Nürburgring-Insolvenz: Verkauf hat begonnen

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Der große Ausverkauf am Fuße der Nürburg hat begonnen. Fortan ist es privaten Investoren möglich, den Nürburgring sowie den Erlebnispark zu erwerben. Die GmbH spricht in einem Kommuniqué von einem Neuanfang; die Rennsportgemeinde drückt im Netz dagegen ihre Entrüstung aus.

Am kommenden Pfingstwochenende startet die 41. Auflage des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring. Zugleich hat letzten Mittwoch der Verkauf der Traditionsstrecke in der Eifel begonnen. Die insolvente Nürburgring GmbH inseriert in den nächsten Wochen und Monaten in Tageszeitungen im In- und Ausland, um Käufer für die Rennstrecke sowie den Erlebnispark zu finden.

Künftig können private Investoren den gesamten Komplex oder einzelne Einheiten des Nürburgrings erstehen. Interessenten haben die Möglichkeit, bis zum Sommer ein unverbindliches Angebot zu offerieren – bis Herbst ein verbindliches. Der Verkauf werde entsprechend der EU-Richtlinien transparent durchgeführt. „Wir kommen unserer Verantwortung nach und werden den Verkaufsprozess in Abstimmung mit der EU-Kommission für den Erwerber rechtssicher gestalten“, beteuert Sachwalter Jens Lieser.

Die Nürburgring GmbH unterstreicht in einer Pressemitteilung, inwieweit der Verkauf einen Neuanfang für den Rundkurs in der Eifel bedeute. „Davon profitieren nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Menschen und Unternehmen in der gesamten Region“, betont Insolvenzverwalter Thomas B. Schmidt. Indes bekundet die Rennsportgemeinde im Netz ihren Unmut über die Ereignisse am Nürburgring.

„Der Nürburgring in privater Hand funktioniert nicht und kann nicht funktionieren“, echauffiert sich Dieter Weidenbrück, aktiver Breitensportler, auf seiner Facebook-Seite. „Der Ring ist der Lebensnerv der Region. Niemand greift seinen eigenen Nerv an, auch wenn er ab und an juckt. Jeder weiß, wie wertvoll er ist. Eine private Spielwiese ist kein Nerv der Region mehr. Ob da noch ein Anwohner tolerant wäre? Kaum zu glauben.“ 

„Ja zum Nürburgring“ fordert Verkaufsstopp 

Die Nürburgring GmbH, welche zu 90 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu zehn Prozent dem Landkreis Ahrweiler gehört, ist seit Juli vergangenen Jahres zahlungsunfähig. Daher fasste das Kabinett um den ehemaligen Ministerpräsidenten Kurt Beck den Entschluss, ein Insolvenzverfahren einzuleiten, da eine erhoffte Finanzspritze seitens der EU-Kommission ausblieb. Die rheinland-pfälzische Regierung konnte ihre Zinszahlungen bei der Investitions- und Strukturbank (ISB), welche zuvor Kredite in Höhe von 330 Millionen Euro gewehrte, nicht mehr leisten. 

Derweil forderte die Bewegung „Ja zum Nürburgring“ wiederum den Stopp des Verkaufes: Der Nürburgring und die Nordschleife dürfe nicht in private Hände gelangen, damit insbesondere die Zukunft des Breitensports gesichert werden kann. Daher solle die Rennstrecke nicht Teil des Verkaufsprozesses werden, sondern im Gegensatz zur restlichen Anlage weiterhin seitens der Nürburgring GmbH betrieben werden.

Nachdem das Projekt „Nürburgring 2009“ in einem Desaster endete, wolle sich die Politik jedoch offenbar ihrer hausgemachten Probleme in der Eifel entledigen. „Man wundert sich dort ja wohl schon, dass keiner ernsthaft versucht, den Ring zu retten“, macht sich Dieter Weidenbrück weiter Luft. „Selbst die Insolvenzverwalter haben mehrfach gesagt, dass die Rennstrecken herausgenommen werden können aus dem Verkaufsprozess. Und Mainz schaut weg.“