Shanghai: Audi bezwingt Toyota und verteidigt WM-Titel

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Branchenprimus Audi hat sich in Shanghai den Laufsieg sowie den Fahrertitel der Langstrecken-WM gesichert. Tom Kristensen, Allan McNish und Loïc Duval genügte der Bronzerang, um sich zu den neuen Weltmeistern zu krönen. Die Stallgefährten Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer triumphierten über Toyota.

Audi hat neuerlich die Fahrerwertung der Langstrecken-WM zu seinen Gunsten entschieden. Tom Kristensen, Allan McNish und Loïc Duval genügte ein dritter Platz beim Halbfinale in Shanghai, um sich zu den neuen Sportwagen-Weltmeistern zu küren. Derweil obsiegten die Stallgefährten Marcel Fässler, André Lotterer und Benoît Tréluyer beim vorletzten Saisonrennen, nachdem die Titelverteidiger ihre Gegenspieler von Toyota im Endspurt bezwungen hatten.

In der Tabelle rangieren die Le-Mans-Sieger Kristensen, McNish und Duval nach dem Sechs-Stunden-Rennen in Shanghai 31,75 Punkte vor den Markenkollegen, womit die Meisterschaftsentscheidung bereits vor der Endrunde in Bahrain gefallen ist. „Das ist ein überwältigendes Gefühl in einem großartigen Jahr, in dem wir auch schon zusammen in Le Mans gewonnen haben“, jauchzte Duval nach dem Titelgewinn. „Mehr ist nicht möglich.“

Das Gefecht um den Laufsieg entwickelte sich wiederum zum regelrechten Krimi. Toyota-Schlussmann Alexander Wurz musste zirka eine halbe Stunde vor der Zieleinfahrt einen letzten Tankstopp einlegen, kehrte allerdings mit wenigen Sekunden Vorsprung zurück auf die Piste. Audi-Verfolger Tréluyer manövrierte sich seinerseits behänd durch den Überrundungsverkehr und erstürmte schließlich die Führung.

Damit kreuzte die Audi-Besatzung mit der Startnummer eins die weiße Linie als Siegertrio. „Wir hatten heute Super-Ben im Auto“, würdigte Lotterer den Überholvorgang seines Partners. „Ursprünglich wollte er nur zwei Stints fahren. Doch weil er extrem schnell war, wurden es dann vier.“ Zumal Lotterer selbst in der Anfangsphase außerplanmäßig die Box ansteuern musste, da der Audi-Werksfahrer infolge eines Feindkontaktes mit Toyota-Mitstreiter Anthony Davidson einem Plattfuß zum Opfer fiel.

Wurz über die Niederlage: „That’s racing“

Toyota ging somit abermalig als zweiter Sieger vom Platz, obwohl der Shanghai International Circuit dem pazifischen Prototyp faktisch zupass kam. Bereits in der Qualifikation hatte sich die TMG-Delegation sowohl die Poleposition als auch Startrang drei gesichert. Im Rennen kontrollierte Startpilot Nicolas Lapierre die Ereignisse auf der Strecke, ehe sein Alexander Wurz zum Anbruch der zweiten Rennhälfte mit einem Reifendefekt an die Box hinkte.

Hinfort behaupteten Davidson, Sébastien Buemi und Stéphane Sarrazin die Führungsrolle, bis ein Schaden an der Aufhängung Anderthalbstunden deren Rennen vorzeitig beendete. Im anschließenden Duell zwischen Wurz im verbliebenen Schwesterfahrzeug und Tréluyer musste sich Toyota letztlich gegen Branchenprimus Audi geschlagen geben. Damit erklommen Wurz und Lapierre die zweite Stufe auf dem Stockerl.

Wurz urteilte jedoch sportlich über seine Niederlage. „Wir hatten wegen dem Reifenschaden am Ende die falsche Reifenmischung, denn wir mussten eine Satz mehr als geplant einsetzen“, rapportierte der Österreicher. „Ich hatte gehofft, dass die Asphalt-Temperatur schneller sinken würde, als es dann der Fall war. Mir war klar, dass das ein ziemlich schwieriger Endspurt wird, und tatsächlich gelang es mir nicht, den Audi mit der Nummer eins hinter mir zu halten. That’s racing.“

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Aston Martin erficht Doppelsieg in der GTE-Pro 

Andrea Belicchi, Nicolas Prost und Mathias Beche errangen indessen den vierten Platz im Gesamtklassement für Rebellion-Toyota. In der LMP2-Kategorie triumphierte Delta-ADR über Oak Racing. Das Oreca-Nissan-Gespann Roman Rusinov, John Martin und Mike Conway besiegten die Morgan-Kontrahenten Olivier Pla, David Heinemeier Hansson und Alex Brundle sowie deren Kollegen Bertrand Baguette, Martin Plowman und Ricardo González.

In der GTE-Pro-Wertung zelebrierte die Aston-Martin-Werksmannschaft einen Doppelsieg. Im innerbetrieblichen Wettkampf setzten sich Stefan Mücke und Darren Turner gegen Pedro Lamy, Bruno Senna und Richie Stanaway. Das Porsche-Ensemble Jörg Bergmeister und Patrick Pilet kletterte auf die unterste Podiumsstufe, womit das deutsch-französische Duo die Ferrari-Piloten Gianmaria Bruni und Giancarlo Fisichella auf Position vier verwiesen.

Bei den Amateuren waren drei verschiedene Fabrikate auf dem Podest vertreten. Als Sieger gingen Vicente Potolicchio, Davide Rigon und Rui Águas hervor, welche dem Ferrari-Rennstall 8 Start Motorsports den zweiten Saisonsieg sicherten. Zweite wurden die Porsche-Rivalen Raymond Narac, Jean-Karl Vernay und Markus Palttala in Diensten von IMSA Performance Matmut. Das Podium vervollständigten Jamie Campbell-Walter, Stuart Hall und Jonathan Adam für Aston Martin.

Das Finale der Langstrecken-WM findet am letzten Novemberwochenende im Wüstenstaat Bahrain statt. Ausgenommen der Fahrerwertung sowie der beiden LMP1-Ausschreibungen für Hersteller sowie Privatiers steht die Titelentscheidung in sämtlichen weiteren Kategorien vor dem Gastspiel in Arabien noch aus. Toyota evaluiert derzeit, ob der japanischer Konstrukteur sich Audi nochmals mit zwei Rennwagen stellt.