Silverstone: Auftakt zum Dreikampf der Hersteller

In Silverstone startet die Langstrecken-WM mit drei Herstellern in eine neue Ära der Effizienz. Kann Porsche nach Jahren der Absenz Branchenprimus Audi die Führungsrolle entwinden? Oder verteidigen die amtierenden Weltmeister ihren Titel? Und welche Rolle spielt Toyota? Außenseiter oder Geheimfavorit?

In Silverstone startet die Langstrecken-WM mit drei Herstellern in eine neue Ära der Effizienz. Kann Porsche nach Jahren der Absenz Branchenprimus Audi die Führungsrolle entwinden? Oder verteidigen die amtierenden Weltmeister ihren Titel? Und welche Rolle spielt Toyota? Außenseiter oder Geheimfavorit?

Das Sechs-Stunden-Rennen von Silverstone eröffnet an diesem Wochenende den Wettlauf der Technologien im Sportwagen-Oberhaus. In der kommenden Saison stellen drei Hersteller ihre Hybridkonzepte auf die Probe und wetteifern um die Krone der Langstrecken-WM. Zugleich fordert Porsche in der Grafschaft Northamptonshire erstmals Branchenprimus Audi sowie Konkurrent Toyota unter Wettbewerbsbedingungen heraus.

Somit kehrt Porsche nach über einer Dekade Absenz werksseitig in die Spitzenklasse des Langstreckensports zurück. „Die Zeit seit der Verkündung von Porsche, wieder in die Langstrecken-Weltmeisterschaft einzusteigen, ist wie im Flug vergangen“, resümiert LMP1-Leiter Fritz Enziger die vergangenen zweieinhalb Jahre. „Das war am 30. Juni 2011. Aber jetzt wird es wirklich Zeit, dass wir endlich Rennen fahren und sehen, wo wir stehen.“

Obwohl Porsche beim Prolog in Le Castellet bereits eine überlegene Bestzeit erzielte und in puncto Höchstgeschwindigkeit überragte, formuliert der Zuffenhausener Traditionshersteller keine ambitionierten Ziele für das Debüt. „Das Wichtigste für den ersten Renneinsatz des 919 Hybrid ist, dass wir in Silverstone ins Ziel kommen“, stapelt Enzinger tief. „Beim Testen sind wir schon mehrmals sechs Stunden am Stück gefahren, aber Rennbetrieb ist immer eine besondere Herausforderung.“ 

Zumal die Rundenzeiten in der Provence nur bedingt Rückschlüsse auf das Kräfteverhältnis zulassen. Ferner weist das neue ACO-Reglement der Effizienz eine elementare Funktion zu, weshalb Leistung allein nicht genügt, um sich gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Denn die verfügbare Energiemenge pro Runde ist künftig begrenzt. „Alles ist neu und anders. Wir müssen sehr fokussiert arbeiten. 2014 sind die intelligentesten Fahrer und Teams gefordert“, weiß Werksfahrer Romain Dumas.

Die alten Fotostrecken sind leider nicht mehr verfügbar.

Für das Engagement in der Le-Mans-Königsklasse hat sich Porsche darüber hinaus prominente Unterstützung gesichert. Der ehemalige Formel-1-Fahrer Mark Webber verstärkt das Aufgebot. „Bei der Hybridtechnologie dreht sich alles um Effizienz und Leistung, beides liegt ohnehin in den Genen von Porsche“, meint der Australier. Doch ist Porsche tatsächlich imstande, der Konzernschwester die Führungsrolle im Sportwagen-Geschäft zu entwinden?

Audi – Branchenprimus und Titelverteidiger

Die amtierenden Weltmeister aus Ingolstadt sind willens, ihre Erfolgsserie in der Le-Mans-Szene fortzuführen. „Wir treffen auf zwei sehr ernst zu nehmende Mitstreiter“, räumt LMP-Leiter Chris Reinke nichtsdestoweniger ein. „Damit steigt das Niveau des Wettbewerbs, dem wir uns gern stellen. Unser Ziel ist es, mit einem Sieg in die neue Saison zu starten.“ Audi war bereits in den letzten beiden Jahre auf dem Silverstone Circuit siegreich. 

Einen Malus muss Audi allerdings schon zu Saisonbeginn akzeptieren. Nach der Einstellfahrt auf dem Paul Ricard HTTT haben ACO und FIA die Zuweisungen der Treibstoffmengen in Abhängigkeit der Rekuperationsenergie korrigiert. Demnach haben die Regelhüter die Durchflussmenge des Kraftstoffes beim Audi-Prototyp reduziert. Darüber hinaus wurde das Tankvolumen um einen halben Liter vermindert und der Durchflussquerschnitt beim Nachtanken verkleinert. 

Die Anpassungen trüben jedoch nicht die Zuversicht im bayrischen Lager. „Die Uhren wurden auf null gestellt“, meint Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen. „Es ist das erste Jahr unter ganz neuen Bedingungen.“ Einsatzkoordinator Reinke spricht gar von einem neuen Zeitalter: „Wir stehen am Beginn einer neuen Epoche. Die neue Ära begründet sich zum einen durch die technischen Herausforderungen mit den Rennwagen, zum anderen durch den starken Wettbewerb.“

Toyota – Außenseiter oder Geheimtipp?

Derweil bezieht Toyota im Pas deu deux des Volkswagen-Konzerns die Position des Außenseiters. Nachdem der Konstrukteur aus Fernost in der zweiten Hälfte seiner Debütsaison Audi regelrecht vorführte, war der TMG-Rennstall im letzten Jahr nicht in der Lage, mit den Herren der Ringe gleichzuziehen. Beim ersten Aufeinandertreffen setzte die Kölner Truppe gelegentlich Akzente, hielt sich aber noch im Hintergrund. 

Wo ist Toyota also in der Hierarchie einzuordnen? Außenseiter oder Geheimtipp? Mit seinem Tausend-PS-Antrieb hat der pazifische Hersteller fraglos ein unkonventionelles Konzept entworfen. „Nach den ausgiebigen Testfahrten vor der Saison gibt uns Silverstone erstmals die Chance zu vergleichen, wie wettbewerbsfähig die jeweiligen Autos untereinander sind“, kommentiert Team-Präsident Yoshiaki Kinoshita. „Das sind spannende Tage und der Moment, dem ich seit Monaten entgegenfiebere, rückt immer näher.“ 

Über seine Zielsetzung äußert sich Toyota dagegen bislang kryptisch. „Unser Team hat extrem hart gearbeitet, um hier bei diesem Rennen gut vorbereitet antreten zu können, und wir glauben in einer guten Ausgangslage zu sein“, mutmaßt Kinoshita. „Wir haben die uns selbst gesetzten Ziele in Sachen Leistung und Zuverlässigkeit erreicht. Jetzt werden wir sehen, wie wir gegenüber der Konkurrenz dastehen.“


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