Triumph in den Ardennen: Audis unaufhaltsamer Siegeszug

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Konstanz und Beständigkeit offenbarten sich in den Ardennen von Neuem als essentielle Voraussetzung zum Erfolg. Audi wurde diesem Anspruch abermals gerecht und verteidigte seinen Titel beim 24-Stunden-Schlager von Spa-Francorchamps. BMW konkurrierte auf Augenhöhe, aber fiel diversen Eskapaden zum Opfer. 

Wie ein Bollwerk rollte die Audi-Flotte am Sonntagnachmittag im Formationsflug die ehemalige Start-und-Zielgeraden von Spa-Francorchamps hinab gen Eau Rouge. Ein wahrhaftig symbolischer Akt seitens des Ingolstädter Konstrukteurs nach dem Triumph beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps. Unlängst gilt der Langstreckensport als Domäne der Audianer, doch heuer nimmt die Dominanz des Branchenprimus eine neue Dimension an.

Audi setzte seinen Vormarsch beim Ardennen-Klassiker unabwendbar fort. Bereits bei den Traditionsveranstaltungen in Le Mans und auf dem Nürburgring wanderte der Pokal ins bayrische Lager. Und nun demonstrierten die Herren der Ringe beim Stelldichein der GT3-Elite im belgischen Hochland erneut ihre Vormachtstellung im Sportwagenmetier. Denn schlussendlich zeigte Audi den Landsmännern von BMW deutlich die Grenzen auf.

Nach Ablauf der Distanz zweimal rund um die Uhr hievten Andrea Piccini, René Rast und Frank Stippler unter der Flagge von Phoenix ihre Arbeitsgerät als Gewinner über die Ziellinie. Zweite wurden die Titelverteidiger der einheimischen WRT-Mannschaft – in diesem Jahr durch Christopher Haase, Christopher Mies und Stéphane Ortelli repräsentiert. Das Vita4One-BMW-Trio Mathias Lauda, Gregory Franchi und Frank Kechele musste dagegen mit der Bronzemedaille Vorlieb nehmen.

„Drei 24-Stunden-Rennen innerhalb von nur 71 Tagen zu gewinnen, ist ein weiterer Meilenstein in der erfolgreichen Motorsport-Geschichte unseres Unternehmens“, resümiert Audi-Motorsportchef Dr. Wolfgang Ullrich. „Das Starterfeld in Spa war einzigartig mit einer enormen Leistungsdichte. Es gab mehr als 20 siegfähige Fahrzeuge. Am Ende hat sich einmal mehr die Kombination von Qualität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit durchgesetzt, für die Audi bekannt ist.“

Audi vermeidet Fehler, BMW stolpert mehrfach 

Audi stellte im Ardenner Wald neuerlich besagte Schlüsselqualifikationen, welche ein Ausdauerrennen abverlangt, unter Beweis. Über weite Strecken präsentierten sich die Ingolstädter Delegationen behänder als die Rivalen aus dem BMW-Lager. Dabei kamen den Ringträgern zudem das wechselhafte Wetter, mit teils sintflutartigen Regenfällen in den Abendstunden, sowie zahllose Gelbphasen hinter dem Sicherheitsfahrzeug zupass. 

Die BMW-Gespanne Marc VDS und Vita4One wählten zwar in den Anfangsstunden eine offensive Strategie und suchten aus der ersten Startreihe heraus ihr Heil in der Flucht – im Stechschritt hasteten die Startfahrer Maxime Martin und Frank Kechele über die Ardennen-Achterbahn. Allerdings haderten die Bayrischen Motorenwerke mit technischen Gebrechen und anderweitigen Ungereimtheiten. 

Indes lavierten sich die Verfolger der Audi-Fraktion sukzessive durch das gigantische Teilnehmerfeld, bevor sich die Partie im Tête-à-tête-Duell erstmals zugunsten von Audi wendete. WRT-Schützling Haase manövrierte sich beim Anfahren der Bus-Stop-Schikane an Marc-VDS-Pilot Bas Leinders vorbei und eroberte die Führung. Zu diesem Zeitpunkt stand den rivalisierten Parteien aus Süddeutschland aber noch eine turbulente Nacht bevor.

