Audi-Doppelsieg: Ambivalenter Triumph in Florida

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Audi feierte in Daytona einen bittersüßen Doppelerfolg in der GT-Wertung. In einem dramatischen Herzschlagfinale erfocht Filipe Albuquerque den Klassensieg, während Podiumsaspirant Markus Winkelhock mit leerem Tank auf der Zielgeraden strandete. Dennoch: Die Ingolstädter haben somit einen weiteren Meilenstein erreicht.

Eine wichtige Trophäe fehlte noch in der Sammlung des sieggewohnten Konstrukteurs aus Ingolstadt. Doch diesen freien Platz im Pokalschrank konnte Audi am vergangenen Wochenende auffüllen. Denn die Marke mit den vier Ringen zelebrierte bei den 24 Stunden von Daytona einen umkämpften Doppelsieg in der GT-Wertung. Einziger Wermutstropfen in der mustergültigen Bilanz: ein Fahrzeug der Audi-Flotte rollte in aussichtsreicher Position auf der Zielgeraden aus. 

Nichtsdestotrotz hat der süddeutsche Hersteller damit alle traditionsreichen 24-Stunden-Rennen in Europa und Nordamerika gewonnen. Bereits im letzten Jahr reüssierte Audi mit dem GT3-Vorzeigemodell R8 LMS ultra bei den Langstreckenklassikern auf dem Nürburgring, in Spa-Francorchamps und in Zolder. Zudem verbuchten die Herren der Ringe in Le Mans einen historischen Erfolg mit Hybridtechnologie. „Damit führt der R8 Grand-Am in der GT-Klasse in den USA die Erfolgsserie seines GT3-Schwestermodells fort, das in den vergangenen beiden Jahren fünf Gesamtsiege bei europäischen 24-Stunden-Rennen eingefahren hat“, jubiliert Romolo Liebchen, Leiter der Audi-Kundensportabteilung. 

Audi knüpfte beim Saisonstart an der Ostküste Floridas also nahtlos an die Leistung aus dem vergangenen Jahr an. Dabei waren technische Zuverlässigkeit und Konstanz einmal mehr zwei Determinanten, um den Sieg in Daytona Beach zu erringen. Diese Kriterien erfüllte die Audi-Delegation zweifelsfrei. Die neueste Evolutionsstufe des R8-Renners lief trotz der enormen Vollgasanteile auf dem Daytona International Speedway wie ein Uhrwerk. Überdies bot das siegreiche Fahrerquartett von Alex Job Racing eine konstante Vorstellung.

Zitterpartie während der letzten Rennstunde

Edoardo Mortara, Dion von Moltke, Filipe Albuquerque und Oliver Jarvis, die letztlich als Sieger vom Platz gingen, hielten konsequent den Kontakt zur Spitzengruppe. Zeitweise eroberten die AJR-Schützlinge gar die Klassenführung. Lediglich der ein oder andere Fauxpas im Überrundungsverkehr kostete die Mannschaft gelegentlich einige Positionen. So kollidierte DTM-Pilot Mortara infolge eines Drehers mit einem DP-Boliden, woraufhin der italienisch-französische Autler mit einer Zeitstrafe belegt wurde. 

Im Herzschlagfinale am Sonntagnachmittag behielt Albuquerque schließlich die Nerven. Im internen Audi-Duell setzte sich der Portugiese gegen René Rast durch. Dessen Equipe APR Motorsport war zuvor wiederholt ins Hintertreffen geraten. Im Laufe der ersten Rennhälfte wurden dem Ensemble Rast, Ian Baas, Marc Basseng und Frank Stippler zwei Strafen auferlegt. Obendrein wurde Baas in den Morgenstunden in eine Kollision mit einem DP-Vehikel verwickelt, wodurch die Truppe abermals einen Rückstand hinnehmen musste.

APR Motorsport taktierte sich jedoch peu à peu zurück an die Spitze der GT-Division. Rast, Baas, Basseng und Stippler pulverisierten am Sonntag binnen kürzester Zeit einen Rückstand von drei Runden. Schlussendlich belegten die Kutscher des Audi-Renners mit der Startnummer 52 den Silberrang. „Bereits bei unserem zweiten Anlauf in Daytona ist uns dieses Traumergebnis gelungen“, würdigt Liebchen den Doppelerfolg seiner Schützlinge.

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Gelbphasen beeinflussen Tankstrategien

Allerdings spielte ein weiterer Faktor eine Schlüsselrolle. Das Teilnehmerfeld wurde in Summe 16-mal von Gelbphasen neutralisiert, weshalb das Finale in Daytona regelrecht zur Tanklotterie wurde. Dabei verkalkulierte sich Rum Bum Racing entscheidend, und Schlussfahrer Markus Winkelhock strandete auf den letzten Metern – an zweiter Stelle liegend. „In der letzten Stunde musste ich mir dann den Sprit einteilen“, lässt Winkelhock Revue passieren. „Wir wussten, dass es unheimlich eng wird. Von hinten sind die anderen gekommen, da musste ich wieder etwas mehr Gas geben und trotzdem noch Sprit sparen. Das war wirklich nicht leicht, aber fast hätte es gereicht – 200 Meter vor der Ziellinie auszurollen, tat natürlich weh.“ 

Winkelhock und seinen Stallgefährten Frank Biela, Christopher Haase und Matt Plumb erging es in der Nacht ähnlich wie den Markenkollegen. Auch das Rum-Bum-Gespann musste eine Zeitstrafe absitzen. Aber die Ringträger kämpften sich sukzessive zurück an die Front und hatten die Hand bereits am Pokal. Doch: „Ich hatte die letzten zwei Runden bereits ‚Fuel Alarm‘ im Display, deshalb habe ich irgendwie schon damit gerechnet“, gesteht Winkelhock. „Doch als in der letzten Runde dann wirklich die ersten Aussetzer kamen, habe ich trotzdem gedacht: ‚Das kann jetzt nicht wahr sein!‘“ 

Abgerundet wurde die Audi-Darbietung von dem APR-Motorsport-Quintett Matt Bell, David Empringham, John Farano, Alex Figge und David Lacey, welche sich an zwölfter GT-Position klassierten. Somit hat der Audi R8 Grand-Am bei seinem zweiten 24-Stunden-Einsatz neuerlich sein Potenzial demonstriert. Selbst der Geschwindigkeitsnachteil konnte im Rennen weitgehend kompensiert. Zudem brillierten die Audianer mit einem geringen Reifenverschleiß, während insbesondere die Porsche-Übermacht mit ihren Pneus haderten. Kurzum: Bei den Bayern hat alles gepasst.