Der Ring und BMW: Tradition trifft Moderne

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BMW strebt anno 2012 den insgesamt 19. Gesamtsieg bei dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an und ist schon jetzt der erfolgreichste Hersteller beim Eifelklassiker. Richten soll es vor allem die Schubert-Motorsport-Truppe um Stefan Wendl.

Auf dem Nürburgring – oder die „Grüne Hölle“, wie sie Jackie Stewart taufte – werden seit 1970 24-Stunden-Rennen ausgetragen. Bisher gab es kein einziges ohne BMW-Beteiligung, ob werksseitig oder durch Privatiers.

Dies wird sich auch 2012 nicht ändern. In den verschiedensten Klassen lassen sich Modelle des Münchener Herstellers finden, vor allem in den seriennahen Klassen. Die meisten sind Fahrzeuge der Dreier-Reihe.

Interessant für die vorderen Plätze sind jedoch andere Renner. Gemeint sind die BMW Z4, die in ihrer neuesten Ausführung seit 2011 am Ring unterwegs sind und bei den Fans vor allem wegen ihres brachialen Sounds beliebt sind. Von diesen Wagen treten in der SP9 nach FIA-GT3-Reglement fünf Exemplare an. Speerspitze ist Schubert Motorsport aus Oschersleben.

BMW traditionell stark

Mit bislang 18 Gesamtsiegen ist BMW die erfolgreichste Marke am Ring, weit vor Porsche, die lediglich in der letzten Dekade erfolgreicher waren als die Bayrischen Motoren Werke. Bereits die erste Ausgabe des inzwischen zum Klassiker gewordenen Rennens gewann ein BMW, es war ein BMW 2002 TI mit Hans-Joachim Stuck und Clemens Schickentanz am Steuer.

Ebenso die drei folgenden Rennen wurden allesamt von BMW-Modellen gewonnen, eingesetzt von Alpina. Nach zwei ausgesetzten Jahren wegen der Ölkrise erfolgte jedoch ein Bruch. Erst 1984, zehn Jahre nach dem letzten Sieg, konnte BMW wieder gewinnen – und zwar dreimal hintereinander. In den Jahren von 1989 bis 1998 waren vor allem die BMW M3 am Ring erfolgreich, lediglich 1993 unterbrach ein Porsche 911 Carrera die Serie. 1998 gewannen die Münchener zudem als erstes Team mit einem Diesel am Ring.

Danach mussten sich die vielen BMW-Teams vor allem den Zakspeed-Vipern geschlagen geben. 2004 und 2005 glückten dem Team Schnitzer mit dem BMW M3 GTR die zwei letzten Siege, bevor man werksseitig ausstieg.

Wiedereinstieg und Einführung des modernen GT3

Durch den Rückzug von BMW bekam Olaf Manthey mit seinen Mannen die Chance auf den Gesamtsieg, welche sie auch nutzten. Während der gesamten BMW-Abstinenz, also vier Jahre, gewannen die Porsche des Meuspather Teams.

2010 kehrte Dr. Mario Theißen mit seinem Werksteam an den Ring zurück. Im Gepäck hatten er, Charly Lamm und sein Schnitzer Team den nagelneuen BMW M3 GT2, der für Le Mans auf Kiel gelegt wurde. Damit wirkten sie dem von Audi begonnenen Umbruch am Ring kurzzeitig entgegen, der in Richtung GT3-Renner ging.

Mit ihrem reinrassigen GT2 war die BMW-Mannschaft zwar auf den Geraden langsamer als die GT3 von Porsche und Audi, konnte aber in den Kurven viel Boden gutmachen. Zudem profitierten sie von vielen Fehlern, Unfällen und Ausfällen der Konkurrenz. Am Ende stand dann der BMW M3 mit Jörg Müller, Auguso Farfus, Uwe Alzen und Pedro Lamy ganz oben auf dem Siegerpodest, womit nicht allzu viele gerechnet hatten. Somit war gleich beim Wiedereinstieg der Sieg geglückt.

2011 kehrte BMW mit dem M3 GT2 an den Ring zurück, da auch in Le Mans ein weiterer Einsatz geplant war. Dennoch ging der GT3-Trend in der Eifel weiter. Hersteller wie Mercedes und Lamborghini kamen mit neuen Modellen. Auch die Motorsport-Abteilung von BMW reagierte und brachte mit dem Z4 einen neuen GT3 auf die Grüne Hölle. Mit involviert in dieses Projekt war von Anfang an das Schubert-Team.

