Long Beach: Luhr/Graf schreiben ALMS-Geschichte

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Lucas Luhr und Klaus Graf haben nach dem zweiten ALMS-Lauf in Long Beach einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Sie konnten als Erste einen Rennsieg auf dem Hafenkurs wiederholen. Die GT-Krone setzte sich Corvette auf.

Pünktlich zum Rennsamstag wurde das Wetter nahe Los Angeles wieder gut. Nach sintflutartigen Regenfällen in den letzten Tagen, die ein Qualifying verhinderten, schien zum Rennstart die Sonne als ob nichts gewesen wäre. Die Rennleitung hatte nach dem Qualifying-Versuch festgelegt in der Reihenfolge der Punktestände zu starten und so rollten die Wagen wie sie in der Meisterschaftstabelle platziert sind zum Start.

Dies ermöglichte es dem Dyson Racing Team von der Pole zu starten. Allerdings hatte Startfahrer Guy Smith den Erzkonkurrenten Lucas Luhr im Muscle Milk-HPD vom Start weg im Nacken. Während die beiden LMP1-Renner sich sofort vom Feld absetzten, ging es im Feld dahinter drunter und drüber. Leidtragende waren unter anderem der BMW von Bill Auberlen, der zwei LMPC ausweichen musste und so das Heck der vor ihm fahrenden Corvette traf, eben diese Corvette und der LMP2-Brummer von Black Swan Racing.

In der folgenden Zeit hatten sich einige Kampfgruppen um die Klassenführungen gebildet. Ganz vorn im Feld waren es Guy Smith und Lucas Luhr, die um die Gesamtführung fighteten, etwas weiter dahinter bei den GT gab es einen Vierkampf zwischen Joey Hand im BMW, Antonio Garcia und Oliver Gavin in ihren Corvetten und Johannes van Overbeek im ESM-Ferrari. Ausgerechnet als sich diese beiden Gruppen trafen, erwische Smith das Heck von Hands BMW, der zuvor von Garcia überholt wurde. Leidtragender war der RLL-BMW, der einen Reifenschaden davon trug.

Safety-Car-Phase bringt Rennentscheidung.

Nachdem nach rund einer halben Stunde Lucas Luhr den Smith-Lola überholen konnte, setzte er sich mit Sieben-Meilen-Stiefeln ab. Allerdings bremst seine Flucht die, trotz der vielen Zwischenfälle, einzige Safety-Car-Phase des Rennens aus. Dennoch profitierte die rein deutsche Fahrerpaarung im US-amerikanischen LMP1-Renner auf Umwegen davon.

Insgesamt holte das Muscle-Milk-Team den Wagen zweimal in die Box. Beim ersten Mal wurde normal der Fahrerwechsel vollzogen, die Reifen gewechselt und nachgetankt – wo das Problem lag. Das Team war sich nicht sicher, ob genug Benzin in den Tank gelangt war. Daher entschloss man sich den HPD ein weiteres Mal zu einem kurzen „Splash-and-Dash“ reinzuholen.

Direkt nach dem Ende der Safety-Car-Phase war Klaus Graf rund 24 Sekunden hinter Chris Dyson, der von Guy Smith übernahm. Doch dieser musste gegen Ende des Rennens Sprit sparen und so etwas Dampf herausnehmen, um nicht noch einmal nachtanken zu müssen. Für diese Strategie reichte der Vorsprung jedoch nicht, den Graf binnen weniger Runden aufholte und den Lola-Mazda auf der Start-Ziel-Geraden überholte. Danach setzte sich der Schwarzwälder ab und entschied das Rennen vorzeitig.

