24 Stunden: Eifelklassiker startet zum 40. Mal

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Das 40. Jubiläum des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring verspricht ein motorsportlicher Höhepunkt der Extraklasse zu werden. Über 180 hochmotivierte Teilnehmer werden das 25,378 Kilometer lange Asphaltband durch die Eifelwälder unter die Räder nehmen. Darunter Werksabordnungen der vier großen deutschen Premiumhersteller.

Das 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife blickt auf eine Tradition zurück, die 1970 ihren Anfang nahm. Lediglich in den Jahren 1974 und 1975 fanden wegen der damaligen Ölkrise keine Rennen statt. 1983 verhinderte der Neubau der Grand-Prix-Strecke eine Austragung des Rennens. Bei der Premiere gewann der junge Hans-Joachim Stuck zusammen mit Clemens Schickentanz auf einem vom Tuner Koepchen vorbereiteten BMW 2002 TI.

Auch bei der diesjährigen Jubiläumsausgabe wird der Weg zum Sieg wohl über den bayerischen Rekordsieger führen. Dies offenbarten die ersten drei VLN-Läufe des Jahres, bei denen sich die Werks-Truppe BMW Team Schubert als bestens aufgelegt präsentierte. Interner Favorit bei der Oscherslebener Truppe ist der Wagen mit Dirk Müller, Jörg Müller, Uwe Alzen und Dirk Adorf, der als Joker auf beiden BMW Z4 der Mannschaft gemeldet ist.

Noch besser zeigte sich der große Kontrahent der Münchner aus den letzten beiden Jahren. Der Manthey-Porsche ist zurück. Entgegen der Ankündigung von Teamchef Olaf Manthey und Porsche-Motorsportchef Hartmut Kristen im letzten Jahr, man werde keinen werksunterstützten Manthey-Porsche mehr in der Eifel einsetzen und auch keine Werksfahrer entsenden, steht ein bärenstarker Porsche mit der Besetzung Marc Lieb, Romain Dumas, Lucas Luhr und Richard Lietz in der jüngst veröffentlichten Starterliste.

Nach einem durchwachsenen Saisonauftakt beim ersten VLN-Lauf, der mit Platz zwölf für die am Ring ansässige Truppe endete, griff der Porsche-Werksprofi Marc Lieb ab dem zweiten Lauf in das Geschehen ein. Das Ergebnis ist bekannt. Manthey gewann die Läufe zwei und drei und verwies die Schubert-BMW-Renner jeweils auf die Plätze.

Bei Audi hingegen hatte man den Eindruck, dass man in Ingolstadt den Saisonauftakt komplett verschlafen hat. Erst im dritten Lauf der VLN zeigte sich die Phoenix-Truppe als zweiter auf dem Siegertreppchen. Trotzdem dürfte klar sein, dass die Herren der Ringe am Himmelfahrtswochenende hellwach sein werden. Die Favoritenstellung bezieht für Audi Phönix Racing. Die beiden Wagen der Meuspather sind jeweils mit einer guten Mischung aus routinierten Nordschleifen-Spezialisten und schnellen jungen Fahrern besetzt.

Einen Wagen teilen sich Marcel Fässler, Christopher Mies, René Rast und Frank Stippler. Den zweiten besetzen Marc Basseng, Christopher Haase, Frank Stippler und Markus Winkelhock. Beide Besatzungen sollten in der Lage sein, bis zum Schluss um die Podiumsplätze zu kämpfen. Vorausgesetzt, man bleibt von Defekten und Unfällen verschont.

Neben den Kundenteams, die den R8 ins Rennen schicken, gaben die Audianer noch einen Weiteren Trumpf auf der Hand. Die belgische WRT-Truppe gehört zwar samt Fahrern zu den Neulingen beim Eifelmarathon, aber die Jungs wissen, worauf es ankommt. Von WRT eingesetzte Audi-Boliden holten im vergangen Jahr die Siege bei den 24 Stunden von Spa und Zolder. Langstreckenerfahrung ist also reichlich vorhanden. So gehört Vincent Vosses Mannschaft sicher zu den Geheimfavoriten.