Zwar reichte es im vergangenen Jahr gegen den Porsche von Manthey, der ebenfalls ein GT2 war, nicht zum Sieg, doch der zweite Platz sprang heraus. Dem Z4-Team von Stefan Wendl erging es da deutlich schlechter. Die Mannschaft hatte den Ausfall aller Fahrzeuge zu beklagen.

Schubert neues Werksteam

Schon im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass BMW in die DTM mit neuem Reglement einsteigen wird, weshalb das GT2-Projekt eingestellt wird. Davon betroffen war auch der Einsatz des M3 auf dem Ring, da das Einsatzteam Schnitzer in der DTM gebraucht wird.

Dennoch wollte der neue Motorsportchef Jens Marquardt nicht auf ein schlagkräftiges Team am Ring verzichten. Er machte daher kurzerhand Schubert Motorsport aus Oschersleben zum neuen Werksteam und zudem zum Produktionspartner des BMW Z4, weshalb die Sachsen-Anhalter ihren Stützpunkt in der Nähe des Motoparks derzeit ausbauen.

Neben dem nachweislich schnellen Wagen bekommt Teammanager Stefan Wendl von BMW einen starken Fahrerkader gestellt. An Bord werden Dirk Adorf, Uwe Alzen, Claudia Hürtgen, Dirk Müller, Jörg Müller, Nico Bastian und Dominik Schwager sein. Die meiste Arbeit des Septetts kommt auf Dirk Adorf zu, der auf beiden Wagen mit den Startnummern 19 und 20 genannt ist.

Dieses Aufgebot geht dem Motorsportkenner herunter „wie Öl“. Es ist eine Mischung aus Erfahrung und Geschwindigkeit, welche der Schlüssel zum Erfolg am Ring ist. Die meiste Erfahrung auf dem Nürburgring haben zweifelsohne Claudia Hürtgen, Dirk Adorf und Uwe Alzen. Alle drei haben in ihrer Karriere unzählige Runden in der Eifel gedreht und kennen die Strecke wie ihre Westentasche. Während Alzen 2010 im M3 GT2 gewann, warten Adorf und Hürtgen noch auf ihren ersten Sieg.

In Sachen Schnelligkeit gehören die beiden Müllers zu den besten im gesamten GT-Zirkus. Sie sind auf den Rennstrecken der Welt zu Hause und haben schon einige BMW-Renner erfolgreich bewegt. Auch wenn die beiden nicht verwandt sind, waren sie oft gemeinsam unterwegs. Zu ihren Präferenzen gehören Einsätze in Le Mans, der Tourenwagen-WM und in der ALMS, wo Dirk Müller im vergangenen Jahr den Fahrertitel gewann.

Ergänzt werden diese altbekannten BMW-Werksfahrer von Nico Bastian und Dominik Schwager. Für Bastian wird es das erste 24-Stunden-Rennen in der Eifel. Noch im vergangenen Jahr war er in der Mini Challenge unterwegs, in der er die Meisterschaft gewann. Dominik Schwager hingegen kann auf viel Erfahrung zurückgreifen. Er war in zahlreichen Formel-Serien aktiv, bevor er in den GT-Sport wechselte. In der letzten Saison startete er unter anderem in der FIA GT1-WM. Seit 2009 sieht man ihn auch am Ring.

Neben dem Schubert-Team sind noch zwei weitere Mannschaften mit BMW Z4 unterwegs, die ebenfalls als sehr stark einzuschätzen sind. Diese sind Vita4One Racing und Marc VDS Racing. Das Eschborner Team Vita4One ist, wie auch in der GT-WM, mit zwei Wagen am Start. An Bord haben sie Pedro Lamy, Frank Kechele, Mathias Lauda, Ricardo van der Ende, Jens Klingmann, Marco Wittmann und Richard Göransson – Lamy startet in beiden Autos.

Die Belgier um Marc van der Straten setzen hingegen nur auf einen Wagen. Das Team startet zum ersten Mal auf dem Nürburgring. Bekannt ist es vor allem aus der Blancpain Endurance Series, der GT-WM, wo es in den letzten beiden Jahren mit Ford GT startete und der Moto2. Am Steuer werden sich die Stammfahrer Bas Leinders, Markus Palttala und Maxime Martin abwechseln.