GTE-Klassen: Ferrari und Corvette triumphieren

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Im Jahr 2009 holte Ferrari den letzten Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans – 2012 war es wieder so weit. Die Vorzeigemannschaft AF Corse arbeitete sich von ganz hinten nach ganz vorn. Corvette konnte den Vorjahressieg bei den Amateuren wiederholen.

Ferrari brachte gleich neun seiner 458-Rennpferde mit nach Le Mans – so viele Wagen wie kein anderer Hersteller. Vier davon starteten in der GTE-Pro, fünf weitere in der Amateur-Abteilung der GT, genannt GTE-Am.

Für den späteren Siegerwagen, den von AF Corse eingesetzten Ferrari mit der Startnummer 51, ging es einmal durch das gesamte Klassement. Im Training verlor Giancarlo Fisichella noch den Wagen und schlug heftig in der Mauer ein. In der folgenden Nacht fuhren Mitarbeiter aus der Teambasis in Piacenza nach Le Mans, um ein neues Chassis zu bringen. Innerhalb kürzester Zeit baute die Truppe von Amato Ferrari einen neuen 458 Italia auf, der sich in der letzten Qualifikation noch auf Platz 49 einordnen konnte, dennoch letzter GTE-Pro-Platz.

Den Ton bei den Profis gab ein anderer an – ebenfalls ein Ferrari, allerdings von Luxury Racing eingesetzt. In der Startaufstellung folgten der Aston Martin und die #74 Corvette. Die Poleposition bei den Amateuren holte Flying Lizard Motorsports vor zwei weiteren Porsche der Teams Felbermayr-Proton und Prospeed.

Heiße Kämpfe von Beginn an

Dass man in der GTE-Klasse kein ruhiges Rennen fahren kann, ist hinlänglich bekannt. Um die Statistik zu bestätigen, übernahm Stefan Mücke also im Aston Martin gleich nach dem Start die Führung. Damit führte die Truppe von der Insel ihre starke Vorstellung mit dem neuen Fahrzeug fort, es blieb nur noch die Beständigkeit zu beweisen.

Erst nach einer Stunde gab der Brite die Führung erstmals ab, allerdings um den ersten Boxenstopp zu absolvieren. Nachdem alle Fahrer einmal ihre Mannschaft angelaufen hatte, war Mücke wieder in Führung, vor Oliver Gavin in seiner Corvette und dem ersten Ferrari vom Team AF Corse – allerdings dem Schwesterwagen des Siegerteams. Doch Gavin begann Ernst zu machen und überholte kurze Zeit später den Aston Martin. Währenddessen gab es in der Flying-Lizard-Box lachende und weinende Augen: der GTE-Am-Wagen führte, der GTE-Pro-Wagen beklagte nach einem Abflug einen Aufhängungsbruch.

Auch als es in die Abendstunden ging, lagen die Führenden der GTE-Pro-Klasse noch immer dicht beisammen. Obwohl der Aston Martin zwischenzeitlich zurückschlagen konnte, behauptete die Corvette nach einem Verbremser von Darren Turner, der den Inselsportler übernommen hatte, die Führung. Dennoch erarbeitete sich die Truppe von Prodrive einen Vorteil, indem man begann Dreifachstints zu fahren.

Amateurfahrer verursacht schweren Unfall

Allerdings zeigten sich nicht alle GT-Kutscher von ihrer besten, fairen Seite. Gegen 20 Uhr war plötzlich heller Aufruhr rund um den Kurs, und vor allem in der Toyota-Box. Grund war ein schwerer Unfall am Ende der Hunaudière-Geraden. Anthony Davidson versuchte im letzten Knick vor der Mulsanne-Kurve einen Ferrari zu überrunden.

Das Fahrzeug war einer der vier AF-Corse-Wagen, allerdings mit einer Amateurbesatzung. Am Steuer saß zum Unfallzeitpunkt Piergiuseppe Perazzini. Nach dem Unfall gab er zu, den Toyota gesehen zu haben – trotzdem zog er nach rechts und traf den TS030 am linken Hinterrad. Beide Fahrzeuge schossen ungebremst mit rund 300 km/h auf die Bande zu, der Toyota hob zudem ab. Perazzini hatte mehr Glück als sein Unfallgegner Davidson, der ins Krankenhaus musste. Das Rennen war rund eine Stunde unterbrochen, um die Leitplanke zu reparieren.

Nacht bringt die Entscheidung

Nach der Safety-Car-Phase war das Rennen in beiden GTE-Klassen etwas ruhiger – vorerst. Spannend wurde es wieder als sich sowohl Tommy Milner (Corvette Racing) als auch Gianmaria Bruni (AF Corse), der sich nach vorn gearbeitet hatte, in Führung liegend drehten. Gleichzeitig musste Flying Lizard Motorsports den endgültigen Ausfall ihrer Speerspitze hinnehmen.

Erstmals in Front ging der #51-AF-Corse-Ferrari nachdem Richard Westbrook in der bis dato fast souverän führenden Corvette auf der Runde aus der Box ein Rad verlor. Zwar konnte der Brite sein Dreirad in die Box zurück retten, verlor aber sehr viel Zeit, insgesamt drei Runden. Fast Unmittelbar danach machte Westbrook noch einen seiner wenigen Fehler und parkte den US-Brummer in der Mauer bei Arnage, konnte aber weiter fahren. Auch die zweite Corvette verlor zu diesem Zeitpunkt etwas – es war der zweite Platz. Dieser ging an den Aston Martin, der auch nach fast zwölf Stunden noch keine Ermüdung zeigte, den Platz aber wenig später an Dominik Farnbacher im Luxury-Ferrari abgeben musste.

