der Motorsportbund daher neben einer Kartei für Gelbsünder auch eine zweistufige Zusatzlizenz für den Traditionskurs in der Vulkaneifel ein. Aber bewirkt diese Maßnahme das angestrebte Resultat? Die Reaktionen im Fahrerlager sind ambivalent.

Bringt die Nordschleifen-Lizenz lediglich eine kostenträchtige Bürokratie hervor? Oder erweist sich diese Maßnahme als probates Mittel, um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten – oder zumindest zu erhöhen? Lediglich über eine Tatsache herrscht gegenwärtig Einigkeit: Die Vorkommnisse im bisherigen Verlauf der VLN-Langstreckenmeisterschaft und beim 24-Stunden-Rennen erfordern fraglos Konsequenzen.

Schließlich dominierte ein Thema die Diskussionen während der letzten Monate: die rabiate Fahrweise und schwere Unfälle auf der Nürburgring-Nordschleife. Die grundsätzliche Intention ist daher offensichtlich. Ehe sich Novizen dem Wettbewerb auf dem zwanzig Kilometer messenden Asphaltstreifen stellen, müssen sie sich zunächst adäquat auf ihren Einsatz vorbereiten. Es erfolgt daher eine Kategorisierung nach Leistungsgewicht.

Zum Erwerb einer B-Lizenz – für Fahrzeuge mit über viereinhalb Kilogramm pro Pferdestärke – muss der Athlet zunächst drei RCN-Leistungsprüfungen absolvieren und sich unter den besten fünfzig Prozent klassieren. Voraussetzung: der Besitz einer nationalen A-Lizenz. Wer wiederum über eine internationale C-Lizenz verfügt, hat die Wahl zwischen den RCN-Teilnahmen oder einem zusätzlichen Lehrgang für die Nürburgring-Nordschleife.

Gefährdet die Zusatzlizenz den Breitensport?

Um anschließend eine A-Zulassung zu erhalten, muss der Pilot innerhalb eines Jahres drei VLN-Rennen beenden und siebzehn Runden unter Wettbewerbsbedingungen nachweisen. Auf diesem Wege erlangen die Fahrer im Idealfall die notwendige Routine. „Du brauchst mittlerweile Vorbereitung, wenn du aus dem Nichts einsteigst“, befürwortet SportsCar-Info-Kolumnist Moritz Kranz diese Neuerung. „Das ist einfach Fakt.“ 

Nichtsdestoweniger erweist sich die DMSB-Zusatzlizenz als janusköpfige Angelegenheit. „Problematisch wird es, wenn es auf dem Rücken der Kleinen ausgetragen wird“, fügt Kranz hinzu. Denn Motorsport ist ohnehin eine kostenintensive Aktivität und weitere Ausgaben belasten das Budget zusätzlich. Zumal die Veranstaltergemeinschaft der VLN stet den Status als Breitensports hervorkehrt. Entfernt sich die Langstreckenmeisterschaft somit nochmals von dieser Philosophie?

Zudem stellt sich in diesem Zusammenhang eine andere unangenehme Frage: Wurzelt das Gewirr auf der Nürburgring-Nordschleife tatsächlich in der fehlenden Erfahrung der Protagonisten? Oder tragen die Profis ihrerseits mit einer Va-banque-Vorgehensweise gleichermaßen Verantwortung für die Missstände auf dem Rundkurs am Fuße der Nürburg? Auch bei dieser Debatte sind sich die Akteure gleichermaßen uneins.

Überdies attestiert solche eine Extralizenz zwar formell die erforderlichen Fähigkeiten für die Nordschleife, garantiert diese aber nicht zwangsläufig. „Wenn man einmal die VLN und das 24-Stunden-Qualifikationsrennen bestreitet, dazu den Kurs (Anm. d. Red.: Lizenzlehrgang), dann bekommt man die Lizenz“, merkt Lars Jürgen Zander, Fahrer bei Sorg Rennsport, kritisch an. „Egal, wie man abgeschnitten hat.“


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