Audi am Ring: „Die Geister, die ich rief“

34

Im Jahr 2009 war Audi maßgeblich daran beteiligt, als die GT3 am Ring als eigenständige Klasse zugelassen wurde. Dreimal versuchten die Ingolstädter seitdem den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen einzufahren. Bislang war keiner der Versuche erfolgreich. Es reichte lediglich für Klassensiege.

Mit dem R8 in seinen verschiedenen Ausbaustufen hat Audi einen durchaus erfolgreichen GT3-Rennwagen auf die Räder gestellt. Lediglich der große Traum, beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring ganz oben auf dem Treppchen zu stehen, ging bislang nicht in Erfüllung. Während die Ingolstädter von Anfang an auf das GT3-Konzept setzten, brachten die großen Kontrahenten von Porsche und BMW reinrassige GT2- respektive GTE-Rennwagen an den Start des Eifelmarathons.

So gingen bei den letzten drei Ausgaben des Langstreckenrennens trotz starker Audi-Beteiligung zwei Siege an Porsche und einer an BMW. Allerdings wurde die GT3-Klasse vom Reglement immer weiter bevorzugt, sodass es sowohl den Verantwortlichen in Zuffenhausen, als auch denen in München sinnvoll erschien die hocheffizienten Renner nach dem Reglement der Le Mans-GTE-Klasse zuhause zu lassen.

Das führt zu einer Situation, die es am Ring lange nicht gab. Die großen Sportwagen-Hersteller messen sich beim größten Motorsport-Fest der Welt mit gleichwertigem Material. Nachdem Audi viel Energie in den Aufbau der GT3-Klasse gesteckt hat, könnte es jetzt sein, dass andere die Früchte ernten. Neben BMW und Porsche heißen die Gegner mittlerweile auch Mercedes, Ford, McLaren, Corvette und Aston Martin.

Man kann den Ringträgern aber nicht vorwerfen, schlecht vorbereitet in die Eifel zu reisen. Das Audi Sport Team Phoenix tritt als exklusives Werksteam mit zwei R8 LMS ultra an. Phoenix-Teamchef Ernst Moser zeigt sich hochmotiviert: „Unsere Vorbereitungen sind abgeschlossen. Wir haben alles getan, was möglich war. Unsere Fahrer haben sich in den VLN-Rennen bestens auf das neue Auto eingestellt. 24-Stunden-Rennen sind unser Herzblut, noch dazu ist dieses Rennen unser Heimspiel. Mit dem neuen Audi R8 LMS ultra und unseren Fahrerbesetzungen haben wir alle Möglichkeiten, nach mehreren Anläufen diesmal ganz oben zu stehen.“

Mit Marcel Fässler, Christopher Mies, René Rast und Frank Stippler sowie Marc Basseng, Christopher Haase, Frank Stippler und Markus Winkelhock drehen zwei bärenstrake Fahrerquartetts an den Steuern der Renner von Mosers Truppe. Zusätzlich schickt Ingolstadt vier Kundenteams in die Grüne Hölle. Mamerow Racing, Raeder Motorsport, das Speedhunters Team WRT und die Audi race experience wurden allesamt ebenfalls mit dem R8 LMS ultra, der jüngst überarbeiteten Variante des Audi-GT3-Renners,  ausgestattet.

Auch das Fahrer-Portfolio der Kunden liest sich wie ein Who is Who des Motorsports. Frank Biela, Oliver Jarvis, Christian Abt, Armin Hahne, Christian Mamerow, Marco Werner, um nur einige zu nennen. Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn am Ende nicht einer der Wagen mit den Ringen auf dem Kühlergrill ganz vorne dabei ist. Allerdings stehen 24 GT3-Rennwagen, die nicht von Audi stammen bereit, den Ingolstädtern in die Suppe zu spucken.

Le-Mans-Sieger Marcel Fässler schätzt die Chancen auf den Sieg realistisch ein: „Ich freue mich, wieder die 24 Stunden Nürburgring fahren zu können. Es ist eine tolle Rennstrecke. Wir haben schon einige VLN-Rennen gewonnen. Für den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen hat es bisher noch nicht gereicht. Ich bin überzeugt, dass wir gut vorbereitet sind und damit die Chance haben, die 24 Stunden auch zu gewinnen. Aber bekanntlich sind solche Rennen immer eine Herausforderung für Material und Mensch. Man darf keine Fehler machen und das Tempo muss passen.“

Ob es diesmal für Audi reicht, oder ob einer der vielen gerufenen Geister aus dem GT3-Lager dankend abstaubt, wird sich am Sonntag kommender Woche um 16 Uhr zeigen, wenn der Rennleiter das schwarzweiß karierte Tuch schwingt.