Kaum einzuschätzen ist indes die Performance der Mercedes-Teams. Die Sternenkrieger bleiben dem Konzept des werksunterstützten Kundensports weiter treu. Zwar wurde die Betreuung einiger Kunden intensiviert und auch AMG-Entwicklungsfahrer Bernd Schneider wagt noch einmal einen Ritt durch die Grüne Hölle, aber keines der Teams bekam den Status „offizielles Werksteam“. Beim dritten VLN-Lauf blitzte die Leistungsfähigkeit der Flügeltürer während der ersten Rennrunden auf, als Klaus Graf dem Feld enteilen konnte und mit Rundenzeiten glänzte, die den schnellsten BMW-, Audi- und Porsche-Runden ebenbürtig waren.

Auf dem Papier ist die Hankook-Team Heico-Truppe am stärksten aufgestellt. Mit Bernd Schneider, Alex Margaritis, Lance-David Arnold und Kenneth Heyer im einen und Pierre Kaffer, Christiaan Frankenhout und Andreas Simonsen ist man durchaus solide besetzt.

Zwar sind die Favoriten nach der Papierform schnell ausgemacht und sechs bis sieben Teams werden in Fachkreisen als heißer Anwärter auf den Gesamtsieg gehandelt, doch bleibt immer genug Raum für Überraschungen. Die drei bisherigen VLN-Läufe waren nicht besonders aussagekräftig. Keines der Rennen ging über die volle Distanz. Zwei wetterbedingte Rennabbrüche und ein vorzeitiges Rennende nach einem schweren Unfall trüben den Blick auf die Fakten.

Außerdem dürfte klar sein, dass noch keines der Top-Teams mit offenen Karten gespielt hat. Immerhin hatte man nicht, wie im letzten Jahr, den Eindruck, dass niemand so wirklich gewinnen will. Dank des neuen Top-40-Qualifyings für die 24 Stunden, für das man sich schon bei den ersten Läufen der VLN qualifizieren konnte, wurde schon so mancher Warnschuss in Form von schnellen Rundenzeiten abgegeben. Trotzdem dürften alle noch Potentiale in der Hinterhand haben.

Diese zum richtigen Zeitpunkt auszupacken, könnte diesmal einer der Schlüssel zum Sieg sein. Die Fachwelt ist sich darüber einig, dass für den Gesamtsieg eine Null-Fehler-Fahrt nötig sein wird. Zudem wird entscheidend sein, wer sich am schnellsten durch den dichten Eifel-Verkehr hangelt. Hier kommen dann die Potentiale aus der Hinterhand ins Spiel. Wer in der Lage ist, diese fehlerfrei zu nutzen, um beim Überholen von langsameren Fahrzeugen verlorene Zeit wiedergutzumachen, wird am Ende ganz vorne dabei sein.

BMW, Porsche, Audi, Mercedes, dazu eine topbesetzte Corvette, drei McLaren MP 4-12, der Ferrari P4/5 mit Hybrid-Power, zwei Aston Martin Vantage GT3, Lexus und Nissan mit seriennahen Supersportwagen, sowie all die kleineren hochambitionierten Teams mit liebevoll aufgebauten Rennwagen in 22 Klassen garantieren dafür, dass die 40. Ausgabe des Eifelklassikers ein riesengroßes Motorsportfest wird.     

Während die Hardcore-Fans schon am Montag anreisen werden, um ihre Claims rund um die Nordschleife abzustecken, geht es ab Mittwoch mit der Action auf der Strecke los. Beim ADAC-FanFestival in der Müllenbachschleife werden sich die Teams den Fans erstmals präsentieren. Das Renngeschehen startet dann am Donnerstag mit dem freien Training und dem Nachtqualifying. Nach dem zweiten Qualifying am Freitag werden die besten Startplätze dann am frühen Abend im Top-40-Qualifying ausgefahren. Das Rennen startet dann wie immer am Samstagnachmittag um 16 Uhr.