„Wir hatten den Extra-Sprit nicht eingeplant“, so der Rennsieger Klaus Graf. „Wir machten einen guten Fahrerwechsel und an diesem Zeitpunkt sind wir eigentlich fertig zum losfahren, ich weiß nicht warum es so lang gedauert hat. Wir waren nicht sicher, ob der Tank voll war und mit der einen Gelbphase würde es gegen Ende sehr knapp werden. Dies mussten wir sicherstellen. Dann machte ich eine Reihe von Qualifying-Runden um Chris (Dyson) zu bekommen. Plötzlich war ich sehr nah an ihm und wir kamen nebeneinander auf die Frontgerade. Ich kam an ihm vorbei, blieb vorn und sicherte die Führung.“

GT-Kämpfe bis zum Ende

Zu diesem Zeitpunkt war bei den GT noch lang nichts entschieden. Seit den Boxenstopps führte die Corvette mit der Nummer vier, die bereits von Tommy Milner übernommen worden war. Dahinter lag der BMW mit dem Reifenschaden zu Beginn, der durch die Safety-Car-Phase profitierte. Allerdings war es ihm nicht möglich der Corvette zu folgen, da die Reifen bereits seit dem Boxenstopp nach dem Reifenschaden, also eine halbe Stunde nach Start, auf dem Auto waren. Ihm folgte die zweite Corvette mit nun Jan Magnussen am Steuer. Folgen bedeutete in diesem Fall allerdings „unter dem Heckflügel kleben“.

Doch weder konnte der BMW sich nach vorn retten, noch die Corvette ihn überholen. Dies ging so lang bis die Reifen der Corvette abgefahren waren und der Däne Magnussen auf den BMW verlor. Damit war es aber nicht getan. In den Rückspiegeln des US-Brummers tauchte ein schwarz-grüner Ferrari auf, der seine Position zurück haben wollte. Diese war der erste Platz, wofür er aber auch an der Magnussen-Corvette vorbei musste.

Gemeint ist der Extreme Speed-Ferrari von Johannes van Overbeek und Scott Sharp. Van Overbeek startete den Wagen und fiel zuerst etwas zurück. Doch mit zunehmender Rennlänge wurde der Ferrari 458 immer schneller und schaltete sich so in den Führungskampf ein, den er kurz vor der Safety-Car-Phase für sich entscheiden konnte. Wie alle stoppte auch das Extreme Speed-Team als der Porsche Panamera das Feld anführte. Doch dann passierte dasselbe wie beim Start – die Flunder aus Maranello kam nicht auf Touren. Erst gegen Ende des Rennens legte das italienische Pferd wieder los. Leidtragender war Jan Magnussen, der sich rundenlang dem drückenden Scott Sharp erwehren musste, doch es gelang ihm nicht.

Ähnlich erging es zeitgleich Wolf Henzler im Falken-Porsche. Der als starker Überholer bekannte Porsche-Werksfahrer musste seinen fünften Platz gegen den englischen Gaststarter, den Aston Martin Vantage von Adrian Fernandez, verteidigen. Nach einem unauffälligen Rennen in den Top-Zehn der GT-Klasse zeigte so der neue Aston Martin im Endspurt eine starke Performance. In der Anbremszone zu Kurve sechs gelang es ihm schließlich den Zuffenhausener zu schlagen.

Somit gewannen Lucas Luhr und Klaus Graf vor Guy Smith und Chris Dyson sowie dem zweiten Dyson-LMP1 von Eric Lux und Michael Marsal, für die es mehr ein kennenlernen war. Die LMP2-Klasse entschieden Scott Tucker und Christophe Bouchut für sich, nachdem kurz vor dem Ende der bis dato führende aus dem Conquest Endurance-Team an die Box musste. Diese wurden schließlich Zweite vor dem Schwesterwagen des Siegers. Bei den LMPC gewannen Alex Popow und Ryan Dalziel für CORE Autosports auf Gesamtrang drei.

Die GT-Klasse entschieden Antonio Garcia und Tommy Milner für sich, der im Interview sagte: „Ich hatte ein paar tolle Podiumsplätze und große Trauer nach Siegchancen. Mit einem durch die Sitzungen im Regen unbekannten Auto, war es toll zu gewinnen. Ich lernte ein bisschen vom letzten Jahr als ich mich selbst in Schwierigkeiten brachte und so versuchte ich dies heute zu vermeiden. Es ist ein Team-Sieg heute.“ Dahinter kamen der BMW von Hand/Müller und der Ferrari von Sharp/van Overbeek auf das Podium. Die GTC-Klasse entschieden Damien Faulkner in einer starken Schlussphase und Startfahrer Peter LeSaffre aus dem Green Hornet Racing Team für sich.

Weiter geht es mit der ALMS am 12. Mai in Laguna Seca.