VLN: Gewinner und Verlierer beim Saisonauftakt

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Die Oscherslebener Werksmannschaft BMW Team Schubert ging aus dem ersten Lauf der VLN-Saison 2012 als Sieger hervor. Doch auch wenn der BMW Z4 über den ganzen Tag bei der Musik war. Es waren andere, die die Tonart bestimmten.

Beim Start zur 59. ADAC Westfalenfahrt sah noch alles nach einer Porsche-Triumphfahrt aus. Die 911er-Teams brannten an der Spitze ein wahres Feuerwerk ab. Der Falken-Porsche GT3R hatte zuvor im Qualifying die Referenzzeit gesetzt und sich vor dem Rest des Feldes gut sieben Sekunden Vorsprung gegönnt. Hinter dem Trainingszweiten Schubert-BMW folgten sechs weitere Zuffenhausener, bevor die schnellsten Audis und Mercedes die Top zehn komplettierten.

Nach dem Start rasten vier Elfer im Formationsflug über die Nordschleife. Wolf Henzler machte im Falken-Porsche zusammen Romain Dumas im Manthey-Nadelstreifenporsche die Pace. Im Schlepptau der beiden zogen Marco Holzer im Wochenspiegel GT3R und Christopher Brück im Frikadelli-Porsche als erster nicht Werks-Fahrer ihre Kreise durch die Grüne Hölle.

Den ersten Dämpfer für das Boxer-Quartett gab es in Runde vier. Der Falken-Porsche rollte unplanmäßig an die Box. Eine der Antriebswellen hatte ihren Dienst quittiert, was das Ende der Siegchancen für den blaugrünen Porsche bedeutete. Während die beiden Manthey-Renner ebenfalls ein Opfer der Technik wurden, stellte sich die Frikadelli-Truppe selbst ein Bein. Wegen eines Vergehens unter gelben Flaggen wurde die Truppe aus Bahrweiler um eine Runde strafversetzt. Betrachtet man die Rundenzeiten der Privatmannschaft, wird schnell klar, dass man ohne diesen Lapsus ein gehöriges Wort um den Gesamtsieg hätte mitreden können.

Ein paar Plätze hinter dem Führungs-Zug war ein weiterer GT3R auf dem Weg zur ersten Überraschung der noch jungen Saison. Die neuformierte Mannschaft Timbuli Racing hatte Marc Henerici auf den Startturn angesetzt. Der Mayener zeigte vor Allem im Verkehr mit konstanten Rundenzeiten worauf es in der VLN ankommt und warum er zur Zeit ein gefragter GT-Pilot ist. Der verdiente Lohn war der zweite Gesamtrang.

Für Audi waren Phoenix Racing mit zwei Wagen und Raeder Motorsport mit einem weiteren R8 angetreten. Die Flundern mit den vier Ringen wurden aber abermals ein Opfer des eigenen Unvermögens. Der Raeder-Wagen bestritt ein weitgehend unauffälliges Rennen, das schließlich in den Tiefen des Klassements endete. Der Phönix Wagen mit Frank Stippler, Christopher Haase und Markus Winkelhock hingegen übernahm in der elften Runde die Führung. Damit hatte niemand mehr so richtig gerechnet, nachdem Frank Stippler den blaugelben R8 direkt nach dem Start ausgangs der Mercedes Arena gedreht hatte und zunächst aussichtslos zurückgefallen war.

Gerade als man sich über die Führung freuen dürfte, war der Zauber aber auch schon wieder vorbei. Bei wechselhaften Bedingungen auf der Strecke fand der R8 sein Ende im Streckenabschnitt Metzgesfeld. Der zweite Phoenix-Wagen mit Rene Rast und Oliver Jarvis sollte es für Audi richten. Doch auch der zweite Wagen mit Werksunterstützung aus Ingolstadt rollte eine Runde später weidwund in Richtung Boxengasse. Ein Einschlag ausgangs Pflanzgarten zwei hatte die Front des Audis nachhaltig deformiert.

Bester Ringträger wurde einmal mehr einer der ebenfalls von Raeder eingesetzte TT RS mit der Besatzung Elmar Deegener, Christoph Breuer und Jürgen Wohlfahrt. Man hätte wohl noch besser abschneiden können. Doch gerade, als die Bedingungen dem Fronttriebler immer mehr in die Karten spielten, wurde die Hatz abgebrochen. Gesamtrang acht ist trotzdem ein respektables Ergebnis.

BMW konnte am Ende des Tages einige Häkchen auf der Todo-Liste machen. Zweiter im Training, Sieg im Rennen und nebenbei ist der erste Schubert-BMW für das neue Top-40-Qualifying beim 24-Stunden-Rennen gesetzt. Kurz gesagt: Alles im grünen Bereich. Die BMW-Mannen fuhren zunächst relativ verhalten der Spitze hinterher, ohne jedoch den Kontakt abreißen zu lassen. Als das Wetter chaotisch wurde, hatte man ein gutes Händchen bei den Boxenstopps und bei der Wahl der Reifen. Dirk Adorf kam dabei noch nicht einmal zum Einsatz. Als Joker sollte er den Schlussturn bestreiten. Dazu kam es aber bekanntlich nicht mehr und Dirk Müller trug den Z4 behutsam über die Runden, bis Rennleiter Peter Bröcher dem Chaos ein Ende bereitete, bevor schlimmeres passierte.

Die beiden anderen Z4-Mannschaften im Feld können den Tag als Lernveranstaltung abhaken. Für die beiden Vita4One-BMW war das Rennen in Runde eins und drei beendet. Besser meisterten indes die Nordschleifen-Rookies vom belgischen Marc VDS-Team die Herausforderung. Markus Paltalla und Bas Leinders tasteten sich behutsam durch den Nebel und landeten schließlich auf Platz 15.

Für die beiden McLaren MP4-12 von Dörr Motorsport verlief das Premierenrennen alles andere als wunschgemäß. Sie teilten das Schicksal der beiden BMW aus dem Hause Bartels. Aus in Runde eins und drei. Damit wurde die frankfurter McLaren-Niederlassung sicher unter Wert geschlagen. Doch auch bei der besten Rundenzeit von 8:35 Minuten ist noch reichlich Luft nach oben.

Beim nächsten Lauf gibt es Verstärkung im Geschwader des britischen Herstellers. Gemballa hat bereits sein Kommen angekündigt. Der für die VLN vorgesehene Renner der Truppe wurde bei einem Trackday vor den Test- und Einstellfahrten von Klaus Ludwig nach einem Missverständnis auf der Strecke zu Kleinholz verarbeitet. Inzwischen ist der Wagen aber schon wieder in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellt.

Taktik oder gute Balance?

Abgesehen vom Ausreißer des Falken-Porsche lagen alle Protagonisten der Spitzengruppe bei den Rundenzeiten sowohl im Training, als auch im Rennen eng beieinander. Da aber zu keinem Zeitpunkt optimale Bedingungen herrschten und die Strecke im Qualifying erst gegen Ende der Session abtrocknete, fällt es noch schwer, die Rundenzeiten realistisch zu bewerten. Was im GT3 möglich ist, hat Marc Lieb beim letzten Saisonfinale im Manthey-Porsche gezeigt. Angesichts der damals gefahrenen 8:04er Runde durfte klar sein, dass freie Runden über 8:25 Minuten in den Bereich des Taktierens fallen dürften. Immerhin will nach wie vor niemand riskieren, kurz vor dem 24-Stunden-Rennen eingebremst zu werden.