Somit hatten sich zu Rennhalbzeit zwei Ferrari-Fahrzeuge an der Spitze eingerichtet: #51-AF-Corse vor dem #59-Luxury-Ferrari. Bei den Amateuren führte der #67-IMSA-Porsche vor der #50-Larbre-Corvette. Die Verfolgerpositionen schienen zu diesem Zeitpunkt jedoch kein gutes Pflaster zu sein. Farnbacher drehte sich in Indianapolis; für Corvette kam es noch dicker. Das schon gebeutelte Auto von Westbrook musste die Box ansteuern, um die Antriebswelle zu wechseln.

Gegen Ende der Schicksalsnacht schlug das „Ungeheuer“ Le Mans noch einmal bei einigen Teams heftig zu. Der Felbermayr-Porsche rollte, auf Platz vier liegend, mit einem Getriebeschaden aus, der Markenkollege von ProSpeed verunfallte in den Porsche-Kurven und löste das nächste Ausrücken des Safety-Cars aus. Zu guter Letzt ruschte Stefan Mücke, der zurück am Steuer des Aston Martin war, ins Kiesbett – fuhr aber weiter, der Amateurwagen von Felbermayr-Proton strandete wie der Schwesterwagen auf der Hunaudières-Geraden und der Luxury-Ferrari hatte einen Reifenschaden.

Tag zwei: Letzte Angriffsversuche

Die Versuche von Corvette Racing an die Spitze zurückzukehren nahmen zunehmend verzweifelte Ausmaße an. Tommy Milner verlor bei der Aufholjagd seinen Wagen zweimal in den Porsche-Kurven, beim zweiten Mal wurde ein Reparaturstopp fällig.

Gegen Mittag war das Rennen bei den GTE-Pro somit fast gut wie entschieden. Der AF-Corse-Ferrari führte sein Stunden souverän mit der Fahrerpaarung Giancarlo Fisichella, Gianmaria Bruni und Toni Vilander. Mehrere Runden Rückstand hatten die Verfolger Dominik Farnbacher, Jaime Melo und Frédérick Makowiecki im Luxury-Ferrari. Der Aston Martin hielt sich indes auf Rang drei und Stefan Mücke brannte die schnellsten Rundenzeiten in den Circuit de la Sarthe.

Einzig in der GTE-Am ging es noch um den Sieg. Um wenige Sekunden war die Larbre Corvette von Pedro Lamy vom IMSA-Porsche mit Nicolas Armindo am Steuer getrennt. Beide Wagen fuhren etwa identische Rundenzeiten. Allerdings hatte der Porsche mit einer defekten Kupplung zu kämpfen, was vor allem beim Losfahren von der Box für Probleme sorgte.

Am Ende brachte aber ein Reifenschaden am Wagen von Armindo die Entscheidung. Somit konnte die Larbre-Mannschaft auch noch kurz vor dem Fallen der Zielflagge den letzten Fahrerwechsel absolvieren.

Das Ergebnis lautet also folgendermaßen: Der #51-AF-Corse-Ferrari (Fisichella/Bruni/Vilander) gewinnt vor dem #59-Luxury-Ferrari (Farnbacher/Melo/Makowiecki) und dem #97-Aston-Martin (Mücke/Turner/Fernández). Die GTE-Am-Klasse gewinnt die #50-Larbre Corvette (Bornhauser/Canal/Lamy) vor dem #67-IMSA-Performance-Porsche (Armindo/Narac/Pons) und dem #57-Krohn-Ferrari (Krohn/Jonsson/Rugolo).

Da Le Mans in diesem Jahr zum WEC gehört, wurden doppelte Punkte an die teilnehmenden Teams verteilt. Die Punktstände gestalten sich also folgendermaßen: In der GTE-Pro führt AF Corse mit 39 Punkten vor Luxury Racing und 48 vor Aston Martin Racing. Die GTE-Am führt Larbre Compétition 30 Punkten Vorsprung vor Krohn Racing und weiteren sechs vor dem Team Felbermayr-Proton an.

Das Fazit des Ganzen

Einmal mehr wurde das Rennen in Le Mans in beiden GT-Klassen durch Defekte und Unfälle entschieden. Dennoch gewannen mit dem AF-Corse-Ferrari und der Larbre-Corvette zwei bekannte Größen im Le-Mans-Zirkus. Einzige Überraschung war der Aston Martin. Bereits im Vorfeld zeigte der Inselsportler einen beeindruckenden Speed. Nun bewies die Truppe von Prodrive, dass sie aus dem Fehler des Vorjahres gelernt haben und schafften es durch Beständigkeit den Ableger von James Bonds Dienstwagen auf das Podest zu führen.

Mit Beginn der Abendstunden lagen noch immer viele GT unmittelbar hintereinander. Zu diesem Zeitpunkt war mehr als die Distanz eines normalen WEC-Laufes übertroffen, was also auf spannende fünf weitere Rennen der Langstrecken-Weltmeisterschaft hoffen lässt.