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Handicap aufgrund Palttalas Schnitzer in der Qualifikation 

Obgleich Lokalheld Martin bei einsetzenden Regenfällen sich auf nasser Piste profilieren konnte – zeitweise zwackte das belgische Gran-Turismo-Ass seinen Vordermännern mehrere Sekunden pro Umlauf ab – und die Führung zurückholte, blieb die Paradevorstellung letztendlich unbelohnt. Der silberne Z4-Renner steuerte zu nächtlicher Stunde, auf Position eins liegend, außerplanmäßige seine Box an. Zuvor war Leinders einer Kollision im Streckenabschnitt Blanchimont anheimgefallen. Auf diese Weise mogelten sich die Audi-Ensembles WRT und Phoenix im Schutze der Nacht an die Spitze des Klassements. 

„Ich habe von Anfang an während aller meiner Schichten Vollgas gegeben“, gab Martin nach dem Rennen zu Protokoll. „Ich versuchte uns an der Spitze des Feldes einen Vorteil zu verschaffen, den wir trotz heftiger Regenfälle am Abend verwalten konnten. Aber dann hatten wir in der Nacht etwas Pech mit dem Safety-Car und einige Probleme am Fahrzeug, wodurch wir unseren Vorsprung verloren und auf den vierten Rang degradiert wurden.“ 

Überdies hatte die hiesige Marc-VDS-Equipe eine weitere Bürde zu tragen. Da Markus Palttala in der Qualifikation während einer fliegenden Runde die Fahrbahnbegrenzung überfuhr, wurde dem Finnen eine Stop-and-Go-Strafe auferlegt, welche er innerhalb seiner ersten drei Rennrunden absitzen musste. Um dennoch im Laufe der ersten Rennhälfte das Maximum an Punkten zu ergatterten teilten sich anfänglich Martin und Leinders die Lenkradarbeit, bis Palttalla erstmals ins Steuer griff. Ergo dräute der Mannschaft noch ein zusätzlicher Boxenaufenthalt in den Morgenstunden. 

Obendrein kämpften die Lokalmatadoren mit Problemen beim Starten des Motors, weshalb die Truppe bei jedem Stopp Zeit einbüßten. Folglich schied das BMW-Gespann im Kampf um die vorderen Positionen aus. Selbst ein Martins Zwischensprint am Mittag – mit Rundenzeiten unter 2:20 Minuten – waren vergebens. Selbiges galt für Markenkollege Frank Kechele, welcher in der Endphase des Rennens den am Sonnabend verlorenen Boden wiedergutmachen wollte.

Marc VDS verteidigt Tabellenspitze

Letztlich feierte Audi einen triumphalen Doppelsieg. BMW musste sich dagegen mit den Rängen drei und vier begnügen. Auf dem sechsten Rang landete das zweite Phoenix-Dreigstirn Marcel Fässler, Tom Kristensen und André Lotterer. Dazwischen quetschte sich noch das Ferrari-Quartett Niek Hommerson, Louis Machiels, Andrea Bertolini und Pier Guidi Alessandro in Diensten von AF Corse, das somit die Pro-Am-Wertung gewann. 

Ein Fauxpas seitens Edward Sandström, welcher den R8-Boliden am Sonntagvormittag in die Barriere von Raidillon katapultierte, erweist sich angesichts des dominanten Audi-Auftritts förmlich als Brimborium. Die zweite WRT-Besatzung – Sandström wechselte sich mit Marco Bonanomi und Laurens Vanthoor – verschwand infolgedessen nach einem Garagenbesuch nämlich in der Nirvana des Gesamtklassements.

Nichtsdestotrotz: In der Tabelle behalten Martin, Leinders und Palttala mit 99 Punkten die Oberhand über die Audi-Fahrer. Denn Haase, Mies und Ortelli verzeichnen nach dem 24-Stunden-Rennen in Spa-Francorchamps einen Rückstand von 15 Zählern. Bei noch zwei verbleibenden Wertungsläufen auf dem Nürburgring und in Navarra bleibt die Meisterschaft demzufolge offen.