Die Wortwahl wird harsch und polemisch. „Der Karneval am Nürburgring mit der VLN ist unprofessionell“, wettert „Don Stephano“ nach dem fünften Saisonrennen. Klaus Landgraf moniert: „Dieses Schauspiel der vermeintlichen Macht war eine Blamage.“ Zugleich erörtern andere Fahrer die Problematik der Doppelgelb-Regelung.
Im Porsche-Lager der VLN-Langstreckenmeisterschaft herrscht verdrießliche Stimmung nach dem fünften Saisonlauf. Angesichts der Organisation beim Reinoldus-Langstreckenrennen äußern die Fahrer und Teamchefs zunehmend harschere, stellenweise polemische Kritik. „Der Karneval am Nürburgring mit der VLN ist unprofessionell“, wettert „Don Stephano“, der einen Neunelfer für Car Collection Motorsport pilotiert.
Nach der Qualifikation ahndeten die Sportkommissare über fünfzig Verstöße unter Doppelgelb, wodurch sich der Start um zwei Stunden verzögerte. „Heute wurde sich im Breitensport ausgetobt und nicht bei den Werken, bei denen es angebracht wäre“, kritisierte Stephano am Samstag und kehrte seine Geschäftsbeziehung zur VLN hervor. „Mit diesem harten Durchgreifen sind heute die falschen Leute bestraft worden. Die VLN sollte sich als Dienstleister verstehen: Wir sind Kunden, und so geht man mit Kunden nicht um.“
Sein Teamchef Peter Schmidt pflichtet ihm bei. Die Entwicklung auf der Nürburgring-Nordschleife sei „eine Katastrophe“, die Code-60-Regel werde wiederum „völlig falsch“ umgesetzt. „Die Leute zwei Stunden warten zu lassen, um Gelbverstöße auszuwerten, finde ich unmöglich“, macht sich Schmidt Luft und problematisiert das Konzept der doppelt gelb geschwenkten Fahnen. „Die Differenz dieser Geschwindigkeit zu der des Rennbetriebs ist viel zu hoch.“
Klaus Landgraf: „Dieses Schauspiel der vermeintlichen Macht war eine Blamage“
Dennoch stellt Schmidt das Prinzip der Code-60-Zonen per se nicht in Frage, sondern bemängelt dessen Umsetzung. „Sinn von Code 60 ist, die Marshalls zu schützen, die bei der Bergung eines verunfallten Fahrzeugs auf die Strecke müssen“, fügt Schmidt seinen Ausführungen hinzu. „Und nicht, bei jedem am Rand stehenden Fahrzeug oder jedem kleineren Vorfall eine für von hinten im Renntempo ankommende Teilnehmer lebensgefährliche Blockade zu errichten.“
Die Markenkollegen von Landgrad Motorsport ziehen gar einen Rückzug in Betracht. „Weder diskutiere, noch verbringe ich mit solchen Leuten meine Freizeit“, erzürnt sich Teamchef Klaus Landgraf. „In den nächsten Wochen, werden wir entscheiden, ob diese Serie weiterhin sinnvoll für unser Team ist. Alternativen gibt es reichlich. Dieses Schauspiel der vermeintlichen Macht einer Rennleitung beim fünften VLN-Lauf war eine Blamage für diese Breitensportserie.“
Die Ferrari-Mitstreiter von GT Corse vertreten einen ähnlichen Standpunkt. „Das Vorgehen der Rennleitung am Samstag halte ich für fragwürdig“, meint Teamchef Danny Pfeil. „Das System mit Doppelgelb will man mit aller Macht durchsetzen, was ein unmögliches Unterfangen ist. Stundenlang wird über Bestrafungen diskutiert, das Rennen dadurch verspätet gestartet und verkürzt. Die VLN-Verantwortlichen sollten sich überlegen, ob solches Vorgehen wirklich zur Sicherung der über zwanzig Jahre lang aufgebauten Marke VLN nutzt.“
Problematik: Doppelgelb ohne Vorwarnung
Andernorts erörtern die Beteiligten wiederum die Gründe der Vorkommnisse im Zeitfahren. Schließlich missachtete offenbar ein Drittel des Teilnehmerfeldes die Doppelgelb-Warnungen im Abschnitt Flugplatz. Welche Gegebenheiten bedingten diesen alarmierenden Zahlen? SportsCar-Info-Kolumnist Moritz Kranz räumt einerseits seinen Lapsus ein, analysiert aber zugleich die Problematik der Code-60-Regelung.
Oftmals schwenken die Sportwarte ohne Vorwarnung Doppelgelb, weshalb die Athleten womöglich nicht in der Lage sind, die Geschwindigkeit rechtzeitig zu drosseln. „Klar, die bestraften Fahrer haben einen Fehler gemacht, aber manchmal machen es die Umstände auch sehr schwer“, merkt Kranz an und führt ein Beispiel im Kesselchen an. „Gerade im dritten Linksknick noch jemanden innen überholt, über die Kuppe auf die letzte Links zu und aus dem nichts Doppelgelb. Vorwarnung gab es keine.“
Ebendiese plötzlichen Flaggensignale erachtet Kranz, der einen Porsche Cayman für PROsport Performance steuert, als Problem, welches zu solch einer frappierenden Anzahl von Bestrafungen führt. „In diesem Fall hat sich wirklich nur ein paar Sekunden vorher ein Fahrzeug im letzten Linksknick zerlegt und Doppelgelb war schneller draußen als Einzelgelb, um Doppelgelb einzuleiten“, schildert Kranz die Situation.

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