Die Porsche-919-Mannschaft hatte im Rennen zu kämpfen. Nachdem Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani in der Anfangsphase des Rennens führten, warfen mehrere Probleme das Trio auf den vierten Platz zurück. Den Schwesterwagen erwischte es bereits früh im Rennen. Die Stimmen nach dem Rennen.
Platz vier für Marc Lieb, Romain Dumas und Neel Jani. Timo Bernhard, Marc Webber und Brendon Hartley landeten auf dem 23. Rang. Das Ergebnis für Porsche ist nach dem Sechs-Stunden-Rennen in Spa recht mager ausgefallen. Dabei hatte der Wettstreit für die Zuffenhausener Werksmannschaft verheißungsvoll begonnen.
Jani konnten nach dem Start die Poleposition behaupten und führte das Rennen im ersten Abschnitt sicher an. Ab der Rennmitte schlich sich aber der Defektteufel in den Prototypen ein und Dumas, der inzwischen übernommen hatte fiel bis auf den vierten Platz zurück. Bevor gegen Ende des Rennens ein schleichender Plattfuß wertvolle Zeit kostete, musste der Franzose im Cockpit des 919 Hybrid mit einem Elektronikproblem kämpfen.
Eine Fehlalarm hatte das Hybridsystem außer Gefecht gesetzt und Dumas musste es mit einer aufwendigen Neustart-Prozedur wieder zum Leben erwecken. Der Vorgang warf den Porsche schließlich aus den Podiumsrängen.
Hitzinger: „Wir sind sehr konservativ, was die Sicherheit angeht“
„Im Auto 14 hatten wir einen Fehlalarm, der das Hybridsystem ausgeschaltet hat. Romain Dumas musste eine Reaktivierungsprozedur durchführen, die viel Zeit kostete“, erklärt Alexander Hitzinger, Technischer LMP1-Direktor. „Wir sind sehr konservativ, was die Sicherheit rund um das Hybridsystem angeht – da kann so etwas passieren. Da müssen wir jetzt noch ein paar Hausaufgaben erledigen.“
Den Schwesterwagen erwischte es noch doller. Bernhard, Hartley und Webber verbesserten sich zunächst vom fünften auf den dritten Platz im Rennen. Dann musste der Porsche aber schon früh in die Box. Ein Problem an der Hinterachsfederung musste gelöst werden. Überhaupt machten die beiden 919 Hybrid einen wenig stabilen Eindruck im Heckbereich. In fast jeder Runde setzten die beiden Boliden in der Eau-Rouge-Senke spektakulär und funkensprühend auf. Auch in den engen Kurven hinterließen die Konkurrenten einen sichereren Eindruck.
Probleme an den vorderen Antriebswellen warfen die Nummer 20 schließlich an das Ende des Feldes. Technik-Chef Hitzinger ist dadurch aber nicht beunruhigt: „Wir wussten, dass dies ein kritischer Punkt ist. Aus diesem Grunde können wir bereits bei den nächsten Testfahrten und in Le Mans auf verstärkte Teile zugreifen. Wir waren im Qualifying und im Rennen schnell unterwegs und haben beide Autos ins Ziel gebracht – das war für uns hier das wichtigste.“
Obwohl der Porsche etwas unstabil wirkte, war er über weite Strecken das schnellste Auto im Feld. Marc Lieb gelang in der Qualifikation die schnellste Zeit des Wochenendes und immerhin kamen beide Boliden ins Ziel, sodass die junge Mannschaft viel im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt an der Sarthe lernen konnte.
Stimmen nach dem Rennen
Marc Lieb: „Mein Stint verlief zwar vergleichsweise ruhig und ohne Zwischenfälle, war aber trotzdem schwierig. Ich konnte die Pace des vor mir liegenden Autos nicht mitgehen. Aber ich habe wieder viel gelernt – zum Beispiel, wie ich die Reifen schonen kann, um sie über einen Doppelstint zu bringen.“
Neel Jani: „Ich wusste, dass es für mich heikel wird, Platz eins nach dem Start zu verteidigen. In La Source musste ich wirklich kämpfen, und durch die Eau Rouge ging es auch nicht ohne Risiko. Mit dem ersten Reifensatz konnte ich alles geben und einen guten Vorsprung herausfahren. Mit dem zweiten Satz habe ich immerhin die Führung verteidigt. Ich denke, in Silverstone waren wir im Qualifying okay, im Rennen ist unser Auto leider ausgefallen.“
Romain Dumas: „Ich bin froh, meine ersten Rennrunden im Porsche 919 Hybrid gefahren zu sein. Leider trat ein Elektrikproblem auf, als ich das Auto gerade übernommen hatte. Das kostete uns eine Runde. Ich habe nur einen Tank leergefahren, bevor ich das Auto wieder an Neel übergeben habe. Es war uns klar, dass wir nicht zweieinhalb Tankfüllungen mit einem Satz Reifen bestreiten können – aber anderthalb, um dann am Ende mit einem kurzen Tankstopp ohne Reifen- und Fahrerwechsel davonzukommen.“
Timo Bernhard: „Direkt beim Start wurde ich etwas eingeklemmt, aber ich konnte mich in der ersten Runde an einem Toyota und einem Audi vorbei von Platz fünf auf drei verbessern. Dann hat sich das Auto plötzlich sehr seltsam angefühlt, ich bin sofort an die Box. Das war nach nur neun Runden. Wir haben den Defekt repariert, und ich bin mit einem Satz Reifen einen Doppelstint über fast 50 Runden gefahren. Das war schwierig. Leider haben sich später die Probleme an unserem Auto fortgesetzt.“
Mark Webber: „Trotz der Probleme mit unserem Auto haben wir nie aufgehört zu kämpfen und das Beste aus der Situation gemacht. Das Auto läuft runder jetzt, aber wir konnten sein volles Potenzial nicht abrufen. Das Team kniet sich mächtig rein und lernt sehr schnell. Unsere Schnelligkeit im Rennen war ermunternd. Jetzt müssen wir noch die Kinderkrankheiten kurieren, die für so ein junges Programm einfach normal sind. Wir wussten, dass uns Spa besser liegen wird als Silverstone. Dort waren wir nicht konkurrenzfähig, hier schon.“
Andreas Seidl (LMP1-Teamchef): „Das war ein Wochenende mit vielen positiven Momenten – zum Beispiel das Qualifying und unsere Rundenzeiten im Rennen. Aber wir haben heute auch gesehen, dass uns an der einen oder anderen Ecke noch etwas fehlt. Trotzdem: Im Rennen waren wir auf dem Niveau unserer Konkurrenten unterwegs. In der Summe konnten wir wieder viel lernen und das ganze Team hat konzentriert gearbeitet und abermals einen tollen Job gemacht. Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Le Mans.“

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